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Hamburg & Schleswig-HolsteinOlympia-Bewerbung spaltet Bürgerschaft

09.04.2026, 15:30 Uhr
Befuerworter-und-Gegner-einer-Hamburger-Olympiabewerbung-lieferten-sich-in-der-Buergerschaft-einen-Schlagabtausch

Olympia als Sprungbrett für Hamburg – oder als teure Mogelpackung? Am 31. Mai entscheiden die Bürger über mehr als nur Sport. In der Bürgerschaft werden Pro und Contra deutlich.

Hamburg (dpa/lno) - In der Hamburgischen Bürgerschaft haben sich die Befürworter und Gegner einer Olympiabewerbung einen Schlagabtausch geliefert. Die Regierungsfraktionen von SPD und Grünen warben zusammen mit der CDU für eine Zustimmung der Hamburgerinnen und Hamburger beim Referendum Ende Mai. Dagegen warnten Linke und AfD vor finanziellen Risiken und negativen sozialen Auswirkungen.

Innen- und Sportsenator Andy Gote (SPD) sieht das Landesparlament gespalten: Auf der einen Seite gebe es "das Team Optimismus", auf der anderen Seite "die Koalition der schlechten Laune aus AfD und Linke", sagte Grote. "Eine Koalition, die sich vorgenommen hat, die Stadt schlechtzureden."

SPD, Grüne und CDU sehen große Chancen durch Olympia

Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Sina Imhof verwies auf die Chancen, die aus einer Bewerbung erwüchsen. Hamburg würde zur "Priorität für Investitionen" des Bundes. "Wir wollen dieses Event nutzen, um unsere Stadt langfristig zu stärken", sagte Imhof. Hamburg solle grüner und zu "barriereärmsten Stadt Deutschlands werden".

Die Frage sei nicht nur, ob man die Spiele ausrichten wolle, sagte die sportpolitische Sprecherin der SPD, Juliane Timmermann. "Die eigentliche Frage ist, wollen wir den Mut haben, diese Chancen zu ergreifen."

Als "Tor zur Welt" zeige Hamburg seit Jahrhunderten, "dass Weltoffenheit kein Slogan ist", sagte CDU-Fraktionschef Dennis Thering. Zukunftsorientiert und mutig - "die politische Mitte glaubt daran, dass Hamburg gewinnen kann". Hingegen träfen sich "die politischen Ränder" links und rechts "in der Ablehnung, in der Angst, im Nein".

Linke und AfD warnen vor negativen Folgen

"Olympische Spiele wären eine Niederlage für unsere Stadt", da Hamburg hinterher schlechter dastehen würde, warnte der Sportexperte der Linksfraktion, Martin Wolter. Der Senat spreche von klugen Investitionen in die Zukunft. "Die Hamburger nennen das Mogelpackung." Wolter warf den Befürwortern vor, die möglichen Einnahmen aus den Spielen gut zu kalkulieren, "die Kosten hingegen nicht".

AfD-Fraktionschef Dirk Nockemann stellte die Fähigkeit von SPD und Grünen infrage, Großereignisse zu organisieren. "Sie kriegen es noch nicht einmal hin, Hamburg staufrei zu machen", sagte er. Hamburg habe genug andere Probleme. "Und dann laden Sie die Völker der Welt ein, in dem Wissen, dass sie nichts hinkriegen?"

Hamburgerinnen und Hamburger entscheiden Ende Mai

Hamburg ist neben Berlin, München und der Region Rhein-Ruhr einer von vier Kandidaten für eine deutsche Bewerbung. In einer Infratest-dimap-Umfrage des NDR sah das jüngst eine Mehrheit der Hanseatinnen und Hanseaten kritisch.

Demnach gaben 50 Prozent der Befragten auf die Frage, ob sie die Olympiabewerbung Hamburgs eher gut oder eher schlecht finden, "eher schlecht" an. "Eher gut" wurde die Bewerbung der Hansestadt für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 demnach nur von 41 Prozent der Befragten gesehen.

In München hatten sich in einem Referendum im Oktober vergangenen Jahres mehr als 66 Prozent der Bürgerinnen und Bürger für eine Bewerbung als Austragungsort ausgesprochen.

In Hamburg findet das Referendum am 31. Mai statt. 2015 hatte es bereits ein Referendum über eine Bewerbung der Stadt für die Spiele 2024 gegeben. Damals stimmten die Bürger mit knapper Mehrheit (51,6 Prozent der Befragten) gegen eine Bewerbung für die Olympischen Spiele.

Quelle: dpa

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