Regionalnachrichten

Hamburg & Schleswig-HolsteinReisende nach Bahn-Sabotage an Bahnhöfen gestrandet

08.10.2022, 13:51 Uhr
Ein-ICE-faehrt-durch-eine-herbstliche-Landschaft
(Foto: Julian Stratenschulte/dpa/Symbol)

Nach einer durch Sabotage an Kabeln entstandenen Großstörung bei der Deutschen Bahn sind am Samstag viele an norddeutschen Bahnhöfen gestrandet und konnten für einige Stunden nicht weiterreisen.

Hamburg (dpa/lno) - Über Stunden ging nichts mehr auf den meisten Schienen im Norden: Eine Sabotage an Kabeln hat am Samstag eine Großstörung bei der Bahn ausgelöst und vielen Reisenden den Start ins Wochenende vermasselt. Durch die ausgefallenen Züge sind zum Wochenendauftakt am Samstagvormittag unzählige Reisende auch am Hamburger Hauptbahnhof gestrandet.

Betroffen waren der gesamte Fern- und teils auch der Regionalverkehr der Deutschen Bahn in weiten Teilen Norddeutschlands. Im Laufe des Vormittags meldete die Bahn, dass die Störung inzwischen behoben sei, es aber weiter zu Beeinträchtigungen komme.

Von der Störung waren auch internationale Verbindungen nach Amsterdam und Kopenhagen betroffen.

An den Auskunftsschaltern der Deutschen Bahn im Hamburger Hauptbahnhof bildeten sich am Vormittag lange Schlangen von Menschen, die ihre Reise unterbrechen mussten oder gar nicht erst antreten konnten. Viele machte dies wütend. Eine 26-Jährige etwa, die seit geraumer Zeit wartete, schimpfte: "Auf die Bahn ist kein Verlass!" Sie werde überhaupt nicht mehr Bahn fahren.

Während in Durchsagen angeraten wurde, wenigstens im Großraum Hamburg auf "andere Verkehrsmittel" umzusteigen, fanden sich manche Reisende mit der Situation ab.

Eine wartende Familie nahm die Situation gelassen. Verspätungen oder Zugausfälle sei man schon gewohnt. "Wir müssen keinen Anschluss bekommen, deshalb sind wir entspannt", sagte die Frau. Eine andere Betroffene sagte wiederum: "Manchmal bleibt nichts anderes übrig als die Bahn zu nehmen, aber inzwischen mache ich es nur noch ungern."

Zwei Frauen aus Hamburg, die wegen der Ausfälle ihren Flug in den Urlaub verpasst hatten, zeigten sich ernüchtert wegen der Kosten, die nun auf sie zukämen. "Es ist frustrierend, dass man in so einer Situation nicht weiß, wen man bei der Bahn kontaktieren soll", sagte die eine Reisende. Ihre Begleiterin vermutete scherzhaft einen "Hacker-Angriff" hinter der so weiträumigen Störung.

Nach Aussage der Bahn am Mittag war der Grund für die Störung eine Sabotage an wichtigen Kabeln. Die zuständigen Sicherheitsbehörden hätten die Ermittlungen dazu aufgenommen.

In Hamburg verließ um 10.49 Uhr als erster Fernverkehrszug der ICE 509 nach München über Berlin und Erfurt stark überfüllt den Hauptbahnhof, wie eine dpa-Reporterin dort berichtete. Er sei mit einer Verspätung von einer halben Stunde losgefahren.

Am Bahnknotenpunkt Hannover bewahrten die wartenden Bahnreisenden weitgehend Ruhe, wie ein dpa-Reporter berichtete. Viele von ihnen hätten zwar kopfschüttelnd vor der großen Anzeigetafel, die über die Zugausfälle informierte, gestanden. Aber eine aggressive Stimmung habe nicht geherrscht. Draußen hätten sich am Taxistand Grüppchen gebildet und versucht, sich in kleinen Fahrgemeinschaften per Taxi in die nächste Großstadt durchzuschlagen.

Die Bahn empfahl ihren Reisenden, sich kurz vor geplanten Fahrten über www.bahn.de/reiseauskunft, über die App "DB Navigator" oder telefonisch unter 030/2970 zu informieren. Außerdem versprach die Bahn eine Sonderkulanz: Alle Fahrgäste, die ihre für den 8. Oktober geplante Reise wegen der Zugfunkstörung verschoben haben, können ihr bereits gebuchtes Ticket für den Fernverkehr innerhalb der nächsten sieben Tage flexibel nutzen, wie es hieß. "Zudem gelten bei Verspätung oder Zugausfall die allgemeinen Fahrgastrechte."

Quelle: dpa

Regionales