Hamburg & Schleswig-HolsteinHamburg ehrt Esther Bejarano und Jina Mahsa Amini

Die Hansestadt Hamburg ehrt zwei Frauen, deren Leben und Wirken für Freiheit, Menschenrechte und den Widerstand gegen Unterdrückung stehen. Deshalb werden eine Straße und ein Park nach ihnen benannt.
Hamburg (dpa/lno) - Hamburg bekommt eine Esther-Bejarano-Straße und einen Jina Mahsa Amini-Park. Das teilte die Stadt mit. Die Senatskommission für die Benennung von Verkehrsflächen habe auf Vorschlag der Bezirksversammlung Hamburg-Altona beschlossen, dass die Bergiusstraße zwischen der Großen Brunnenstraße und der Erdmannstraße künftig den Namen Esther-Bejarano-Straße tragen wird.
Die 1924 geborene und 2021 gestorbene Esther Bejarano war Verfolgte unter der Herrschaft der Nationalsozialisten. Sie überlebte die Shoah, war Sängerin, Zeitzeugin, Aktivistin und langjährige Vorsitzende des Auschwitz-Komitees in der Bundesrepublik Deutschland. Seit den 1960er-Jahren lebte sie in Hamburg.
Mit ihren Erinnerungen, ihrem politischen Engagement und ihrer Musik sei sie zu einer der eindringlichsten Stimmen gegen das Vergessen und gegen Antisemitismus, Rassismus und Rechtsextremismus geworden, erklärt die Stadt.
Untersuchung zur NS-Belastung von Straßennamen
Die Bergiusstraße werde aufgrund einer NS-Belastung des Chemikers und Unternehmers Friedrich Bergius umbenannt, teilte die Stadt weiter mit. Diese Belastung habe der Historiker David Templin in seiner Studie "Wissenschaftliche Untersuchung zur NS-Belastung von Straßennamen" festgestellt. Das Staatsarchiv hatte ihn 2017 mit der Untersuchung beauftragt.
Die 1999 geborene Jina Mahsa Amini starb am 16. September 2022 in der iranischen Hauptstadt Teheran. Sie wurde von der sogenannten "Sittenpolizei" wegen des angeblich nicht vorschriftsgemäßen Tragens ihres Kopftuchs festgenommen. Die Festnahme ging den Angaben zufolge mit schwerer körperlicher Misshandlung einher. Infolgedessen fiel Amini ins Koma und starb drei Tage später.
Ihr Tod löste im Iran eine breite Protestbewegung unter dem Slogan "Frau, Leben, Freiheit" aus. Die iranische Regierung reagierte darauf mit massiver Gewalt. Seit Mai 2026 erinnert das Denkmal "Jinas Beet" in Winterhude an Jina Mahsa Amini und die Bewegung.
"Beide stehen für den Mut, Unterdrückung entgegenzutreten"
Der Ort, an dem das Denkmal seinen dauerhaften Standort gefunden hat, werde nun nach Jina Mahsa Amini benannt und setze damit ein dauerhaftes Zeichen für Freiheit, Menschenrechte und zivilgesellschaftlichen Zusammenhalt, so die Stadt Hamburg.
"Esther Bejarano und Jina Mahsa Amini stehen beide für den Mut, Unterdrückung entgegenzutreten und sich für Freiheit und Menschenwürde einzusetzen", sagt Carsten Brosda, Hamburgs Senator für Kultur und Medien. "Mit den Benennungen bewahren wir nicht nur die Erinnerung an zwei besondere Frauen, wir machen ihre Geschichten und das, wofür ihre Namen stehen, dauerhaft im Hamburger Stadtraum sichtbar."
Ihre Lebensgeschichten erinnerten zugleich daran, dass demokratische Werte und Freiheitsrechte niemals selbstverständlich seien und dass man entschlossen für sie eintreten müsse, erklärte Brosda.