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Niedersachsen & BremenMinisterin über neue Lehrer: "Hätte mir niemand geglaubt"

11.07.2026, 05:31 Uhr
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Der Lehrermangel bleibt auch zum neuen Schuljahr eine Herausforderung. Kultusministerin Hamburg erklärt, welche Fächer und Schulen besonders betroffen sind – und wie sie das ändern will.

Hannover (dpa/lni) - Trotz des anhaltenden Lehrkräftemangels an Niedersachsens Schulen sieht Kultusministerin Julia Willie Hamburg deutliche Fortschritte bei der Unterrichtsversorgung. "Wir werden in dieser Legislaturperiode über 5.600 zusätzliche Lehrkräftestellen schaffen und zum allergrößten Teil mit top ausgebildeten Lehrkräften besetzen, das ist eine tolle Entwicklung", sagte die Grünen-Politikerin. "Hätte ich das zu Beginn der Legislaturperiode angekündigt, mir hätte das niemand geglaubt."

Allein zum neuen Schuljahr nach den Sommerferien sind Hamburg zufolge mehr als 2.000 Stellen ausgeschrieben. Die Besetzung laufe derzeit, und die Besetzungsquote sei mit gut 75 Prozent vergleichbar mit den Vorjahren. "Wir werden wieder mehr Lehrkräfte einstellen können als aus dem Dienst aussteigen", sagte Hamburg. Mit dem neuen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung sowie zusätzlichen Stunden für Basiskompetenzen steige allerdings auch der Personalbedarf. Auch die Schülerzahlen stiegen zuletzt.

Welche Lehrer eine "Einstellungsgarantie" bekommen

In ihrer Amtszeit sei die Unterrichtsversorgung bislang von 96,3 Prozent auf 97,2 Prozent gestiegen, sagte Hamburg weiter. Der Wert gibt an, ob es für das Soll an Pflichtstunden genügend Lehrkräfte gibt. Wegen des bundesweiten Fachkräftemangels und gestiegener Anforderungen sei es indes zu einfach zu suggerieren, man könne morgen bei 100 Prozent sein. "Diese Steigerung war und ist kein Selbstläufer, sondern wir müssen richtig arbeiten, das Niveau zu halten", sagte Hamburg. "Aber wir tun alles dafür, die Unterrichtsversorgung mindestens zu stabilisieren, wenn nicht sogar zu verbessern."

Besonders hoch ist der Lehrkräftemangel der Ministerin zufolge in Mathematik und Naturwissenschaften, aber auch in Sport und Kunst. "Und wir haben einen besonders hohen Bedarf an den Haupt-, Real- und Oberschulen. Jeder, der überlegt, Lehramt zu studieren, hat mit dem Lehramt für Haupt-, Real- und Oberschulen auf jeden Fall eine Einstellungsgarantie, wo immer sie wollen."

Ministerin: Gehaltsanhebung für bestimmte Schulformen wirkt

Zu Beginn der Wahlperiode hatte Rot-Grün die Gehälter für die Lehrkräfte genau dieser Schulformen ebenso wie die der Grundschulen auf die Tarifstufe A13 angehoben, um die Stellen attraktiver zu machen. Mittlerweile zeige dies Wirkung, sagte Hamburg. "Vorher hatten wir die Situation, dass die Menschen nach Hamburg ausgewandert sind, nach Nordrhein-Westfalen oder auch nach Hessen, weil sie dort mehr verdienen konnten. Jetzt gehen die Lehrkräfte eben nicht mehr über die Landesgrenze weg, sondern derzeit kommen sogar mehr Menschen zu uns als zu unseren Nachbarn gehen."

Jedoch gibt es auch Unterschiede zwischen den Regionen in Niedersachsen. "Ich glaube, vielen Lehrkräften ist nicht bewusst, dass wir Regionen haben, wo wir die Lehrkräfte so dringend brauchen, dass wir in den anderen, nachgefragteren Regionen gar nicht mehr ausschreiben", sagte Hamburg. "Die zocken zum Teil über Jahre und warten auf ihre Wunschschule und nehmen lieber einen Vertretungsvertrag, als sich wirklich an eine Stelle zu binden."

Die Antwort des Ministeriums: Seit einigen Jahren werden Stellen in den nachgefragteren Regionen mit der Verpflichtung ausgeschrieben, erst mal drei bis fünf Jahre in unterversorgten Regionen zu arbeiten. Wenn die Lehrerinnen und Lehrer dann erst einmal da seien, wollten sie manchmal gar nicht wieder weg. "Viele Lehrkräfte merken dann, eine kleine Schule ist ja total schön oder das Kollegium ist supernett oder sie verlieben sich und bleiben vor Ort."

Was neue Lehrer in unterversorgte Regionen locken soll

Ein weiterer Faktor: Viele Lehrkräfte wollen Hamburg zufolge nicht an schlechter versorgte Schulen, weil sie als Beamte verpflichtet wären, dort zu bleiben. "In diesen Fällen sagen wir seit letztem Jahr: Dann werdet noch nicht Beamte, sondern tarifbeschäftigte Lehrkraft. Das ist verlässlicher als ein Vertretungsvertrag und ihr bleibt flexibel und könnt euch später trotzdem noch in Hannover beispielsweise bewerben", erklärte die Ministerin. "Das bewerben wir gerade sehr offensiv. So langsam spricht sich das rum."

Eine Quereinsteigeroffensive, wie sie CDU-Chef Sebastian Lechner fordert, sieht Hamburg dagegen als keinen großen Hebel. "Wir haben unser Potenzial an Quereinsteigenden ehrlicherweise ausgeschöpft", sagte sie. Lechner verkenne, dass es ausreichend Lehrkräfte gebe für die Stellen, die das Land ausschreiben kann. "Wenn wir jetzt Quereinsteiger einstellen würden, würden wir stattdessen eine Lehrkraft auf der Straße stehen lassen."

Zwar schaue die Landesregierung, wie man den Quereinstieg vereinfachen und auch Pensionärinnen und Pensionäre länger beschäftigen könne. Allerdings stünden auch Quereinsteiger angesichts des Fachkräftemangels nicht auf der Straße und warteten nur darauf, Lehrkraft werden zu können.

Oppositionsführer Lechner hatte der Schulpolitik der Landesregierung kürzlich "eine Fünf" ausgestellt und gesagt, bei Hamburg habe die CDU "die Hoffnung aufgegeben, dass sie noch etwas für Unterrichtsversorgung machen möchte".

Quelle: dpa

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