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Mecklenburg-VorpommernWildkatze gesucht - Baldrian und Fotofallen für den Nachweis

06.04.2026, 05:32 Uhr
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Nach langer Zeit könnte ein scheuer, getigerter Jäger zurück in unseren Wäldern sein. Nicht weit von MV gibt es bereits wieder Wildkatzen. Wann gelingt im Nordosten der sichere Nachweis?

Kargow (dpa/mv) - Sarah Lemke hat wieder nicht die gewünschte Beute gemacht. Die Rangerin hockt am Boden des Waldes Kargower Buchen im Müritz-Nationalpark, kontrolliert ihre Fotofalle und muss lachen: "Hier sind Reh und Dachs gleichzeitig drauf." Aber: "Keine Katze leider, nicht zu ändern."

Die Katze, für die die Wildkamera eigentlich dort hängt, ist die Europäische Wildkatze. Sie gilt in Mecklenburg-Vorpommern seit mehr als 200 Jahren als ausgestorben. Doch inzwischen könnte sie wieder zurück sein.

Haare und Schneespuren

Vor etwa drei Jahren habe es in der Region bereits eine Sichtung gegeben, sagt Lemke. Haare von einem Baumstamm hätten bestätigt: Es war eine Wildkatze. Im Folgejahr habe eine Kollegin dann im Winter Wildkatzenspuren im Schnee gefunden. "Es reicht uns aber nicht", sagt Lemke. Es gehe um einen gesicherten Nachweis über eine bestimmte Zeit, weil es sich andernfalls auch um durchziehende Tiere handeln könnte.

Wildkatzen sind scheue Jäger. Sie benötigen Bäume zum Klettern und lieben es, von oben ihr Gebiet zu überblicken. Sie brauchen Höhlen für ihren Nachwuchs, aber auch offenes Gelände wie Wiesen zum Jagen von Mäusen. "Wenn ich eine Wildkatze wäre, dann würde ich mich hier sehr wohlfühlen", sagt Lemke. Der Mischwald besteht aus jungen und älteren Bäumen, Totholz liegt umher und angrenzend befindet sich eine Wiese.

Baldrian für Kater unwiderstehlich

Deshalb befindet sich hier ein Punkt eines Wildkatzen-Monitorings. Dafür kommen nicht nur Kameras zum Einsatz. Im Blickfeld der Fotofalle ragt ein Kantholz etwa 1,20 Meter aus dem Waldboden.

Lemke beträufelt diesen Lockstock regelmäßig mit Baldrianextrakt, wie es ihn zur Beruhigung etwa in der Apotheke gibt. Baldrian komme dem Pheromon nahe, mit dem Wildkatzenweibchen zur Paarungszeit Kater anlocken. "Die finden das supertoll und denken, "Oh, da ist jetzt ein Mädchen und da muss ich hin"", erklärt Lemke.

Die Lockstöcke sind zudem angeraut, damit sich leichter Haare verfangen. Zehn solcher präparierter Hölzer gebe es im Müritz-Teil des Nationalparks und zehn weitere im Teil-Gebiet Serrahn weiter im Osten. Sie werden regelmäßig kontrolliert.

Nach Angaben des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) werden auch anderswo in MV während der Paarungszeit der Wildkatzen, die in etwa von Januar bis April dauert, Lockstöcke kontrolliert, etwa im Naturpark Feldberger Seenlandschaft oder auch im westlichen Zipfel des Landes bei Schildfeld und bei Greven.

In anderen Bundesländern bereits Nachweise

In Nachbarbundesländern sind Wildkatzen bereits nachweislich zurück. So gibt es bereits mehrere Nachweise in Brandenburg - Anfang des Jahres erstmals auch im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Brandenburg, also im an MV angrenzenden Nordwesten Brandenburgs.

Ebenfalls Anfang des Jahres gelang ein erster genetischer Nachweis im westlichen Nachbarbundesland Schleswig-Holstein. Dort galt die Wildkatze seit dem Mittelalter als ausgestorben. Im Herzogtum Lauenburg hatte ein Jäger das Tier entdeckt - in einem Wildzaun festhängend. Er schnitt die Wildkatze frei. Haare vom Zaun erbrachten den Nachweis. Auch in Niedersachsen gibt es laut BUND bereits Nachweise sowie in weiteren Bundesländern - darunter Nordrhein-Westfalen.

Wildkatze kommt aus dem Westen

Hanna Walker vom BUND erklärt mit Blick auf die Wildkatze: "Im Gegensatz zum Wolf ist sie eher so, dass sie aus dem Westen zurückkommt in den Osten und Norden." Sie stehe schon seit etwa den 1930er Jahren unter Schutz. Früher seien die Tiere stark gejagt worden, etwa weil man ihnen nachgesagt habe, mit Jägern um Rehe zu konkurrieren. "Das ist natürlich nicht der Fall."

Zudem sei ihr Lebensraum zunehmend verschwunden. "Sie braucht keinen aufgeräumten Wald, sondern einen vielfältigen Wald, wo auch mal was liegen bleiben darf, wo auch Gebüsch wachsen darf, wo sie sich eben verstecken kann", sagt Walker.

Haus- oder Wildkatze?

Die Europäische Wildkatze gehört laut BUND zwar zur selben Gattung wie Hauskatzen, stellt aber eine eigene Art dar. Sie ist demnach nur entfernt verwandt. Die Europäische Wildkatze gehöre zu Wildtierarten, die schon seit 10.000 Jahren vorkommen. Die Hauskatze stamme von der Afrikanischen Wildkatze ab. Die Römer brachten sie demnach in der Antike nach Europa.

Und wie unterscheidet sich eine Wild- von einer Hauskatze? "Eine Wildkatze ist viel plumper im ganzen Körperbau", erklärt Lemke. Sie könne sich natürlich auch grazil bewegen, sei aber massiger. Außerdem: "Immer getigert, wenn auch verwaschen". Zudem habe sie auf dem Rücken einen bestimmten Strich, Ringe um den Schwanz mit schwarzer Spitze und einen weißen Kehlfleck. Das Fell ist laut BUND beige-grau.

Freund der Förster

Wildkatzen stehen nach Aussage Walkers für einen intakten Lebensraum. "Wenn eine Wildkatze wieder vorkommt in einem Gebiet, ist es eigentlich wie so eine kleine Auszeichnung." Solche Lebensräume seien meist auch widerstandsfähiger gegen Auswirkungen des sich verändernden Klimas, wie etwa Trockenheit.

Und ähnlich wie die Hauskatze, die auf dem Bauernhof Mäuse in Schach hält, hat die Wildkatze auch praktische Vorteile etwa für Försterinnen und Förster. "Weil die eben die Mäuse frisst und die dann davon abhält, dass die zum Beispiel die Wurzeln von neuen Bäumen annagen."

Quelle: dpa

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