ThüringenZahl antisemitischer Vorfälle in Thüringen auf Höchststand

Seit Beginn des Gaza-Kriegs im Oktober 2023 erleben Jüdinnen und Juden in Deutschland mehr Hass und Anfeindungen als zuvor. Auch in Thüringen gab es einen deutlichen Anstieg.
Erfurt (dpa/th) - Die Zahl antisemitischer Vorfälle in Thüringen ist auf einen Höchststand gestiegen. Im vergangenen Jahr wurden 418 Fälle gezählt, wie aus dem Jahresbericht des Bundesverbands der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (Rias) hervorgeht. Im Jahr zuvor waren es 392 Fälle, 2023 waren es 297.
Zwar sei der Anstieg nicht ganz so stark wie nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023, sagte der Projektleiter von Rias Thüringen, Timo Galki, der Deutschen Presse-Agentur. Allerdings scheint sich die Zahl auf einem ziemlich hohen Niveau zu verfestigen, wie Galki sagte. Im August werde der detaillierte Bericht für Thüringen veröffentlicht.
Bundesweit 8.725 Fälle von Antisemitismus
"Die Zahl antisemitischer Straftaten in Thüringen ist weiterhin erschreckend hoch", teilte die Landtagsabgeordnete Katharina König-Preuss (Linke) mit. "Der Hass gegen Jüdinnen und Juden in den letzten Jahren ist deutlich angestiegen und erfordert endlich konsequentes Handeln."
Statt Fördermittel für Demokratieprojekte zu streichen, müssten Angebote zur Prävention und Bildung sowie Melde- und Beratungsstellen dauerhaft gesichert werden, forderte sie. Zudem kritisierte sie, dass antisemitische Straftaten nicht ausreichend verfolgt würden und es eine hohe Dunkelziffer gebe.
Bundesweit haben die Meldestellen des Bundesverbands Rias vergangenes Jahr 8.725 antisemitische Vorfälle erfasst. Das waren in etwa so viele wie 2024 (8.713), aber mehr als dreimal so viele wie im Jahr vor dem Terrorangriff der Hamas auf Israel vom 7. Oktober 2023.