Hamburg & Schleswig-Holstein"Mehr als nur Luft": Ausstellung "Atmen" startet in Hamburg
In der internationalen Ausstellung der Hamburger Kunsthalle geht es um die vielfältigen sozialen und politischen Dimensionen des Atmens - und um einen Aschenbecher der Deutschen Bahn.
Hamburg (dpa/lno) - "Mehr als nur Luft" steht an den Wänden in der Hamburger Kunsthalle. Durch mehrere Gebäudeteile erstreckt sich die neue Ausstellung, die von Freitag an die unterschiedlichen Facetten des Atmens zeigt. "Durchschnittlich atmen wir 23.000 Mal am Tag", sagte Kuratorin Brigitte Kölle am Donnerstag. "Atmen ist meist etwas Unsichtbares. Wir haben versucht, das Unsichtbare einzufangen."
Nach Angaben der Kunsthalle ist "Atmen" die weltweit erste große Ausstellung zu dem Thema. Mehr als 100 Werke, sowohl der Alten Meister als auch der Gegenwart, beschäftigen sich mit dem Atmen und seiner Darstellung. Vom Atem als biblischer Metapher über Luftverschmutzung und Atemwegserkrankungen bis hin zu Black Lives Matter ("I can't breathe").
Die Bandbreite reicht von Malerei, Skulptur und Installation über Fotografie und Zeichnung bis hin zu Performance, Video, Film und Audio-Aufnahmen. Dabei umfasst die Schau Leihgaben aus öffentlichen und privaten Sammlungen wie dem Rijksmuseum Amsterdam, der Museumslandschaft Hessen Kassel und der Staatlichen Museen zu Berlin sowie der New Yorker Leiden Collection.
Dazwischen taucht in einem inszenierten Raucherbereich ein modifizierter Standaschenbecher der Deutschen Bahn auf. Der deutsche Künstler Thomas Baldischwyler führe das Freiheitsversprechen der Tabakindustrie durch die faktische Begrenzung des Raucherbereichs ad absurdum, heißt es. Ein anderer Künstler, Sebastian Stumpf, ist auf dem Fahrrad von seinem Leipziger Atelier bis zur Hamburger Kunsthalle gefahren und hat den Ton aufgenommen. Man hört 18 Stunden lang Autos, Vögel und Schnaufen. Die Besucherinnen und Besucher hätten dadurch das Gefühl, dabei zu sein.
Darüber hinaus gibt es Werke der Alten Meister Hendrick ter Brugghen und David Teniers dem Jüngeren zu entdecken - ebenso wie Arbeiten von Zeitgenossen wie dem kolumbianischen Künstler Oscar Muñoz und der indischen Künstlerin Vibha Galhotra. Zusätzlich hätten einige Künstler speziell für die Ausstellung neue Werke geschaffen.
Angesichts der Energie- und Klimakrise sei auch das Thema Nachhaltigkeit besonders wichtig gewesen. "Alles was neu ist, bleibt hier", sagte der Direktor der Hamburger Kunsthalle, Alexander Klar. Die Ausstellungswände seien recycelt und sollen wiederverwendet werden.
Die Ausstellung kann bis zum 15. Januar 2023 besucht werden. Im Begleitprogramm gibt es zudem zwei Aktionswochenenden mit Führungen, szenischen Lesungen, Künstler- und Expertengesprächen sowie Vorträgen.