Hamburg & Schleswig-HolsteinNach Tat von Brokstedt: Mehr Züge im Norden bekommen Kameras

1,2 Millionen Euro für mehr Sicherheit: Schleswig-Holstein rüstet 55 Züge mit Videotechnik nach. Wer bekommt Zugriff auf die gespeicherten Bilder?
Kiel (dpa/lno) - Viele weitere Regionalzüge in Schleswig-Holstein sollen drei Jahre nach der tödlichen Messerattacke in einem Zug bei Brokstedt mit Videokameras ausgestattet werden. "Die Videokameras sollen bei der Aufklärung von Straftaten helfen", sagte Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen (CDU) der Deutschen Presse-Agentur. Alle 55 Akkuzüge des Landes sollen nach Ministeriumsangaben noch im laufenden Jahr für 1,2 Millionen Euro nachgerüstet werden. Zuvor hatten die "Kieler Nachrichten" berichtet.
Geplant sind nach Angaben der Landesregierung vier bis fünf Kameras pro Waggon. Sie zeichnen durchgehend Bildmaterial auf, das im Nachhinein angeschaut werden kann. Eine Liveübertragung der Bilder ist nicht geplant.
Innenministerin Magdalena Finke (CDU) sagte der dpa: "Die Ausstattung der Regionalzüge mit Videokameras ist ein weiterer wichtiger Baustein, um die Sicherheit und das Sicherheitsgefühl im Bahnverkehr zu verbessern". Die Landesregierung habe nach der Messerattacke in Brokstedt eine ganze Reihe von Vorhaben auf den Weg gebracht und sie zum großen Teil schon umgesetzt, wie beispielsweise das Waffen- und Messerverbot im öffentlichen Nahverkehr. "Wir werden in diesem Bereich weiter als Land vorangehen, um die Sicherheit von Fahrgästen zu erhöhen."
Was ist noch unklar?
Die Kameras in den 55 Akkuzügen sollen ihre Aufnahmen 72 Stunden lang speichern. Die Fahrgäste werden auf die Kameras hingewiesen. Nach Ministeriumsangaben ist bisher nicht geklärt, wer alles Zugriff auf das Videomaterial erhält. Das Auslesen der Aufnahmen kann dabei auch aus der Ferne erfolgen. Nach der Messerattacke hatte die damalige Innenministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU) eine Ausweitung der Videoüberwachung in Zügen angekündigt.
Die 55 Akkuzüge nutzen die Bahnunternehmen Erixx und Nordbahn auf den Strecken Kiel-Lübeck und Neumünster-Bad Oldesloe.
Nach Angaben der Deutschen Bahn, die das sogenannte Netz Mitte bedient, kommen auf der Strecke Hamburg-Kiel/Flensburg bereits vier Kameras je Wagen und auf der Verbindung Hamburg-Lübeck/Travemünde sogar acht Kameras je Wagen zum Einsatz. "Die Aufzeichnungen geschehen permanent während der Zug in Betrieb ist in einem Ringspeicher von 72 Stunden und ohne Ton", sagte eine Sprecherin. Nach den 72 Stunden würden die Daten automatisch und unwiederbringlich gelöscht. "Die Daten werden auf Anfrage der Bundes- oder Landespolizei von uns gesichert und übergeben. Dieser Vorgang wird in jeder Phase protokolliert."
Die Messerattacke
Am 25. Januar 2023 war es zu der Messerattacke in einem Regionalzug auf dem Weg von Kiel nach Hamburg gekommen, bei der zwei junge Menschen getötet wurden. Auf der Fahrt von Kiel nach Hamburg zog ein 35-Jähriger ein Küchenmesser und griff damit unvermittelt Fahrgäste an. Das Landgericht Itzehoe verurteilte den Täter zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe. Zudem stellte es die besondere Schwere der Schuld des Palästinensers fest. Das bedeutet, dass eine Aussetzung der Strafe zur Bewährung nach 15 Jahren praktisch ausgeschlossen ist.