Rheinland-Pfalz & SaarlandExperte sieht Automation als Chance und Handlungsbedarf

Systeme, die sich quasi aus sich selbst heraus weiterentwickeln - das ist, grob gesagt, Autonomik. Ein Fraunhofer-Fachmann aus Kaiserslautern sieht in ihr viel Potenzial mit sehr konkretem Nutzen.
Kaiserslautern (dpa/lrs) - Zum Wohl von Gesellschaft und Wirtschaft sollte nach Ansicht eines Software- und KI-Experten dem Thema Automation mehr Aufmerksamkeit gewidmet werden. Ein neues Wissenschaftsgebiet müsse sich systematisch damit beschäftigen, sagte der Leiter des Fraunhofer-Institutes für Experimentelles Software Engineering IESE in Kaiserslautern, Peter Liggesmeyer, der Deutschen Presse-Agentur.
Heutzutage werde noch zu fragmentiert dazu geforscht, obwohl die Autonomik viel Potenzial habe. "Grundsätzliche Fragen sollten einmal beantwortet und für einzelne Anwendungen dann angepasst werden." Liggesmeyer setzt sich mit einer etwa 20-köpfigen Arbeitsgruppe dafür ein, zu der unter anderem auch der Physiker und frühere SAP-Vorstand Henning Kagermann und KI-Experte Wolfgang Wahlster gehören.
Rat an die Politik
"Es wäre gut, wenn man in der Politik erkennen würde, dass das eine kluge Richtung ist", sagte Liggesmeyer. Es gebe in vielen Bereichen die Tendenz, Prozesse stärker zu automatisieren bis hin zur völligen Automation – gerade wenn etwas für Menschen zu kompliziert sei, mit Menschenhand zu lange dauere oder zu teuer werde.
Als ein Beispiel, bei dem sich viel Geld mit Autonomik sparen ließe, nannte Liggesmeyer die Herstellung individualisierter Medikamente. Aktuell gebe es von ihnen zu wenige, weil sie ohne automatisierte Produktion zu viel kosteten. Mit Autonomik könnte der Preis auf ein Zehntel sinken, erklärte der Experte – also beispielsweise von einer Viertelmillion auf 25.000 Euro. Damit würden solche Präparate für deutlich mehr Menschen verfügbar.
Liggesmeyer: Es winken viele Vorteile
Bislang würden Systeme einmal programmiert, dann sicherheitsüberprüft und verwendet, in dann kaum mehr veränderbarer Form. Das sei bei einem autonomen System völlig anders, es solle sich gerade verändern, erklärte Liggesmeyer. Ihm werde ein Ziel vorgegeben, die dafür richtige Struktur und das richtige Verhalten solle es sich selbst suchen.
"Dafür muss jeweils ein Korridor gefunden werden, den ein System nicht verlassen darf – ohne sonst die Autonomie einzuschränken", sagte der Experte. "Die Korridore sind anwendungsspezifisch, dürften sich sehr nach Anwendung unterscheiden." Perspektivisch müsse es im Sinne einer Langzeitautonomie darum gehen, dass Systeme in Zukunft mit neuen Bedingungen klarkommen. Nötig sei dafür wiederum eine fortlaufende Sicherheitsüberprüfung.
Volkswirtschaftliche Bedeutung
"Wer diesen gordischen Knoten als erster durchschlägt, wird viele Vorteile haben", sagte der Fraunhofer-Fachmann. "Das wäre auch volkswirtschaftlich sinnvoll für Deutschland und Europa."
KI sei nur eine Technik, die in der Autonomik genutzt werden könne. Der Hype um KI helfe aber, weil er deutlich mache, dass neue Techniken neue Möglichkeiten bieten. Wie sehr das Thema inzwischen in der Gesellschaft angekommen sei, zeige sich auch daran, dass sich der Papst dazu äußere.
Papst Leo XIV. hatte in seiner ersten sogenannten Enzyklika (Lehrschreiben) strenge internationale Richtlinien für den Umgang mit KI verlangt. Er warnte vor zahlreichen Gefahren, etwa Kriegsführung mit Hilfe Künstlicher Intelligenz, sieht aber auch Chancen und "wertvolle Hilfe" in der Technologie.