Hamburg & Schleswig-HolsteinMenschen gedenken der Opfer des russischen Angriffskriegs

Vor einem Jahr marschierten russische Truppen in die Ukraine ein. Zum Jahrestag der Invasion setzen Parteien, Institutionen und Unternehmen ein Zeichen für den Frieden. Für eine Minute ist es still in Hamburg.
Hamburg (dpa/lno) - Zum Jahrestag des russischen Angriffs auf die Ukraine haben Firmen, Vereine und Institutionen in Hamburg mit einer Gedenkminute und Kundgebungen ein Zeichen des Friedens gesetzt. Mehrere Tausend Menschen zogen am Freitag vom Hauptbahnhof durch die Innenstadt zum Gänsemarkt. Die Polizei vor Ort schätzte die Teilnehmerzahl auf mindestens 2500. Um Punkt 12.00 Uhr unterbrach die Hochbahn ihren Betrieb für eine Gedenkminute. "Gedenken an die Opfer des Ukraine-Kriegs - U-Bahnen und Busse stehen für eine Minute still", hieß es auf Anzeigen.
Aufgerufen zu der Aktion unter dem Motto #Hamburgstehtstill hatte der Verein MenscHHamburg. "Die Gedenkminute soll allen Ukrainerinnen und Ukrainern zeigen, dass ihr Leid nicht in Vergessenheit gerät", erklärte Vereinschef Lars Meier. Nach Angaben der Organisatoren stoppten auch Badegäste das Schwimmen in Hallenbädern, in Supermärkten hätten Kunden still gestanden. Vor dem Polizeipräsidium versammelten sich Mitarbeiter zu der Gedenkminute. Auch der HSV twitterte, man habe sich an der Aktion beteiligt.
Am Flughafen der Hansestadt pausierte nach Angaben einer Sprecherin kurz der Check-in. Eine Durchsage habe zu einem Moment des Innehaltens aufgerufen: "In Gedanken sind wir an der Seite der Ukraine, wir sind bei den Kriegsopfern und ihren Angehörigen, den Geflüchteten und allen, die von diesem Krieg betroffen sind", hieß es.
Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) sagte in einer Videobotschaft: "Der 24. Februar 2022 ist ein schwarzer Tag in der Geschichte Europas. Russlands Angriffskrieg ist ein schwerer Bruch des Völkerrechts." Er betonte, Hamburg stehe solidarisch an der Seite der Ukraine. Als Bundesratspräsident nahm Tschentscher an einer zentralen Gedenkveranstaltung in Berlin teil. Wegen eines Zugausfalls konnte der Bürgermeister danach nicht am offiziellen Gedenken in Hamburg teilnehmen, wie ein Sprecher der Senatskanzlei mitteilte.
An der Ernst-Barlach-Stele am Rathaus legten Bürgerschaftspräsidentin Carola Veit und in Vertretung für den Bürgermeister Staatsrätin Almut Möller (beide SPD) Kränze im Gedenken an die Toten, Verletzten und Vertriebenen nieder. Die ukrainische Generalkonsulin Iryna Tybinka sagte: "Jede Unterstützung, jede Geste des guten Willens, jede Maßnahme, die hier ergriffen wird, gibt Hoffnung und Zuversicht für meine Landsleute dort." Sie rief die Hamburger auf, an den Sieg der Ukraine zu glauben. "Gemeinsam werden wir gewinnen!", sagte Tybinka.
Auf der großen Demonstration zum Gänsemarkt trugen zwölf Frauen in traditioneller ukrainischer Tracht eine große blau-gelbe Landesflagge. Auf Schildern hieß es: "Stop Russian War Crimes!!" und "Russland ist ein Terrorstaat".
Vor dem russischen Generalkonsulat demonstrierte die Linke unter dem Motto "Stoppt den Krieg!". Auf einem anderen Transparent stand: "Keine Waffen-Lieferungen - Verhandlungen jetzt!" Eine Teilnehmerin trug eine Weste mit der Aufschrift: "Wer Sieg will, will Krieg". Ein dpa-Fotograf schätzte die Zahl der Teilnehmer auf 200.
Seit Beginn des Krieges haben rund 45.000 Menschen aus der Ukraine Schutz in Hamburg gesucht, wie die Senatskanzlei mitteilte. 31.000 von ihnen wurden dauerhaft in der Hansestadt untergebracht, die Hälfte fand den Angaben zufolge private Aufnahme bei Familien. Die Hamburger Schulen nahmen mehr als 7000 Kinder und Jugendliche aus der Ukraine auf.