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Hamburg & Schleswig-HolsteinMit Kakao, Suppe und Schlafsäcken - Kiels Kältebus auf Tour

12.01.2026, 12:48 Uhr
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Heiße Suppe, Schlafsäcke und ein offenes Ohr: Wie Kiels Kältebus Bedürftige versorgt, welche Gerichte beliebt sind und warum Kakao für viele mehr als nur ein Getränk ist.

Kiel (dpa/lno) - Bevor der Kältebus in Schleswig-Holsteins Landeshauptstadt startet, steht Margrit Bartelt in der Küche und kocht frische Suppe. Während über den zwei großen Töpfen in der Küche Dampf aufsteigt, herrschen draußen an diesem Abend um die minus zehn Grad. Daher wollen sich die Ehrenamtlichen der Malteser auf den Weg machen, um warme Speisen und Getränke an Bedürftige zu verteilen. Außerdem bringen sie Schlafsäcke, Isomatten, Kleidung und Hygieneartikel mit.

"Ich finde es unheimlich wichtig, dass wir diese Menschen schon auch beachten, dass wir ihnen einfach was bringen und neben der warmen Suppe, die natürlich gut ist, vielleicht aber auch was für die Seele bringen", sagte Bartelt, die die stellvertretende Leitung des Kältebusses übernimmt. Man sollte sich erkundigen, wie es den Menschen auf der Straße geht, Hilfe anbieten oder einfach ein Gespräch führen. "Die Dankbarkeit, mit der wir dann empfangen werden, ist einfach großartig."

Nachdem das Fahrzeug beladen ist, fährt es zur ersten Station am Schützenpark im Stadtteil Südfriedhof. Dort halten sich an diesem Sonntagabend vier Obdachlose in der Kälte auf und fragen beim Eintreffen des Kältebusses direkt nach einem warmen Getränk:

"Der absolute Renner, von dem wir manchmal bis zu acht, neun Liter ausschenken, ist heißer Kakao", sagte Sven Müller, Leiter der Obdachlosenhilfe der Malteser in Kiel, der Deutsche Presse-Agentur. "Viele sagen, der schmeckt nach Kindheit." Auch Weißkohl- und Grünkohleintöpfe sowie Süßigkeiten seien sehr gefragt.

Müller: Konzept hat sich bewährt

Der Kältebus fährt in Schleswig-Holsteins Landeshauptstadt jeden Dienstag, Freitag und Sonntag. Dabei wird er mindestens einmal pro Woche von einem Arztmobil begleitet, in dem einer von drei ehrenamtlichen Ärzten hilfebedürftige Menschen ohne Krankenversicherung versorgt. Die Tour folgt dabei einer festen Route: Vom Schützenpark geht es zum Vinetaplatz im Stadtteil Gaarden, sie endet meist am Hauptbahnhof. Zusätzlich gibt es laut Müller ein Hinweis-Telefon.

Bürgerinnen und Bürger können dort auf die Mobilbox sprechen und melden, wo sie bedürftige Menschen gesehen haben. Diese Orte steuert der Bus bei der nächsten Fahrt an und nimmt sie bei Bedarf dauerhaft in die Route auf. "Das Konzept hat sich bewährt", betonte Müller. Niemand müsse sich Termine merken, im Zweifel fahre der Bus die gemeldeten Orte direkt an.

Notunterkünfte gebe es in der Landeshauptstadt zwar, doch nicht alle würden diese vorziehen. Dies lege etwa auch an der Männer- und Frauentrennung oder dass Haustiere nicht mitgebracht werden dürften, erklärte Müller.

Jeder kann mithelfen

Der Kältebus in Kiel sei vollständig ehrenamtlich und werde durch Spenden finanziert. Dabei kann jede Bürgerin und jeder Bürger mithelfen - sei es durch Kochen in der Küche oder das Versorgen vor Ort. Dafür braucht man Müller zufolge allerdings einen Erste-Hilfe-Schein. Eine dafür nötige Ausbildung böten die Malteser allerdings vor Ort an.

Obdachlose und Bedürftige verdienen dieselbe Behandlung wie alle anderen, sagte Eike Singer, die seit zwei Jahren beim Kältebus hilft. "Das ist nichts Schlechtes und besonderes - für sie ist das Alltag." Dies zu respektieren und entsprechend zu handeln, sei der richtige Weg.

Gegründet wurde der Kältebus laut Sven Müller in Schleswig-Holsteins Landeshauptstadt 2021. Dabei ist er nicht nur bei eisigen Temperaturen unterwegs. Denn seit drei Jahren fährt er auch einmal in der Woche im Sommer. Müller betonte: "Man isst auch im Sommer 'ne warme Speise."

Sozialministerium: Menschen auf der Straße werden nicht erfasst

Laut Sozialministerium in Kiel waren Ende Januar 2025 in Schleswig-Holstein 29.475 wohnungslose Menschen institutionell untergebracht. Nicht erfasst von der Statistik würde allerdings die sogenannte verdeckte Wohnungslosigkeit. Dabei handele es sich um Personen, die bei Freunden und Bekannten untergekommen sind oder auf der Straße übernachten.

Quelle: dpa

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