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HessenHessischer Bildungsurlaub fristet "Nischendasein"

13.01.2026, 04:02 Uhr
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(Foto: Philipp von Ditfurth/dpa)

Yoga in Deutschland zum Stressabbau, Business-Englisch auf Malta: Obwohl viele einen Anspruch haben, gibt es kaum hessische Bildungsurlauber. Woran liegt das?

Wiesbaden/Berlin (dpa/lhe) - Nur wenige Arbeitnehmer nehmen Bildungsurlaub zur beruflichen oder politischen Weiterbildung. In Hessen nutzt weniger als ein Prozent der Berechtigten diese Möglichkeit. Das geht aus einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur in den Bundesländern hervor.

Den Anspruch auf Bildungsurlaub in Hessen gibt es bereits seit mehr als einem halben Jahrhundert, seit 1975. Beschäftigte haben pro Jahr Anspruch auf fünf Tage bezahlte Freistellung von der Arbeit für die Teilnahme an Bildungsveranstaltungen.

Rund 6.300 Angebote für Bildungsurlaub

Voraussetzung ist, dass die Bildungsveranstaltung vom hessischen Arbeitsministerium anerkannt worden ist. Mit Stand 6. November 2025 sind in Hessen laut Arbeitsministerium 899 Institutionen als mögliche Veranstalter von Bildungsurlaub anerkannt - und rund 6.300 einzelne Arten von Bildungsurlaub.

Besucht werden können Veranstaltungen zur politischen Bildung, zur beruflichen Weiterbildung oder für ein Ehrenamt. Beliebt sind nach Angaben von Anbietern Sprachkurse und Kurse zur Stressbewältigung. Ein Zusammenhang zum Beruf ist nicht zwingend nötig.

Quote in Hessen unter einem Prozent

Ein Vergleich zwischen den Bundesländern ist schwierig, weil nicht in allen Ländern gleichermaßen Zahlen erhoben werden. Hessen scheint aber eher auf den hinteren Plätzen zu rangieren, wie die Umfrage ergab: Nach Angaben des hessischen Arbeitsministeriums lag die Quote 2023 bei nur 0,68 Prozent - das waren 21.347 Bildungsurlauberinnen und -urlauber.

Zuvor zu Corona-Zeiten war diese Quote in Hessen nochmals weitaus niedriger gewesen - aber auch in den Jahren 2015 bis 2019 hatte sie jeweils nur bei rund einem halben Prozent gelegen, wie das Landesarbeitsministerium in Wiesbaden weiter mitteilte.

Blick in andere Bundesländer

Zum Vergleich: In Niedersachsen waren es nach Angaben des dortigen Wissenschaftsministeriums 2023 immerhin 1,45 Prozent. In Rheinland-Pfalz - das anders als Hessen und Niedersachsen Beamte mitzählt - nutzten in den Jahren 2023 und 2024 zusammen 1,8 Prozent das Angebot.

"Obwohl es den Bildungsurlaub bereits seit den 1970er Jahren gibt, fristet er bis heute eher ein Nischendasein", sagt der Arbeitsmarktexperte Ulf Rinne vom Institut zur Zukunft der Arbeit in Bonn. Er geht davon aus, dass diese Möglichkeit nicht allzu bekannt sei. Außerdem müssen die Beschäftigten die Teilnahme an den Programmen meist selbst zahlen.

Seit 2023 sind auch Online-Kurse erlaubt

Seit 2023 - mit der letzten Novellierung des hessischen Bildungsurlaubsgesetzes - sind auch digitale Veranstaltungsformate möglich. Außerdem wurden die Kurszeiten flexibilisiert und für Teilzeitbeschäftigte kürzere Kurszeiten ermöglicht.

Und was wählen Hessens Bildungsurlauber am liebsten? Aus der Statistik lässt sich dem Ministerium zufolge ableiten, "dass Beschäftigte am häufigsten an Veranstaltungen der beruflichen Weiterbildung teilnehmen, gefolgt von Veranstaltungen der politischen Bildung". Am wenigsten nachgefragt seien Schulungen für ein Ehrenamt.

Wieso haben trotzdem so wenig Interesse?

Nach Ende der Corona-Pandemie sind die Teilnehmerzahlen "absolut gesehen deutlich und zwar auch über das Vor-Pandemie-Niveau hinaus angestiegen", betont das Ministerium. Die Gründe, warum die Quote dennoch weiterhin unter einem Prozent liegt, "sind vielfältig und liegen häufig im persönlichen Bereich", erklärt ein Sprecher des Arbeitsministeriums auf Nachfrage.

Dazu zählten etwa fehlende Zeit, die familiäre Situation oder auch unterschiedlich starkes Interesse an Bildungsurlaub. "Betriebliche Gründe spielen möglicherweise ebenfalls eine Rolle", so der Sprecher, etwa die Einstellung von Vorgesetzten und Kollegen zu diesem Thema. "Zum Teil fehlt Beschäftigten auch das Wissen über den gesetzlichen Anspruch auf Bildungsurlaub", gibt das Ministerium zu.

Quelle: dpa

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