HessenFrankfurt als Design-Hauptstadt - Was hat das zu bedeuten?

Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet sind 2026 "World Design Capital". Was Besucher und Bewohner in diesem besonderen Jahr erwartet – und warum der Titel als Chance für Hessen gilt.
Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Wie müssen öffentliche Räume konzipiert sein, damit sie einen Mehrwert für die Gesellschaft bieten? Und welche Rolle spielt Design für eine lebendige Demokratie? Solche Fragen werden im neuen Jahr in Frankfurt und im Rhein-Main-Gebiet eine Rolle spielen. Denn die Stadt und die Region wurden zur "World Design Capital" (WDC) 2026 gekürt. Damit geht der Titel zum ersten Mal nach Deutschland.
Die World Design Organization (WDO) mit Sitz im kanadischen Montreal würdigt seit 2008 Städte oder Regionen für ihren effektiven Einsatz von Design. Im Rennen um den Titel 2026 setzte sich das Rhein-Main-Gebiet gegen die saudi-arabische Hauptstadt Riad durch. Zuvor ging der Titel nach San Diego (USA) und Tijuana (Mexiko).
Aber was genau ist geplant?
Fünf Kernthemen stehen im Laufe des Jahres im Mittelpunkt: Lebensräume, Bildung & Wissenschaft, Design & Wirtschaft, Partizipation sowie Politik & Design. "Insgesamt sind um die 2.000 Projekte und Events geplant", sagt Carolina Romahn, die Geschäftsführerin der WDC Frankfurt Rhein-Main ist. Die Aktionen werden mit rund 450 Kooperationspartnern umgesetzt - beispielsweise mit Museen, Hochschulen, Stiftungen, Unternehmen, Initiativen, Schulen und Vereinen.
Nur einige Beispiele: Da ist das Festival auf dem Kulturcampus in Frankfurt, da ist ein interkultureller Kunstworkshop im Ledermuseum Offenbach oder eine Ausstellung zum 125. Jubiläum der Mathildenhöhe in Darmstadt. Von April bis September tourt ein mobiler Pavillon durch die Region, in dem unter anderem Workshops organisiert werden. Zudem gibt es an mehreren Orten "Demokratie-Kioske", als Treffpunkt für Ideen, Gespräche und Zukunftsfragen.
Demokratie-Kioske, ein mobiler Pavillon und ein Schiff
Zentrale Anlaufstelle im gesamten Jahr ist das Museum Angewandte Kunst in Frankfurt als offizieller WDC-Hub zum Diskutieren, Austauschen und Arbeiten. Das Museum selbst zeigt verschiedene Ausstellungen zum Thema "Design for Democracy". Vom 14. April bis 9. August 2026 lädt der WDC-Campus zu Vorträgen, Panels und Workshops ein.
Los geht es in Darmstadt
Auftaktveranstaltung ist am 16. Januar in der Darmstädter Centralstation - unter anderem mit Ministerpräsident Boris Rhein (CDU). Eingeläutet werde ein Jahr, das Frankfurt und die Region zum Labor und zur Bühne für zukunftsweisende Gestaltung mache, heißt es. Die Gesamtkosten für das Projekt bezifferten die Veranstalter mit rund 16 Millionen Euro.
Ein abschließender Höhepunkt findet den Organisatoren zufolge in der Frankfurter Paulskirche und an weiteren Orte in Wiesbaden und Offenbach statt, wenn vom 11. bis 14. November zu den "World Design Policy Days" geladen wird. Dabei gehe es um die Rolle von Gestaltung in politischen Prozessen.
Natürlich soll auch die regionale Wirtschaft, Hotellerie und Gastronomie profitieren. "Wir rechnen mit deutlich steigenden Besucherzahlen im WDC-Jahr", heißt es beim Wirtschaftsministerium. Dort werden auch langfristig positive Effekte erwartet, wirtschaftlich wie gesellschaftlich - "von einem klaren Imagegewinn als kreativer Wirtschaftsraum bis hin zu neuen Kooperationen zwischen Kreativwirtschaft und Industrie".
Zugleich stehe der Ballungsraum Rhein-Main vor großen Herausforderungen – beim Wohnen, beim Verkehr und in der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung. "Hier kann WDC 2026 wichtige Impulse geben, wie die Region noch enger zusammenwachsen kann und gemeinsam Lösungen gestaltet."
Aber warum sind gerade Frankfurt und die Region der richtige Ort?
Die Jury der World Design Organization habe überzeugt, dass es in Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet eine reiche Gestaltungstradition gebe, "von der demokratischen Tradition der Paulskirche 1848 über "Das Neue Frankfurt" bis zur Design- und Reformbewegung der Mathildenhöhe Darmstadt", sagt Rohman. Die Region sei fähig zur Transformation und offen für Neues. Aber: "Die Region ist nicht mehr ganz so beweglich, wie sie es mal war. Auch deshalb soll das Festival Impulse geben und Anregungen schaffen - auch über 2026 hinaus."
Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori (SPD) sagt: "Dies ist für ganz Hessen eine große Chance, die kreative und innovative Kraft der Region sichtbar zu machen und dauerhaft zu verankern". Und er betont: "Design und Kreativität sind für uns keine schöne Nebensache, sondern ein echter Zukunfts- und Standortfaktor." Der Titel setze ein starkes Signal nach Deutschland, Europa und in die Welt.
"Wir wollen die Menschen zum Mitmachen einladen"
"Wir wollen zeigen, wie durch Gestaltung unsere Lebensqualität verbessert werden kann. Und wir wollen die Menschen zum Mitmachen einladen", sagt auch Carolina Romahn. Zudem soll darauf aufmerksam gemacht werden, welches kreative und innovative Potenzial in der Region steckt.
Das Motto lautet "Design for Democracy. Atmospheres for a better life" (Design für Demokratie, Atmosphären für ein besseres Leben). Damit werde ein wichtiger politischer Impuls gesetzt. "Unsere Demokratie ist ein Projekt, das wir gemeinsam mit Mut, Kreativität und Tatkraft immer wieder neu gestalten müssen."