Hamburg & Schleswig-HolsteinMehr als 700 E-Busse rollen jetzt in Hamburg

Doch auch herkömmliche Fahrzeuge setzte die Hochbahn weiter ein - nicht nur um in Krisen gewappnet zu sein. Dennoch ist Hamburg laut einer aktuellen Studie bundesweiter Spitzenreiter bei den E-Bussen.
Hamburg (dpa/lno) - Auf den Straßen Hamburgs sind aktuell mehr als 700 E-Busse unterwegs. Die Elektrifizierungsquote liege jetzt (Stand Juni 2026) bei 39 Prozent, teilte eine Sprecherin der Hochbahn der Deutschen Presse-Agentur mit. Aktuell seien 432 E-Busse im Einsatz - bis 2031 sollen bis zu 240 weitere dieser Gefährte angeschafft werden.
Verlässliche Angaben dazu, wann eine komplette Umstellung auf Elektroantrieb überhaupt möglich wäre, konnte die Sprecherin nicht machen. "Die Umsetzungsgeschwindigkeit der Elektrifizierung des Bussystems ist unter anderem maßgeblich von Fördermitteln abhängig." Zudem stehe die Hochbahn angesichts der weltpolitischen Lage und globalen Herausforderungen im Energiesektor vor neuen Herausforderungen - "sodass sie ihre Aufgaben im Bereich Katastrophenschutz und Krisenvorsorge neu bewertet hat".
Weiterhin herkömmliche Busse unterwegs
Auch herkömmliche Fahrzeuge sind unter anderem daher weiterhin im Einsatz. Aus Sicht der Hochbahn erhöht die Kombination aus Elektro- und herkömmlich angetriebenen Bussen mit alternativen Kraftstoffen die Krisenfestigkeit des Gesamtsystems und steigere einen flexiblen Einsatz. Je nach Lage böten beide Antriebsformen spezifische Vorteile.
Die herkömmlich angetriebenen Fahrzeuge würden seit Januar schrittweise auf den Einsatz von Biokraftstoffen umgestellt. Sogenannte HVO-Kraftstoffe (Hydrotreated Vegetable Oils) aus recycelten Abfällen und Pflanzenölen gelten als fast CO2-neutral und haben einen geringen Feinstaub-Ausstoß. Laut Hochbahn werden aktuell mehr als die Hälfte (352 Busse) aller Verbrennerbusse mit HVO betankt.
Umweltverbände wie Nabu, Deutsche Umwelthilfe oder Greenpeace sehen die HVO-Kraftstoffe jedoch kritisch, sprechen von einer Mogelpackung. So seien die Ausgangsstoffe nicht ungenutzte Abfälle, sondern teils wertvolle, umkämpfte Rohstoffe. Aus Sicht der Umwelthilfe dient HVO vor allem dazu, Verbrennerfahrzeugen ein grüneres Image zu geben.
Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein rollen ohne HVO
Die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) hatten sich gegen den Einsatz von HVO-Kraftstoffen entschieden, "da sich im Vergleich zu den Dieselfahrzeugen weder ökologische noch wirtschaftliche Vorteile ergeben", teilte ein VHH-Sprecher der dpa mit. Ein Einsatz würde demnach auch hohe Kosten für den Aufbau der entsprechenden Infrastruktur bedeuten, parallel zu den für die Transformation zur E-Mobilität entstehenden Kosten. "Darüber hinaus erwarten wir, die Flotte in den 2030er Jahren komplett mit Batterie-E-Bussen betreiben zu können."
Die VHH haben aktuell 278 von rund 800 Bussen auf E-Fahrzeuge umgestellt - das entspricht laut Sprecher mehr als einem Drittel der Flotte. Noch in diesem Jahr sollen demnach 28 weitere E-Busse in Betrieb genommen werden.
Studie: In Hamburg fahren bundesweit die meisten E-Busse
"Bereits heute ist die Anzahl und der Anteil an E-Bussen in Hamburg im deutschen und europäischen Vergleich spitze", teilte eine Sprecherin der Hamburger Verkehrsbehörde der dpa mit.
Laut einer aktuellen Studie mit dem Titel "E-Bus-Radar 2026" war Hamburg im vergangenen Jahr mit 709 Fahrzeugen (Hochbahn und VHH) bundesweiter Spitzenreiter. Berlin folgte demnach mit 277 Fahrzeugen auf Platz zwei. Knapp die Hälfte aller E-Busse war den Angaben zufolge in Nordrhein-Westfalen, Hamburg und Bayern im Betrieb.