HessenLückenhaftes Wissen - Hessen erweitert Finanzbildung

Brutto oder netto? Was ist der Unterschied beim Gehalt? Viele junge Leute wissen dies laut einem Unternehmensverband nicht so genau. Grund genug zum Handeln.
Wiesbaden (dpa/lhe) - Hessen will das laut Experten oft lückenhafte Finanzwissen seiner jungen Bürger verbessern. Die Zahl sogenannter Zukunftstage mit der Vermittlung von praktischem Finanzwissen für Auszubildende soll in diesem Jahr deutlich steigen, wie das Finanzministerium in Wiesbaden mitteilte. Es organisiert diese außerschulischen Workshops an verschiedenen Orten im Land gemeinsam mit Partnern.
Die Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände hatte 2025 erklärt: "Viele Arbeitgeber berichten, dass es bei Schulabgängerinnen und -abgängern am Verständnis wirtschaftlicher Zusammenhänge mangelt." Azubis seien zwar an Finanzthemen interessiert, zugleich fehle ihnen aber grundlegendes Wissen etwa zu brutto und netto sowie Sozialversicherungen. Der Grünen-Abgeordnete Sascha Meier sagte einst im Wiesbadener Landtag, Zigtausende Schüler lernten lineare Funktionen abzuleiten, aber nicht, was ein Dispokredit sei.
Insgesamt mehr als 500 Azubis bei ersten vier Zukunftstagen
Laut dem Finanzministerium waren bei Hessens ersten vier Zukunftstagen im vergangenen Jahr mehr als 500 Azubis zwischen 18 und 22 Jahren in Frankfurt, Kassel, Darmstadt und Wiesbaden dabei. "Bei Wissensfragen zu Rente, Krediten und Aktien gab es deutliche Verbesserungen zwischen Vor- und Nachbefragung der Auszubildenden", teilte das Ministerium mit.
Bei den Zukunftstagen mit dem Untertitel "Dein Crashkurs fürs Leben" besuchen Azubis vier Workshops zu Finanzen, Steuern, Wohnen und Krankenversicherung. Geleitet werden sie etwa von Experten des Finanzministeriums und der Finanzämter. Auch die Initiative für wirtschaftliche Jugendbildung und die Kammern der Wirtschaft unterstützen diese Fortbildung.
"Finanzkompetenz ist Lebenskompetenz"
Finanzminister Alexander Lorz (CDU) sagte: "Finanzkompetenz ist Lebenskompetenz. Wissen über Geldanlage, Steuern und Altersvorsorge befähigt zum selbstbestimmten Leben." Das helfe Bürgern, Unternehmen und der Volkswirtschaft und trage so zum gesellschaftlichen Zusammenhalt bei.
Laut dem Kultusministerium ist auch die ökonomische Bildung in den Schulen ausgeweitet worden. Kultusminister Armin Schwarz (CDU) teilte der Deutschen Presse-Agentur mit, Finanzbildung und Verbraucherschutz seien "keine Einzelaufgabe, sondern durchziehen viele Fächer – von Politik und Wirtschaft über Arbeitslehre bis hin zu Deutsch, Mathematik, Geschichte und Geografie".