Hamburg & Schleswig-HolsteinJugendherberge als Unterkunft für Geflüchtete hergerichtet

Bisher wurde in Schleswig immer versucht, Geflüchtete direkt in eigenen Wohnungen unterzubringen. Doch angesichts knappen Wohnraums und hoher Zahlen hat die Stadt nun eine andere Lösung suchen müssen. Und gefunden.
Schleswig (dpa/lno) - Die Stadt Schleswig hat die Jugendherberge als Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete eingerichtet. Die ersten rund 40 Bewohner sollen am 13. November einziehen, wie der Integrationsbeauftragte der Stadt, Haidar Chahrour, am Montag sagte. Bisher hätten die Geflüchteten in der Stadt direkt in private Mietverhältnisse gebracht werden können. Aber nun gebe es keinen freien Wohnraum mehr dafür. "Die Lage auf dem Wohnungsmarkt ist sehr angespannt und dementsprechend mussten wir reagieren", sagte Chahrour.
Daher wurde die Jugendherberge an die Bedürfnisse der Flüchtlinge angepasst. So gibt es in der alten Großküche nun mehrere Kochstellen und Kühlschränke, damit sich die künftigen Bewohner selbst versorgen können. Gemeinschaftsräume werden in den kommenden Wochen noch gemütlich eingerichtet, dort soll es dann beispielsweise Spiele, Kinoabende und Sprachkurse geben. Mehrbettzimmer sollen mit maximal zwei Menschen belegt werden. Familien können in der Wohnung der ehemaligen Herbergseltern untergebracht werden.
Auch das Haus Mühlental - eine ehemalige Wohneinrichtung für Menschen mit Behinderungen - wurde von der Stadt angemietet. Beide Häuser zusammen bieten Platz für je 85 Menschen. Es sei geplant, dass sowohl Einzelpersonen als auch Paare und Familien dort leben. Für beide Häuser hat die Stadt einen Betreuungsdienst durch die Johanniter sowie einen Sicherheitsdienst organisiert.
Menschen sollen sich wohlfühlen
Die neue Unterbringungsmöglichkeit solle keine "Verwahranstalt" sein, sagte Christian Pagel von den Johannitern. "Die Menschen sollen sich hier wohlfühlen." Die Johanniter stellen unter anderem Hausbetreuer und Gesprächsangebote zur Verfügung. Daneben steht ein Kleinbus für notwendige Fahrten, Einkäufe, Arzt- und Behördengänge sowie für Ausflüge bereit. Zudem wurde ein Hausnotrufsystem installiert, das mit der Johanniteralarmzentrale verbunden ist.
Die Anwohner im näheren Umfeld sind von der Stadt über die geplante Unterbringung von Geflüchteten in der Jugendherberge informiert worden, sagte Chahrour. Proteste dagegen habe er noch nicht vernommen.
Die Jugendherberge stand seit Beginn der Coronapandemie weitgehend leer. Einige Räume wurden nach Angaben der Stadt von einer nahe gelegenen Schule genutzt. Der DJH-Landesverband begrüßte in einer Mitteilung, dass das Gebäude sinnstiftend genutzt wird.