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HessenEins auf die Waffel - Hessens Eisverkäufer in der Hochsaison

01.07.2026, 04:03 Uhr
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(Foto: Jens Albes/dpa)

Sommergenuss für Kunden, Stress hinter der Theke: Was erzählen Eiscafé-Betreiber in der Hochsaison? Welche Kunden machen sie glücklich, welche nicht? Ein Beispiel in Eltville am Rhein.

Eltville (dpa/lhe) - Besonders lieb sind Carlo Longhin seine jüngsten Kunden. "Manche Kinder können noch kaum "Mama" oder "Papa" sagen, aber schon "Eis" rufen", berichtet der Betreiber einer Eisdiele in der kleinen Fußgängerzone in Eltville am Rhein. Im Hochsommer arbeitet er mit seiner Partnerin Maria Bogdan oft von 9.30 bis 22.00 Uhr - anstrengend, aber schön: Auch nach mehr als einem halben Jahrhundert mache ihm der Job in der Hochsaison immer noch viel Spaß, versichert der 76-Jährige in dem Touristenstädtchen.

443 umsatzpflichtige Eissalons gibt es laut dem Statistischen Landesamt in Hessen (Stand 2024). Die Tourismusabteilung der Wirtschaftsfördergesellschaft Hessen Agentur listet einige besondere Eiscafés "zwischen Riesling-, Bembel- und Heu-Eis" auf und formuliert werblich: "Hessen im Sommer ist einfach zum Dahinschmelzen."

"Ich kenne alle Eiscafés in 100 Kilometer Umgebung"

Carlo Longhin vom Eiscafé Venezia in Eltville stammt aus der Nähe von Venedig, seine Partnerin Maria Bogdan (55) aus Rumänien. 1972 hat Longhin nach eigenen Worten bei einer italienischen Eisdielen-Familie im Harz das Handwerk gelernt und sich später selbstständig gemacht. Auch als Eisvertreter habe er jahrzehntelang gearbeitet: "Ich kenne alle Eiscafés in 100 Kilometer Umgebung."

Es sei schön und motivierend, "wenn Kunden glücklich sind". Sicherlich bemerke er schon mal Ungeduld in der langen Schlange am Wochenende mit Bilderbuchwetter. "Aber ich sage immer: "Besser bei uns zu warten als beim Doktor"", ergänzt Longhin.

"Viele sind schon seit drei oder vier Generationen hier"

Auch die Generalsekretärin des bundesweiten Verbandes Union der italienischen Speiseeishersteller (Uniteis), Annalisa Carnio, sagt, die Freude der Eismacher sei es, "wenn die Kunden im Sommer die Sonne genießen". Den Stress in der Hochsaison seien italienische Betreiber von Eisdielen gewohnt: "Viele sind schon seit drei oder vier Generationen hier, die kennen das genau." Vor allem aber müssten sie im Sommer die umsatzschwachen Regen- und Wintertage ausgleichen: "Dieser Frühling zum Beispiel war regnerisch und kalt."

Viele Eiscafés schließen im Winter - so auch das Venezia in Eltville. Betreiber Longhin sagt: "Von November bis Februar machen wir zu und sind selbst unterwegs." Im vergangenen Winter etwa seien Maria Bogdan und er mit dem Auto 40 Tage auf Urlaubstour in Spanien gewesen, samt dortigem Weihnachtsfest mit der dafür angereisten Familie.

"Bei Beschwerden kann es kompliziert werden"

In der Hochsaison in Eltville arbeiten Longhin zufolge bis zu sechs Beschäftigte gleichzeitig im Eissalon. Sie hätten meist ausländische Wurzeln: "Die wenigsten sprechen gut Deutsch. Sie kennen gerade die Eissorten und "bitte" und "Danke"."

Bogdan ergänzt: "Bei Beschwerden kann es da kompliziert werden." Longhin sagt, generell seien "die Leute immer schwieriger geworden". Manche wüssten nicht, "was sie wollen". Oder, wirft seine Partnerin Bogdan ein, es gebe Missverständnisse: "Manche verwechseln bei der Eisbestellung zum Beispiel Amaretto und Amarena und beschweren sich: "Das habe ich nicht bestellt.""

Lust auf Grüne-Soßen- oder Heu-Eis?

Hessenweit variiert das Eisangebot - oft ist es regional geprägt. Die Tourismusabteilung der Hessen Agentur nennt ausgefallene Beispiele wie Grüne-Soßen-Eis in Frankfurt-Bornheim, Speiseeis auf Basis der Milch von selbst gehaltenen Ziegen in Wächtersbach-Leisenwald im Main-Kinzig-Kreis oder saisonales Heu-Eis von Rhöner Bergwiesen in Gersfeld-Hettenhausen.

Der Eissalon Venezia in Eltville bietet rund 30 Eissorten an. "Wir wechseln immer", sagt Longhin. Roseneis in der Kommune, die sich Rosenstadt nennt, sei ein Muss. "Wir haben eine Familie aus Frankfurt, die ruft vorher an, ob wir das haben, weil sie das nirgendwo sonst finden", ergänzt der Eisverkäufer.

1,80 Euro kostet bei ihm das Bällchen - und 2,20 Euro, wenn es Premium-Eis ist, also etwa besonders cremiges Cremino-Eis. Oder Pistazien-Eis: "Ein Kilogramm Pistazien kostet 60 bis 70 Euro, das ist auch für uns teuer", erklärt Longhin. Ziel sei aber, "dass sich jeder bei uns ein Eis leisten kann" - trotz gestiegener eigener Kosten und Löhne.

Jeden Abend blicken Longhin und Bogdan auf ihre Wetter-App, um zu wissen, wie viel Eis sie am folgenden Morgen mit ihren zwei Eismaschinen produzieren wollen. Bogdan sagt: "Bei schlechtem Wetter machen wir weniger." Jeden Tag kaufen sie nach ihren Worten auch frisches Obst für die Eisherstellung.

Welche Lieblingssorten haben Eisverkäufer?

Was sind die eigenen Lieblingssorten des Betreiberduos? Longhin mag es klassisch: "Zitrone und Vanille" - Bogdan etwas ausgefallener: "Tiramisu, Limoncello und Walnuss mit Feigen."

In Eltville verkauft Longhin bereits seit zwei Jahrzehnten Eis. Bogdan und er haben zahlreiche Stammkunden. Longhin sagt: "Wir haben schon viele Geburten und Todesfälle mitbekommen." Die Liebe zum Eis - sie erfasst alle Generationen.

Quelle: dpa

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