Hamburg & Schleswig-HolsteinHandelskammer fordert Geld für schönere Stadtteilzentren
Die Corona-Krise hat den Einzelhandel enorm geschwächt. Nicht wenige Geschäfte haben die Pandemie nicht überlebt, in der Innenstadt fehlen Touristen. Und trotzdem haben die Stadtteilzentren Hamburgs auch ein bisschen gewonnen. Nun soll ihr Charme noch erhöht werden.
Hamburg (dpa/lno) - Ein schöner gepflegter Platz zum Verweilen, viele Geschäfte in der Nähe, kaum Laden-Leerstand und gemütliche Cafés und Restaurants - mit diesem Ambiente können Stadtteilzentren auch jenseits der Hamburger Innenstadt viele Menschen zum Einkaufen und Verweilen anlocken. In der Hansestadt gibt es bereits seit vielen Jahren den Wunsch, diese sogenannten Quartiere aufzuhübschen. "Die Quartiere sind nicht vernachlässigt worden, aber es gibt noch genügend Plätze, die seit 60 Jahren nicht gestaltet wurden. Da ist noch Luft nach oben. Orte mit Potenzial haben wir überall in der Stadt", sagte Heiner Schote, der stellvertretende Geschäftsführer der Handelskammer Hamburg der Deutschen Presse-Agentur. Damit diese Plätze neben der Innenstadt zu kleinen Schätzen des jeweiligen Bezirks werden und so viel Kaufkraft in die Quartiere bringen können, muss Geld in die Hand genommen werden. Das sagt die Handelskammer und hat dieses Vorhaben mit konkreten Forderungen an die Stadt verknüpft.
So fordert sie vom Senat ein 50 Millionen schweres Investitionsprogramm. Damit sollen die Aufenthaltsqualität in den Quartieren verbessert werden und Plätze und öffentliche Räume ausgebaut und modernisiert werden, wie Handelskammer-Präses Norbert Aust am Dienstag in Hamburg sagte. Für die Innenstadt sollen nach dem Willen der Handelskammer weitere 50 Millionen Euro dazukommen. Von diesem 100-Millionen-Euro-Programm würden nicht nur der Einzelhandel, sondern auch die Gastronomie profitieren, so Aust weiter.
Doch Geld allein reicht nicht, ist die Handelskammer überzeugt. Um die Entwicklung der Stadtteilzentren professionell vorantreiben zu können, seien zudem gute Quartiersmanager nötig. Für sie fallen jährlich Kosten von jeweils etwa 200 000 Euro an, wie Aust weiter sagte. Bislang übernehmen die Unternehmen vor Ort diese Ausgaben. In Zeiten der Corona-Krise, in denen viele Händler enorme Umsatzeinbußen hinnehmen müssen, fordert die Handelskammer nun, dass sich die Stadt dauerhaft zu einem Drittel daran beteiligt. Das sind je 60 000 Euro pro Quartier und Jahr.
Quartiersmanager gelten als wichtigstes Bindeglied zwischen Einzelhändlern, Investoren, Bezirksämtern und Anwohnern. "Man braucht viel Gespür und Verständnis für alle Seiten", sagte Melanie-Gitte Lansmann. Sie ist Citymanagerin in Harburg und kann dort den Marktplatz Sand als neues Vorzeigeprojekt vorweisen. Der wurde als zentraler Platz in der Harburger Innenstadt - von Stadt und Anliegern finanziert - komplett neu gestaltet. Eine Win-Win-Situation für Anwohner und Händler. Gelungen ist das auch, weil Lansmann seit 14 Jahren für ihr Quartier kämpft und unglaublich gut vernetzt ist. "Man ist wie eine Krake mit 1000 Armen in alle Richtungen", sagte sie dazu.
Um dieses hauptamtliche Engagement in allen sieben Bezirken dauerhaft zu ermöglichen, soll die Stadt nun jährlich 240 000 Euro zahlen. Ob es dazu kommt, ist unklar. Der Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos) habe das Standpunktepapier der Handelskammer am Montagabend zumindest schon mal entgegengenommen, so Präses Aust.
Darin wird der Senator auch eine weitere wichtige Forderung lesen: Die coronabedingt ausgefallene Sonntagsöffnung vom 5. April soll in der Weihnachtszeit nachgeholt werden, um die massiven wirtschaftlichen Einbußen dieses Frühjahrs wenigstens teilweise ausgleichen zu können. Obwohl seit der Öffnung der Geschäfte im Mai Umsatz und Frequenz in der Innenstadt wieder langsam gestiegen sind, liegen die Zahlen noch immer etwa 40 Prozent unter denen des Vorjahres.
Bei den Quartieren sieht es der Handelskammer zufolge dank des monatelangen Homeoffices vieler Menschen weniger dramatisch aus. Die Leute seien eben häufiger dort einkaufen und essen gegangen, wo sie auch wohnen, so Schote von der Handelskammer. Dennoch gibt es auch in den Stadtteilzentren das Problem von zunehmenden Leerständen - was die Corona-Krise noch verstärkt habe, wie Präses Aust weiter sagte. "Wir müssen ein bisschen dagegen wirken, damit die Aufenthalts- und Lebensqualität auch in den Quartieren beibehalten wird." Damit die derzeitige Tendenz der Leute, sich in den Stadtteilzentren aufzuhalten, dort einzukaufen, Essen zu gehen, nach der Krise nicht wieder verloren gehe.