Hamburg & Schleswig-HolsteinFDP setzt auf Vogt und Offensive für Landtagswahl 2027

Mit Christopher Vogt an der Spitze in Schleswig-Holstein peilt die FDP ein "bundesweites Comeback" an. Mit neuer Liste und Offensive soll der Weg zurück in die Regierung gelingen.
Neumünster (dpa/lno) - Die FDP Schleswig-Holstein hat ihre Liste für die Landtagswahl im kommenden Jahr aufgestellt. Auf Listenplatz 1 wurde der Landesvorsitzende Christopher Vogt mit 94,42 Prozent gewählt. Er erhielt 186 der 197 Delegiertenstimmen. Nach den jüngsten Wahlniederlagen will die Partei wieder in die Offensive kommen.
Zum Auftakt der Landesvertreterversammlung in Neumünster forderte Vogt die Liberalen dazu auf, die Voraussetzungen für ein "bundesweites Comeback" der Partei zu schaffen. "Die FDP lebt, ist äußerst lebendig", sagte der 42-Jährige. Er rief dazu auf, für einen Regierungswechsel nach der Landtagswahl zu kämpfen. An Ostern habe sich Wolfgang Kubicki entschieden, für den Bundesvorsitz zu kandidieren - seitdem sei wieder "Stimmung in der Bude".
Vogt: Grüne brauchen Pause in der Opposition
"Wir wollen nicht nur mit einem starken Ergebnis in den Landtag einziehen, wir wollen, wenn es passt, wieder Regierungsverantwortung übernehmen", sagte Vogt in seiner Bewerbungsrede. Man wolle den Grünen nach 23 Jahren in der Regierung eine Pause in der Opposition gönnen.
Auf Listenplatz 2 folgt Heiner Garg, der Parlamentarische Geschäftsführer, der bereits zwei Mal Gesundheitsminister in Schleswig-Holstein war. Garg kritisierte in seiner Bewerbungsrede Kürzungen des Politikunterrichts in Schleswig-Holstein. Es sei unverständlich, dass es beim derzeitigen Aufwuchs von Extremisten weniger Politikunterricht gebe. Es müsse angesichts der Entwicklung mehr und früher Politikunterricht an Schulen geben und nicht weniger davon, sagte Garg in seiner Bewerbungsrede.
Auf den Listenplätzen 3 und 4 folgen Annabell Krämer und Anne Riecke. Krämer ist seit 2017 Mitglied und Vizepräsidentin des Landtags. Anne Riecke hatte 2022 zunächst erfolglos für den Landtag kandidiert, rückte jedoch im Dezember 2024 nach dem Ausscheiden von Oliver Kumbartzky in den Landtag nach. Auf Listenplatz 5 folgt Finn Flebbe, der sich gegen die Gegenkandidaten Helmer Krane und Tobias Maack durchsetzte und 66,16 Prozent der Delegierten erreichte. Flebbe, der vom Vorsitzenden Wolfgang Kubicki vorgeschlagen wurde, ist seit September 2025 Bundesvorsitzender der Jungen Liberalen.
FDP blickt auf schwierige Ausgangslage
Bei der letzten Landtagswahl 2022 erreichte die FDP ein Ergebnis von 6,4 Prozent. Von 2017 bis 2022 war die Partei Teil der sogenannten Jamaika-Koalition bestehend aus CDU, Grünen und FDP. Christopher Vogt ist seit November 2024 Landesvorsitzender der FDP Schleswig-Holstein. Bereits seit 2017 führt er die FDP-Fraktion im schleswig-holsteinischen Landtag.
Die aktuellste Umfrage aus dem April 2026 von Infratest dimap im Auftrag des NDR sieht die FDP bei 4 Prozent. Die Regierungspartei CDU kommt demnach auf 33 Prozent, ihr Koalitionspartner die Grünen auf 19 Prozent. Die SPD könnte 12 Prozent der Wähler überzeugen, die Linke 6 Prozent und der Südschleswigsche Wählerverband 5 Prozent. Die AfD, die aktuell nicht im Landtag vertreten ist, käme auf 15 Prozent.
Wahlumfragen sind generell mit Unsicherheiten behaftet. Unter anderem erschweren nachlassende Parteibindungen und immer kurzfristigere Wahlentscheidungen den Meinungsforschungsinstituten die Gewichtung der erhobenen Daten. Umfragen spiegeln grundsätzlich nur das Meinungsbild zum Zeitpunkt der Befragung wider und sind keine Prognosen auf den Wahlausgang.
Am Sonntag wird sich die FDP erneut in Neumünster treffen, um die inhaltliche Ausrichtung der Partei zu diskutieren. Dann wird auch der Bundesvorsitzende Wolfgang Kubicki eine Rede halten. Die nächste Landtagswahl in Schleswig-Holstein findet am 18. April 2027 statt.