Hamburg & Schleswig-HolsteinKathleen Krüger: Arbeiten aus der Vogelperspektive

Nun ist Kathleen Krüger auch offiziell Sportvorständin des Hamburger SV. Bei ihrem ersten Auftritt verrät die langjährige Bayern-Mitarbeiterin ihre Pläne - und wo sie nie auftauchen wird.
Hamburg (dpa/lno) - Ganz oben auf Kathleen Krügers To-do-Liste für die kommenden Wochen stehen Zuhören und Gespräche. "Es gilt jetzt einfach für mich, erst einmal ein Stück weit zuzuhören, einfach noch mehr kennenzulernen, um dann gemeinsam nächste Schritte zu gehen, nächste Kapitel zu schreiben", sagte die neue Sportvorständin des Fußball-Bundesligisten Hamburger SV bei ihrer offiziellen Vorstellung.
Sieben Wochen zuvor hatte der HSV mit der Verpflichtung der 41-Jährigen überrascht. "Je mehr wir dich kennenlernen durften, desto klarer wurde uns, dass du genau die Richtige für den HSV bist", sagte Präsident Henrik Köncke beim ersten Auftritt von Krüger vor etwa 40 Medienvertretern.
Krüger überzeugte die HSV-Verantwortlichen
Sie ist die erste feste Sportvorständin bei einem Bundesligisten. Vor dem Engagement der ehemaligen Bundesliga-Spielerin waren prominentere Namen wie Frankfurts Markus Krösche oder Ex-BVB-Sportdirektor Sebastian Kehl gehandelt worden. Nun tritt sie die Nachfolge von Stefan Kuntz an, von dem sich der Verein Anfang des Jahres getrennt hatte. Seitdem war Finanzchef Eric Huwer einziger Vorstand des HSV.
Schon seit einer Woche ist sie beim HSV, führt Gespräche mit Mitarbeitenden. Ihr Auftrag ist klar: Sie solle den HSV voranbringen, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Michael Papenfuß. Das sei ambitioniert. "Mit den Voraussetzungen, die du mitbringst und denen du uns überzeugt hast, sind wir zu 100 Prozent sicher, die richtige Entscheidung getroffen zu haben."
Jahrelang beim FC Bayern in verantwortlichen Positionen
Krüger, die am nördlichen Stadtrand von München aufwuchs, spielte zwischen 2004 und 2007 für die Frauen des FC Bayern. Ab 2010 arbeitete sie zunächst auf der Geschäftsstelle des Fußball-Rekordmeisters als Assistentin des damaligen Sportdirektors Christian Nerlinger.
Zwischen 2012 und 2024 war sie als Teammanagerin für organisatorische Belange rund um den deutschen Spitzenclub tätig. Zuletzt hatte sie die Sportstrategie und strukturelle Weiterentwicklung des Clubs verantwortet.
Was passiert mit Cheftrainer Merlin Polzin?
Außer Zuhören und Gespräche hat Krüger beim HSV in den kommenden Wochen noch weitere dringende Punkte abzuarbeiten. Gemeinsam mit Sportdirektor Claus Costa müssen zahlreiche Transfers abgewickelt werden. Auch die Frage nach der Vertragsverlängerung mit Cheftrainer Merlin Polzin ist noch nicht geklärt, dessen Kontrakt am 30. Juni 2027 endet.
Zumindest bei dieser Entscheidung möchte sie sich Zeit lassen. "Ich starte heute, nächste Woche haben wir Trainingsstart. Wir haben in den Trainingslagern Zeit, um uns einfach besser kennenzulernen", meinte sie. Diese Zeit werde genutzt. "Und wenn wir das Gefühl haben, dass wir das abgeschlossen haben, und wenn wir da was zu vermelden haben, sind wir da."
Trainerbank ist "nicht mein Tanzbereich"
Krüger sieht sich vor allem verantwortlich für die strategische Ausrichtung des Vereins. Das betrifft sowohl die Bundesliga-Männer als auch die Bundesliga-Frauen und ebenso das Nachwuchsleistungszentrum. Sie sei für den gesamten Sport zuständig, sagte sie. "Ich werde definitiv in der Vogelperspektive bleiben", meinte Krüger. Auf der Trainerbank werde sie nicht sitzen. "Das ist nicht mein Tanzbereich."
Dass der HSV noch immer ein hohes Ansehen in Fußball-Deutschland genießt trotz sieben Jahren in der 2. Bundesliga, hat Krüger immer wieder gespiegelt bekommen. "Die Erwartungshaltung, der Anspruch von außen ist so, so, so groß, und irgendwie jeder sieht dieses Potenzial in dem Verein", sagte sie.
Es sei die Verantwortung von ihr, Finanzvorstand Huwer und der Direktorenebene, zielstrebig und entwicklungsorientiert nächste Schritte zu gehen. "Wir haben da wirklich unfassbar Lust darauf, zu entwickeln und alles andere, als zu verwalten", betonte Krüger. Über eine Rückkehr des HSV auf die internationale Bühne will sie noch nicht reden. "Ich glaube, es wäre vermessen, heute über Donnerstagsspiele zu sprechen."