Hamburg & Schleswig-HolsteinGewerbesteuern auf Rekordniveau im Norden

2,533 Milliarden Euro sind Rekord bei der Gewerbesteuer – trotzdem kämpfen viele Gemeinden in Schleswig-Holstein mit sinkenden Einnahmen. Warum die Gesamtzahl täuscht.
Kiel (dpa/lno) - Die Gemeinden in Schleswig-Holstein haben 2025 so viel Gewerbesteuern eingenommen wie noch nie zuvor. Das Aufkommen lag bei 2,533 Milliarden Euro, wie das Statistikamt Nord berichtete. Das waren 289 Millionen Euro mehr als 2024. Der bisherige Höchstwert von 2,265 Milliarden Euro datierte aus dem Jahr 2023.
Das geschäftsführende Vorstandsmitglied des Schleswig-Holsteinischen Gemeindetags, Jörg Bülow, sagte der Deutschen Presse-Agentur, "zum Glück erweist sich die eher mittelständisch geprägte Wirtschaft in Schleswig-Holstein insgesamt als robuster als im bundesweiten Trend. Daher ist die Entwicklung erfreulich."
Es handele sich allerdings um das Brutto-Aufkommen, sagte Bülow. "Die Gemeinden müssen davon noch die Gewerbesteuerumlage an Land und Bund abführen." Diese werde für jede Gemeinde individuell berechnet. Im landesweiten Schnitt seien das 2021 geschätzt knapp zehn Prozent des Aufkommens gewesen.
Weniger als die Hälfte
Nach Auswertung des Statistikamts profitierte aber nur etwas weniger als die Hälfe der 1.104 Kommunen von der positiven Gesamtentwicklung. In 573 Gemeinden war das Gewerbesteuer-Aufkommen 2025 geringer als im Vorjahr. Das Steueraufkommen stieg in den Kreisen Stormarn und Dithmarschen am stärksten, in den Kreisen Herzogtum Lauenburg, Segeberg und Nordfriesland sank es dagegen.
Bülow sprach von einer differenzierten Entwicklung im Land. "In mehreren Kreisen und mehr als der Hälfte der Gemeinden ist die Entwicklung ja leider negativ, sie haben also rückläufige Einnahmen aus der Gewerbesteuer. Daher behebt diese Entwicklung der Gewerbesteuer leider nicht die aktuell prekäre kommunale Finanzlage."
Das landesweite Gewerbesteuer-Aufkommen pro Einwohnerin und Einwohner betrug nach Angaben des Statistikamts 856 Euro. In fast 80 Prozent der Gemeinden lag die Quote allerdings darunter. In Hälfte der Gemeinden betrug sie 343 Euro oder weniger. Neun Gemeinden verzeichneten ein Gewerbesteuer-Istaufkommen pro Kopf in Höhe von 10.000 Euro oder mehr. An der Spitze standen Reußenköge im Kreis Nordfriesland, Büttel im Kreis Steinburg und Lieth im Kreis Dithmarschen.