Hamburg & Schleswig-HolsteinSchleswig-Holsteins FDP-Fraktion fordert Bildungswende

Lehrermangel, fehlende Ganztagsplätze und zu wenig Investition in Grundschulen: Die FDP fordert einen Kurswechsel in Schleswig-Holsteins Bildungspolitik und sieht Reformbedarf.
Kiel (dpa/lno) - Schleswig-Holsteins FDP-Fraktion fordert eine Wende in der Bildungspolitik. "Die Landesregierung darf nicht mehr dabei zuschauen, wie die Leistungen der Schülerinnen und Schüler immer weiter abrutschen", sagte FDP-Fraktionschef Christopher Vogt. Seit der vergangenen Landtagswahl im Jahr 2022 hätten CDU und Grüne falsche Schwerpunkte gesetzt.
So seien etwa über 600 Lehrerstellen abgebaut und die Lage der Schulen durch die so verschlechterte Unterrichtsversorgung weiter verschärft worden. Vogt betonte: "Bildung ist eine der wichtigsten Kernaufgaben des Landes und von größter Bedeutung für die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft."
Die FDP fordere daher, Bildung wieder zum Schwerpunkt der Landespolitik zu machen. Entweder ändere die Landesregierung endlich ihren Kurs in der Bildungspolitik, oder die nötige Wende komme nach der Landtagswahl 2027, erklärte der Fraktionschef.
Vogt: Investitionen in die Grundschulen müssen steigen
Gerade in Grundschulen werde zu wenig investiert - auch im Vergleich zu anderen Schularten. "Wenn wir das Ruder rumreißen wollen, dann müssen die Investitionen in die Grundschulen deutlich gesteigert werden", mahnte Vogt. Es sei untragbar, dass fast jeder dritte Drittklässler die Mindeststandards im Lesen und zwei Drittel diese in der Rechtschreibung nicht erreichen.
In der Mathematik sehe es ähnlich aus: Laut Vogt kann jeder vierte Drittklässler nicht ausreichend rechnen. Das zeigten Landesergebnisse aus Schleswig-Holstein für das Schuljahr 2024/25, die auf Vergleichsarbeiten basieren.
Seit Jahren belegten Studien eine wachsende Verschlechterung der zentralen Kompetenzen, bemängelte Vogt. Er forderte: "In den Grundschulen sollte zukünftig durch mehr Lehrkräfte mehr Unterricht erteilt werden, damit auch die Integration von ausländischen Kindern verbessert werden kann." Außerdem müsse jedes Kind bei der Einschulung über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen.
Kinder mit Sprachdefiziten im Alter von viereinhalb Jahren bräuchten grundsätzlich eine gezielte Förderung. "Ein Kind, das in der Grundschule nicht richtig lesen lernt, wird dies als nur sehr schwer aufholen können", führte Vogt aus.
Fraktionschef sieht dringenden Reformbedarf bei Inklusion
Auch bei der Umsetzung des Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung an Grundschulen herrsche Stillstand. Dieser soll im August 2026 greifen. "Die viel zu späte Vergabe von Fördermitteln für Bauvorhaben führt dazu, dass viele Erweiterungs- und Neubauten für Ganztagsräume bis zum neuen Schuljahr nicht fertiggestellt sein werden", erklärte Vogt. Zudem müssten pädagogische Konzepte erst bis zum Schuljahr 2030/31 entwickelt werden, und es mangele an Fachkräften.
Gleichzeitig litten die berufliche Bildung und die Inklusion von Schülerinnen und Schülern mit Beeinträchtigungen unter dem Personalmangel. Der Fraktionschef betonte: "Während die zweite Lehrkraft zur Differenzierung in den allermeisten Gemeinschaftsschulen fehlt, sitzen mittlerweile nicht selten vier Schulbegleiter beziehungsweise Schulsozialarbeiter im Raum."
Dringende Reformen seien nötig, um multiprofessionelle Teams zu schaffen, die Lehrkräfte im Land entlasten. Doch die notwendigen Initiativen des Bildungsministeriums blieben aus, kritisierte Vogt.