Hamburg & Schleswig-HolsteinHohe Dieselpreise belasten Busbetriebe im Norden

Steigende Dieselpreise treffen Busunternehmen im Norden unterschiedlich stark. Wie E-Busse und neue Strategien die Auswirkungen abfedern sollen.
Kiel/Lübeck (dpa/lno) - Die seit dem Angriff von USA und Israel auf Iran gestiegenen Energiepreise belasten nicht nur Autofahrer. Den Busunternehmen macht der hohe Dieselpreis zu schaffen - allerdings in unterschiedlichem Ausmaß, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei den städtischen Busunternehmen und dem Omnibusverband Nord (OVN) ergab.
Die Auswirkungen auf die Busunternehmen im Land seien teilweise deutlich spürbar, bestätigte OVN-Geschäftsführer Joachim Schack. "Es ist davon auszugehen, dass sich die Lage noch dramatisch zuspitzen könnte, sollte der Dieselpreis dauerhaft auf diesem Niveau verharren." Die zweimonatige Senkung der Mineralölsteuer habe nur einen sehr begrenzten Effekt.
Gerade die Unternehmen mit langjährigen ÖPNV-Verkehrsverträgen und nicht zweckmäßigen Preisfortschreibungsklauseln würden gerade kalt erwischt, weil derartige Kostenexplosionen nicht eingepreist werden konnten, so Schack. "Längst leben viele Unternehmen von der Substanz, was aber bekanntlich und individuell sehr unterschiedlich nicht lange gutgeht. Das Verschwinden vom Markt findet meistens leise und geräuschlos statt, aber der Schaden für die Mobilität der Menschen gerade im ländlichen Raum wird immens sein."
KVG setzt auf Elektrobusse
Die KVG Kieler Verkehrsgesellschaft ist nach eigenen Angaben bereits seit zehn Jahren dabei, ihre Busflotte auf einen emissionsfreien Betrieb umzustellen. Dabei sei das Unternehmen in den vergangenen Jahren ein großes Stück vorangekommen, sagte eine Sprecherin. "Daher betrifft die derzeitige Dieselpreiserhöhung nur noch einen Teil unserer Fahrzeugflotte."
Elektrobusse machen bei dem kommunalen Busunternehmen mittlerweile einen großen Teil der Flotte aus. "Zurzeit haben wir von insgesamt 200 Fahrzeugen knapp 100 elektrisch betriebe Busse im Einsatz", sagte die Sprecherin. Im laufenden Jahr werde noch eine restliche Lieferung von E-Bussen erwartet, in den kommenden Jahren würden weitere folgen. "Bis 2032 möchte die KVG alle Fahrzeuge (auch die Hybridbusse) auf elektrische Antriebe komplett umstellen." Davon sind aktuell 33 im Einsatz.
Bei den Schiffen der Schlepp- und Fährgesellschaft (SFK) auf der Kieler Förde ist der Dieselpreis nach Angaben der Sprecherin nicht mehr von Bedeutung. Die SFK fahre auf der Schwentinelinie F2 bereits mit kleineren Fähren vollelektrisch. Die größeren Fähren seien Plug-in-Hybridschiffe, die mit synthetischem Diesel betrieben werden.
Weitere Belastungen neben Dieselpreis
Elektroantriebe spielen auch bei Neumünsters Stadtbussen der SWN Verkehr eine wichtige Rolle. Die Stadtwerke verfolgten einen klaren Kurs bei der Umstellung auf E-Mobilität, sagte eine Sprecherin. Dazu zählt unter anderem die Weiterentwicklung des erfolgreichen Shuttle-Services "Hin&Wech". "An dieser Strategie halten wir fest. Die aktuelle Situation gibt für uns keinen Anlass, von diesem Weg abzuweichen."
"Die gestiegenen Dieselpreise machen sich bemerkbar – sie sind allerdings nicht der einzige Kostenfaktor, mit dem unsere Mitgliedsunternehmen derzeit umgehen müssen", sagte die SWN-Sprecherin. "Auch Ersatzteile und Lieferkosten haben sich verteuert, zudem kommt es bei einzelnen Komponenten weiterhin zu längeren Lieferzeiten als gewohnt." Die aktuelle Situation erfordere Aufmerksamkeit, sei jedoch handhabbar.
Entlastungen gefordert
Eine Sprecherin des Flensburger Busunternehmens Aktiv Bus betonte, "eine Existenzbedrohung sehen wir nicht". Aber grundsätzlich muss die aktuelle, nicht auskömmliche Finanzierung des öffentlichen Nahverkehrs auf den Prüfstand, um einen Abbau von Angeboten zu verhindern. "Ein Angebotsausbau im Sinne der Verkehrswende ist aktuell nicht darstellbar."
Das Unternehmen verweist auf die Ende April vom Landkreistag veröffentlichte Resolution. Der Verband warnte vor dramatisch gestiegenen Kosten für den Nahverkehr auf dem Land. Von der Landesregierung fordern die Kreise, dass sich das Land stärker und mit einer der realen Kostenentwicklung entsprechenden Dynamisierung an den Kosten des kommunalen Nahverkehrs beteiligt. Das Einfrieren der Mittel und damit ein faktischer Rückzug aus der Finanzierung müssten ein Ende haben.
"Grundsätzlich ist die Beschaffung von Elektrobussen ohne Fördermittel aufgrund der deutlich höheren Beschaffungskosten eine Herausforderung", sagte die Sprecherin. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen erforderten aber die Umstellung auf emissionsfreie Antriebe.
Der OVN sieht aktuell eher keine Beschleunigung der Umstellung auf Elektrobusse. "Es fehlen ja nicht nur Planungssicherheit, sondern auch finanzielle Ressourcen, gerade jetzt, aber selbst nach Start des neuen Bundesförderprogramms, weil selbst der Co-Finanzierungsanteil unter den gegebenen Rahmenbedingungen nicht leistbar ist", krisierte Schack.
Im Bereich des Anmiet- und bustouristischen Verkehrs fehle es noch an technologischen Voraussetzungen und einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur.
Bund und Land sollen aktiv werden
Von der Bundes- und Landesregierung erwarteten die Unternehmen jetzt deutliche und spürbare Signale eines längst überfälligen Bürokratieabbaus und steuerliche Entlastungen "Es fehlen Mut und Kreativität, um auch kleinen und mittelständischen Busunternehmen ein wirtschaftlich auskömmliches Agieren am Markt zu ermöglichen und dem durchaus vorhandenen Unternehmensnachwuchs eine überzeugende Perspektive aufzuzeigen", so Schack.