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Hamburg & Schleswig-HolsteinZahl der Schülerinnen und Schüler in Hamburg wächst weiter

18.08.2026, 16:52 Uhr
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Hamburg startet mit mehr als 274.000 Schülern ins neue Schuljahr – so viele wie seit 45 Jahren nicht mehr. Was sich bei Schulen und Betreuung verändert.

Hamburg (dpa/lno) - Nach sechs Wochen Sommerferien starten Hamburgs Kinder und Jugendliche am Donnerstag ins neue Schuljahr. Und erneut sind es mehr als im Jahr zuvor. Insgesamt werden an den staatlichen und privaten Schulen 274.420 Schülerinnen und Schüler erwartet, wie Schulsenatorin Ksenija Bekeris (SPD) erklärte. Das seien 0,5 Prozent mehr als im Vorjahr und so viele wie seit 45 Jahren nicht mehr. Mit sinkenden Schülerzahlen rechne sie jedoch spätestens 2029, sagte Bekeris mit Blick auf die Geburtenraten.

Fast 255.000 Kinder an staatlichen Schulen

An den staatlichen Schulen allein seien es 254.420 Kinder und Jugendliche - 1,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Während an den Grundschulen 0,1 Prozent weniger Schüler erwartet würden, gehe die Behörde bei den weiterführenden Schulen von einem Plus von zwei Prozent aus. Hinzu kommen etwa 45.500 Jugendliche an einer der 29 Berufsschulen.

Die Zahl der staatlichen und privaten Schulen steigt im kommenden Schuljahr um zwei auf 471. Neu hinzugekommen seien in Lohbrügge ein Gymnasium sowie eine Grund- und Stadtteilschule. "Seit Beschluss des aktuellen Schulentwicklungsplans von 2019 haben somit 23 neue Schulen hier den Betrieb aufgenommen", sagte Bekeris. Weitere sechs Schulen sollen im Laufe des neuen Schuljahres fertiggestellt werden. Die Investitionen im neuen Schuljahr bezifferte Bekeris auf 500 Millionen Euro.

Zahl der Lehrerstellen steigt leicht

Die Zahl der Vollzeitstellen für Lehrkräfte steigt im neuen Schuljahr laut Bekeris um 112 auf 16.166. Die meisten entfallen dabei mit 5.970 auf die Stadtteilschulen, gefolgt von den Grundschulen mit 5.329 und den Gymnasien mit 4.013. An den Sonderschulen gebe es 854 Vollzeitstellen. Daneben gebe es 2.566 Stellen für das pädagogisch-therapeutische Fachpersonal. Freie Stellen an den Schulen gebe es derzeit lediglich 33, darunter vier Lehrerstellen. Das seien 0,03 Prozent der Lehrkräftestellen.

Die Klassengrößen steigen aus Kostengründen perspektivisch leicht an. Betroffen seien aber vorerst nur die Klassen 7 bis 10 an Gymnasien, die einen Schüler mehr bekommen sollen, allerdings frühestens im Schuljahr 2027/28, sagte Bekeris. Von 22 auf 24 Schülerinnen und Schüler sollen zudem die Oberstufenkurse an Gymnasien und Stadtteilschulen wachsen. "Ich verantworte den größten Einzelplan der Stadt", sagte Bekeris. 40 Prozent aller Behördenausgaben entfielen auf ihr Ressort. Da könne sie sich nicht zurücklehnen und sagen, sie beteilige sich nicht an Einsparungen.

Seit dem 1. August gibt es an den Grundschulen bundesweit einen Rechtsanspruch auf eine Ganztagsbetreuung, die in Hamburg bereits seit 2012 etabliert ist und für alle Kinder bis 14 Jahre gilt, wie Bekeris sagte. Inzwischen nähmen an ihr fast 92 Prozent aller Grundschülerinnen und -schüler teil. Bei der Ferienbetreuung, die bis zu acht Wochen pro Schuljahr genutzt werden könne, seien es rund 51 Prozent.

Bekeris versucht beim Thema Schulbegleitung die Wogen zu glätten

Beim Thema Schulbegleitung für Inklusionskinder versuchte Bekeris die Wogen zu glätten, nachdem es vor den Sommerferien große Aufregung um Kürzungen in diesem Bereich gegeben hatte. Auslöser war ein auch aus Bekeris´ Sicht etwas unglücklich formuliertes Schreiben der Behörde, wonach Schulbegleitung eine "nachrangige, helfende Unterstützung und keine Bildungs- und Erziehungstätigkeit" sei und pädagogisch beziehungsweise sozialpädagogisch ausgebildetes Personal nur noch in Ausnahmefällen bewilligt werde.

Stattdessen sollen Teilnehmer und Teilnehmerinnen am Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) flexibel und bedarfsgerecht eingesetzt werden, um die Kinder auf dem Schulweg und während des Unterrichts zu betreuen, hieß es. Kinder mit den sonderpädagogischen Förderbedarfen Lernen, Sprache sowie emotionale und soziale Entwicklung erhalten demnach im ersten Jahr künftig gar keine Schulbegleitung mehr.

"Im Nachhinein muss man sagen, hat das für Verwirrung gesorgt, die man so sicher hätte vermeiden können", sagte Bekeris. Schulbegleitung sei eine gesetzliche Leistung. Und gebe es einen überprüften Bedarf, dann stehe er dem Kind auch zu. Sie erinnerte auch daran, dass bereits im vergangenen Schuljahr 84 Prozent der Schulbegleiter FSJler oder sozial erfahrene Kräfte gewesen seien. Daran werde sich im neuen Schuljahr auch nicht viel ändern. Sie rechne mit etwa 700 FSJlern.

Für 2027 rund 44 Millionen Euro für Schulbegleitung eingeplant

Nach Behördenangaben wurde im Schuljahr 2011/12 noch in etwa 460 Fällen eine Schulbegleitung bewilligt. Im vergangenen Schuljahr seien es bereits rund 4.000 gewesen. Die Kosten kletterten demnach von 6,75 Millionen Euro 2014 auf 42,15 Millionen Euro im vergangenen Jahr. Für 2027 seien sogar 44 Millionen Euro eingeplant, sagte Bekeris.

"Wir haben viele Zuschriften über die Ferien bekommen", sagte Bekeris. Bei insgesamt 540 Fällen seien Fragen und Beschwerden eingegangen. In fast 260 Fällen habe es eine Bewilligung gegeben. Knapp 200 Fälle seien noch offen, würden aber bis Ende kommender Woche abgearbeitet. Bekeris betonte aber: "Diese Kinder gehen zur Schule, ob mit oder ohne Schulbegleitung." Es sei keineswegs so, dass sie nun zu Hause bleiben müssten.

Aktion "Fairer Schulstart für alle Kinder" übergibt Schulranzen

Unterdessen wurden bei der Aktion "Fairer Schulstart für alle Kinder" gespendete Schulranzen an die Bildungsinitiative Zeit für Zukunft übergeben, sie an Familien mit Unterstützungsbedarf weitergibt. Insgesamt gehe es um rund 1.500 Schulranzen, erklärten die Organisatoren. Um die bereits seit 2016 existierende Aktion kümmern sich unter anderem die Drogeriekette Budni, Hanseatic Help und die Hamburger Rotary Clubs.

Zuvor hatte bereits der Hamburger Sozialverband Deutschland eine bessere Ausstattung von Familien mit geringen Einkommen gefordert. "Ein ergonomischer Schulranzen kostet zwischen 150 und 300 Euro, dazu kommen Stifte, Tuschkasten und weiteres Material für die Schule", sagte Vorständin Sally Peters. Vor allem für Eltern, deren Einkommen knapp oberhalb der Leistungsgrenzen liegen und deshalb keinen Anspruch auf entsprechende Unterstützung haben, sei das oft schwer zu leisten. Peters forderte die Stadt auf, über Unterstützungsmaßnahmen nachzudenken. "Der Schulstart darf nicht zu finanziellen Belastungsprobe für die Eltern werden."

Quelle: dpa

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