HessenSicherheit in Freibädern – wird planschen teurer?

Kameras oder zusätzliches Personal sorgen in Freibädern für mehr Sicherheit. In Kürze beginnt der Prozess um mutmaßliche sexuelle Belästigung im städtischen Freibad in Gelnhausen.
Gelnhausen (dpa/lhe) - Freibäder sind in den vergangenen Jahren immer wieder wegen Übergriffen in die Schlagzeilen geraten. Tumulte und sexuelle Übergriffe führten teils zu einem Überdenken der Sicherheitskonzepte. Wie starten die Bäder in Hessen in die Saison?
Polizei und Sicherheitsdienst zeigen Präsenz
Die Stadt Gelnhausen, die wegen Vorfällen im Freibad im vergangenen Jahr unversehens in den Blickpunkt überregionalen Interesses geraten war, hatte damals während der laufenden Saison Sicherheitsmaßnahmen verstärkt und erste Erfahrungen gesammelt. Auf dieser Grundlage wurde nach Angaben der Stadt das Sicherheitskonzept für die Freibadsaison 2026 weiterentwickelt. Ein für Montag anberaumter Prozess wegen des Verdachts der sexuellen Belästigung im vergangenen Jahr wurde kurzfristig verschoben.
"Auch in diesem Jahr wird die Stadtpolizei regelmäßig im Freibad präsent sein und durch einen professionellen Sicherheitsdienst unterstützt", erklärt Bürgermeister Christian Litzinger (CDU). Durch diese zusätzliche Präsenz werde das Personal im Freibad gezielt entlastet. "So kann sich das Fachpersonal weiterhin auf seine Kernaufgaben im Badebetrieb konzentrieren, während gleichzeitig die Aufsicht und Sicherheit auf dem gesamten Gelände verstärkt wird."
Dieser Mehraufwand verursacht auch zusätzliche Kosten, die laut Bürgermeister aber erst nach Saisonabschluss genau beziffert werden können. Wichtig für Besucher: "Die Eintrittspreise steigen nicht", betont Litzinger.
An besucherstarken Tagen mehr Personal
"In Wiesbaden setzen wir situativ an stark frequentierten Tagen unterstützend Sicherheitsdienste ein, die einerseits die Verkehrssituation steuern und dafür sorgen, dass Rettungswege frei gehalten werden", sagt der Betriebsleiter der städtischen Bäderbetriebe mattiaqua, Thomas Baum. "Andererseits unterstützen diese Kräfte dann auch unser Stammpersonal bei der Durchsetzung und Einhaltung der Haus- und Badeordnung." Dies sei bereits seit Jahren Praxis und stehe nicht im Zusammenhang mit den Vorfällen in Gelnhausen.
Die Wiesbadener Freibäder arbeiten nach den Worten von Baum mit der mobilen Jugendarbeit zusammen und unterstützen das Projekt "Luisa ist hier". Bei dem Hilfsangebot können sich Frauen und Mädchen, die sich belästigt fühlen, mit der Frage "Ist Luisa hier?" an das Personal wenden und so diskret um Hilfe bitten.
Im Austausch mit anderen Kommunen
Die Frankfurter Bäder überprüfen ihr Sicherheitskonzept im Sommer laufend, wie Geschäftsführer Boris Zielinski sagt. "Wir sind im ständigen Austausch mit anderen Kommunen und Großstädten dazu." Das Konzept basiere auf vielen Jahren Erfahrung. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien dazu aufgerufen, rückzumelden, was funktioniere und wo es eventuellen Nachsteuerungsbedarf gebe.
Fachkräftemangel große Herausforderung
Ein umfassendes Sicherheitskonzept hat sich nach Angaben der Städtischen Werke in Kassel in der Praxis bewährt. "Die Kombination aus geschultem Aufsichtspersonal, klar definierten Verhaltensregeln sowie moderner Kameraüberwachung in den zulässigen Bereichen trägt maßgeblich dazu bei, ein hohes Maß an Sicherheit für unsere Gäste zu gewährleisten."
Eine grundlegende Änderung des Konzeptes gebe es für die kommende Saison nicht, weshalb auch keine Preiserhöhungen vorgesehen sind. "Wir überprüfen unsere Abläufe und Maßnahmen aber kontinuierlich und passen sie bei Bedarf an." Es lasse sich aber nicht wegdiskutieren, dass sich das Verhalten einiger Badegäste in eine ungute Richtung entwickelt, wie sie in den 80ern schwer denkbar gewesen wäre.
"Die angespannte Lage am Arbeitsmarkt für Fachkräfte im Bäderwesen ist für uns, wie auch für viele andere Badbetreiber, eine große Herausforderung, um eine zuverlässige Aufsicht und Präsenz im gesamten Badebereich zu gewährleisten", heißt es bei den Städtischen Werken. Grundsätzlich stelle man in der Freibadsaison für die Freibäder Saisonkräfte ein.
Preise bleiben auch in Gießen stabil
Auch bei den Stadtwerken Gießen will man an den bewährten Sicherheitskonzepten in der kommenden Freibadsaison festhalten. "So setzen wir an besucherstarken Tagen ergänzend zu unserem Fachpersonal zusätzliches Sicherheitspersonal ein, das sich frei über das Freibadgelände bewegt und wenn nötig regulierend eingreift." Da auch hier keine Aufstockung des Personals geplant ist, sollen die Preise stabil bleiben.
Übergriffe sind Anlass zu sensibilisieren
"Wir setzen weiterhin auf etablierte und bewährte Sicherheitskonzepte mit klar definierten organisatorischen Abläufen und Einsatzstrukturen für das Aufsichtspersonal", sagte ein Sprecher der Stadt Darmstadt. Vorfälle wie im vergangenen Jahr in Gelnhausen würde man zum Anlass nehmen, die Teams zu sensibilisieren und Abläufe intern zu reflektieren. Ein grundsätzlicher Anpassungsbedarf bestehe aktuell nicht.
Eine personelle Aufstockung des Personals für die Freibäder und Badestellen sei derzeit nicht vorgesehen. Deswegen werde es auch keine Anpassung der Eintrittspreise geben.