HessenAngeklagter gesteht Anlagebetrug mit Wald-Genossenschaft

Luxusleben mit Anlegergeld: Ein Betrüger hat in kurzer Zeit mit gefälschten Unterlagen und gekauftem Zertifikat hunderttausende Euro gesammelt. Vor Gericht zeigt er sich geständig.
Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Ein lange von den deutschen Behörden gesuchter Anlagebetrüger hat beim Prozessauftakt im Frankfurter Landgericht die Taten gestanden. Er habe von dem Geld auf großem Fuß gelebt und unter anderem teure Autos sowie Uhren gekauft, sagte der 52-Jährige.
Der Anklage wegen gewerbsmäßigen Betrugs zufolge hatte er unter anderem die Genossenschaft "Baum Arche" gegründet, mit der er für eine nachhaltige Investition in ein Waldgebiet im Landkreis Havelland geworben und hierfür eine hohe Rendite versprochen hatte.
Innerhalb weniger Monate - von März bis Juli 2022 - fand er mit Hilfe von Finanzvermittlern 70 Anleger in ganz Deutschland, die insgesamt 583.000 Euro investierten. Ende Juli 2022 flüchtete er vor den Ermittlungsbehörden nach Italien, rund zwei Jahre später konnte er festgenommen werden.
Zertifikat gekauft
Der Mann gestand, dass er möglichst viel Geld in kurzer Zeit habe verdienen wollen. Er habe sich für grüne Anlagen entschieden, da diese im Trend gelegen hätten.
Um Anleger und Finanzvermittler zu täuschen, habe er unter anderem eine Satzung, eine Homepage und Broschüren erstellt. Ein grünes Zertifikat für die angebliche Investition in ein Waldgebiet erwarb er bei einem Unternehmen, das diese Zertifikate laut Angaben der Richterin der Großen Wirtschaftsstrafkammer ohne Prüfung verkaufte. Zudem erfand er für den Mailkontakt mit Geschäftspartnern eine fiktive Mitarbeiterin.
Mehrere Finanzvermittler berichteten in ihren Zeugenaussagen, der Angeklagte habe einen hervorragenden Eindruck gemacht. So war die Rede etwa von "tollen Präsentationen" und einer "interessanten Anlage mit einer tollen Story".
Mindestens einem Finanzvermittler soll der Mann zudem eine hohe Provision versprochen haben. Zudem soll er auch gegenüber seiner damaligen Lebensgefährtin angegeben haben, einen Doktortitel zu tragen. Auch habe er für sie einen falschen Namen erfunden, unter dem sie als seine Assistentin habe auftreten sollen.
Urteil im Juli
Der Mann ist mehrfach vorbestraft. Zuletzt verurteilte ihn das Frankfurter Landgericht im Frühjahr 2025 unter anderem wegen Geldwäsche zu einer Haftstrafe von vier Jahren und drei Monaten. Der Prozess wird fortgesetzt. Anfang Juli soll das Urteil verkündet werden.