HessenBrände und Schäden: Mit Wasser gegen die Drüsenameise

Nicht nur in Offenbach breitet sich die Große Drüsenameise aus und verursacht Schäden, etwa an Gehwegen. Die Stadt bekämpft die Tiere. Doch auch Privatleute müssen mitmachen. Aber wie?
Offenbach (dpa/lhe) - Mit leichtem Druck zerquetscht Tobias Milbrat die Ameise zwischen seinem Finger und der Betonplatte. Er hält seinen Finger an die Nase: Der chemische Geruch verrät es. Hier leben Große Drüsenameisen. Die invasive Art hat sich nicht nur in Offenbach in den vergangenen Jahren ausgebreitet.
Abgesackte Bürgersteige, zerstörte Betonplatten, brennende Klingelkästen: All diese Schäden haben die Ameisen in Offenbach schon angerichtet, sagt Milbrat, der beim Stadtservice der Stadtwerke Offenbach arbeitet. "Die graben den Beton unten auf. Und ja, wenn der Beton erst mal klein ist, ist es Sand. Den Sand räumen sie raus, damit sie Wohnräume kriegen." Die Sprecherin der Stadtwerke, Sigrid Aldehoff, sagt, in anderen Städten seien die Tierchen sogar schon in Stromverteilerkästen gegangen und hätten Kurzschlüsse verursacht.
Anders als die heimische Art habe die Große Drüsenameise nicht nur eine Königin in einem Nest, sondern es können gleich mehrere sein. Dadurch bildet sie laut Stadtwerken "Superkolonien über große Flächen mit Millionen von Individuen".
Wie sieht es in anderen hessischen Städten aus?
Auch in Gießen sei die Ameisenart schon angekommen, sagt eine Sprecherin. Große Schäden habe sie bisher nicht angerichtet. Ähnliches kommt auch aus Hanau: Hier sei die Drüsenameise an wenigen Stellen im Stadtgebiet gesichtet worden. "Bis jetzt macht die Drüsenameise keine Probleme, da die Eigentümer privater Grundstücke und die Stadt Hanau gemeinsam die Ameisen bekämpfen."
"In Darmstadt ist die Art in einem begrenzten Areal aufgetreten und hat dort reparable Schäden an einem Gehweg verursacht", heißt es von einem Stadtsprecher der Stadt im Süden.
Wie genau funktioniert die Bekämpfung in Offenbach?
Offenbach hingegen geht aktiv gegen die Tiere vor. Seit 2025 bekämpft sie die invasive Ameisenart auf öffentlichem Gelände. Zunächst mit einem externen Experten, aber nun macht ein Eigenbetrieb der Stadt die Arbeit selbst. Diesen Sommer sind die Arbeiter vom Stadtservice sogar dreimal die Woche unterwegs. Auch wenn es bei Privatleuten Nachweise gibt, kommt Milbrat vorbei und berät. Zum Glück ist das Mittel gegen die Ameisen simpel: heißes Wasser.
Christian Loose, stellvertretender Leiter des Eigenbetriebs der Stadt Offenbach, der mit der Bekämpfung beauftragt ist, erklärt: "Das ist eine ganz einfache Methode mit Heißwasser." Es sei keine Chemie drin. "Ist also umweltverträglich, nur nicht verträglich für die Ameisen selbst." Dazu wird ein Hochdruckreiniger in die Erde gesteckt und heißes Wasser in die Nester gepumpt.
"Man sieht einen Tag später den Erfolg, weil sie alle ihre Toten rausschaffen", erklärt Milbrat. Besonders gerne mögen die Großen Drüsenameisen laut Milbrat sandigen Boden, dunkle Untergründe und Südseiten. Privatleuten empfiehlt Milbrat heißes Wasser aus dem Wasserkocher in die Nester zu schütten.
Unterschied zwischen invasiver und heimischer Art?
Der zuständige Dezernent Martin Wilhelm sagt: "Die Ameise macht halt nicht an dem Gartenzaun Stopp, sondern die geht halt auch in die Privatgrundstücke. Deswegen funktioniert es nur, wenn alle gemeinsam tätig werden."
Wichtig sei aber, nur die invasive Art zu bekämpfen, nicht die heimische Art. Ein Unterschied ist laut Milbrat, dass die Große Drüsenameise in mehreren Straßen laufe und die heimische nur in einer. Am einfachsten sei aber der Geruchstest: Zerquetscht man die Große Drüsenameise, riecht sie chemisch unangenehm.