HessenHessens Handwerk erwartet 2026 wohl kein reales Wachstum

Warum Handwerksbetriebe 2026 kaum mit Besserung rechnen – und welche Bedingungen laut Branchenvertretern für einen Aufschwung nötig wären.
Wiesbaden (dpa/lhe) - Hessens Handwerk warnt vor weiteren Belastungen. Der Präsident des Hessischen Handwerkstages, Stefan Füll, teilte in Wiesbaden mit, für 2026 schließe sich das Handwerk im Land "der bundesweiten Erwartung eines moderaten Umsatzzuwachses von rund einem Prozent an, das inflationsbereinigt voraussichtlich kein reales Wachstum bedeutet".
Füll ergänzte: "Gleichzeitig bleiben die strukturellen Belastungen durch gestiegene Personal-, Energie- und Vorleistungskosten hoch." Voraussetzung für einen Aufschwung seien mehr öffentliche Investitionen sowie "verlässliche finanzielle, steuerliche und regulatorische Rahmenbedingungen, die Vertrauen schaffen und Investitions- und Konsumentscheidungen ermöglichen".
Ein Drittel der Betriebe meldete 2025 weniger Auftragseingänge
Im vergangenen Jahr hatte laut dem Handwerkstags-Präsidenten rund ein Drittel der Betriebe rückläufige Auftragseingänge gemeldet - bereits zum zweiten Jahr in Folge. "Gleichzeitig belasteten steigende Preise für Energie, Dienstleistungen und Vorprodukte die Betriebe", erläuterte Füll.
"Mehr als die Hälfte der Unternehmen verzeichnete weiterhin steigende Einkaufspreise, während diese nur teilweise weitergegeben werden konnten", fügte Füll hinzu. Die Investitionsbereitschaft sei 2025 erneut zurückgegangen. "Der Personalbestand blieb hingegen weitgehend stabil", sagte Füll.
Fast 80.000 Handwerksbetriebe in Hessen
Handwerkstags-Vizepräsident Alexander Repp sprach von Stabilität bei der Zahl der Handwerksbetriebe in Hessen. Zum Jahresende seien 78.532 Betriebe eingetragen gewesen, ein Plus von 66 Betrieben beziehungsweise von 0,1 Prozent. Die bundesweit stark gestiegene Zahl der Insolvenzen habe sich vorerst nicht im hessischen Handwerk niedergeschlagen.
Parallel bleibt laut Repp die Ausbildung eine zentrale Herausforderung für das Handwerk im Land. Im Ausbildungsjahr 2025 seien 9.935 neue Lehrverträge abgeschlossen worden, 77 mehr als im Vorjahr, jedoch weiterhin weniger als vor der Corona-Pandemie. 2019 seien es noch 10.357 Verträge gewesen.
Ausbildung als Grundlage der Fachkräftesicherung
Es mangelt dem Handwerkstags-Vizepräsidenten zufolge nicht an Ausbildungsstellen, sondern an Bewerberinnen und Bewerbern. Wo Ausbildung ausbleibe, "fehlen morgen Fachkräfte, Gesellinnen und Gesellen, Meisterinnen und Meister sowie künftige Ausbilderinnen und Ausbilder", mahnte Repp.