Hamburg & Schleswig-HolsteinHamburg verteidigt höhere Rettungsdienst-Gebühren

Der Einsatz eines Rettungswagens in Hamburg kostet jetzt rund 750 Euro. Was hinter dem Anstieg steckt und wie die Ersatzkassen darauf reagieren.
Hamburg (dpa/lno) - Die Stadt Hamburg hat die zum Jahreswechsel in Kraft getretenen deutlichen Gebührensteigerungen im Rettungsdienst gegen Kritik des Verbands der Ersatzkassen (vdek) verteidigt. "Die Gebühren decken die tatsächlichen Kosten des Rettungsdienstes und dienen der Sicherstellung einer flächendeckenden, qualitativ hochwertigen Versorgung", sagte ein Sprecher der Feuerwehr, die in der Hansestadt die Gebühren verhandelt.
Gebühren für Einsatz eines Rettungswagens bei rund 750 Euro
Zum Jahreswechsel sind die Gebühren für den Einsatz eines Rettungswagens (RTW) in Hamburg auf 750,37 Euro gestiegen. Im Vorjahr lagen sie noch bei 685,56 Euro, was einer Steigerung von rund neun Prozent entspricht. Aus Sicht der Hamburger vdek-Leiterin Kathrin Herbst ein Unding: "Versicherte haben einen Anspruch auf einen modernen Rettungsdienst in guter Qualität – aber nicht zu überhöhten Preisen, sondern im Rahmen der üblichen Kostensteigerungen." Der immer tiefere Griff in die Taschen der Versicherten müsse ein Ende haben.
Der Feuerwehrsprecher betonte, die Gebührensteigerungen resultierten aus steigenden Vergabekosten für Rettungsdienstleistungen, aus Investitionen in Infrastruktur und Ausstattung sowie in erweiterte Ausbildungskapazitäten für Notfallsanitäter und -sanitäterinnen. Im Übrigen seien die Kostenträger - auch die gesetzlichen Krankenkassen - am Verfahren beteiligt gewesen. "In fünf Gesprächsterminen wurden die relevanten Kostenpositionen, Prognoseverfahren und die geplanten Maßnahmen ausführlich erläutert und diskutiert." Einwände seien aufgenommen und geprüft worden.
Vdek fordert echte Verhandlungen
Herbst kritisierte, dass die Länder die Kosten über Gebühren weitgehend auf die Krankenkassen abwälzten, obwohl diese gesetzlich nur zur Übernahme der Fahrtkosten verpflichtet seien. "Wir fordern echte Verhandlungen, damit wirtschaftliche Gebühren für die gesetzliche Krankenversicherung erreicht werden und die Kostenspirale sich nicht ungebremst weiterdreht."
In den vergangenen zehn Jahren sind die Kosten für den Rettungsdienst laut Feuerwehr um 87 Prozent gestiegen, nach Angaben des vdek sogar um 93 Prozent. Grund hierfür sei das Vorhalten von mehr RTW wegen gestiegener Alarmierungszahlen sowie gleichzeitig sinkender Einsatzgeschwindigkeiten etwa wegen Baustellen. Insgesamt gab es in Hamburg nach jüngsten Daten der Feuerwehr von 2024 rund 295.000 Einsätze im Rettungsdienst, knapp 220.000 davon übernahm die Feuerwehr selbst. Viele RTW schafften dabei aber die geforderte Eintreffzeit innerhalb von acht Minuten nicht.
Einführung der Notfalltransportwagen senkt Kosten
Der Feuerwehrsprecher betonte, dass etwa mit Einführung der Notfalltransportwagen für nicht zeitkritische Notfalleinsätze bereits Kosten gespart würden. Auch werde die Digitalisierung vorangetrieben. Herbst forderte zudem ein Zusammenlegen der Notruf-Nummern 112 und 116117 sowie eine strukturierte digitale Ersteinschätzung. Denn auch in Hamburg liege bei vielen Notrufen keine dringende medizinische Notwendigkeit vor, gleich einen RTW zu schicken.