HessenMänner daten Mädchen - und werden Opfer von "Pedo-Hunting"

In Frankfurt muss sich ein 23-Jähriger vor Gericht verantworten: Gemeinsam mit anderen soll er mutmaßliche Pädokriminelle bedroht und beraubt haben.
Frankfurt/Main (dpa/lhe) - Auf einer Dating-Plattform verabreden sich Männer mit Mädchen und jungen Frauen - doch beim verabredeten Treffen erscheint nur eine mehrköpfige Männer-Bande: Sie beschimpft und bedroht, dann fordert sie Geld. Nun hat im Frankfurter Landgericht der Prozess gegen ein mutmaßliches Mitglied dieser räuberischen Bande begonnen. Die Staatsanwaltschaft klagt den 23-Jährigen unter anderem wegen erpresserischen Menschenraubs und gefährlicher Körperverletzung an. Im Juli 2025 ist der Obdachlose festgenommen worden, seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.
Der Anklagebehörde zufolge sollen sich die Männer - noch sind nicht alle ermittelt - Anfang vergangenen Jahres zu einer Bande zusammengeschlossen haben, um das sogenannte "Pedo-Hunting", also die Jagd auf mutmaßlich Pädokriminelle, zu betreiben. Dabei soll sich der Angeklagte auf der Dating-Plattform selbst als die Mädchen ausgegeben haben, etwa als eine 13-jährige "Jana" oder eine 15-jährige "Leni". Die Männer, die sich mit ihnen an verschiedenen Orten in Frankfurt verabredeten, waren oft zwischen 50 und 60 Jahre alt.
Drohungen und Schläge
Einer von ihnen wurde laut Anklage bei dem Treffen von der Männer-Bande mit einer Schusswaffe bedroht, ein anderer mit einem mit Rasierklingen präparierten Hundekamm. Anderen wurde angekündigt, der Chat auf der Dating-Plattform werde im Internet veröffentlicht. Zu einem Mann soll der nun Angeklagte, der sich als Bruder der angeblich gedateten Mädchen ausgab, gesagt haben: "Ich komme zu dir nach Hause und bringe dich um." Zwei Männer wurden zudem geschlagen. In manchen Fällen sollen die Täter von ihren Opfern jeweils mehrere hundert Euro erbeutet haben, einigen Männern gelang jedoch die Flucht.
Insgesamt hat die Staatsanwaltschaft sieben Fälle des "Pedo-Hunting" angeklagt. Laut Angaben des Vorsitzenden Richters handelt es sich dabei "um die Spitze des Eisberges". "Wir können uns vorstellen, wie hoch die Dunkelziffer ist", sagte er. Schließlich sei die Angelegenheit für die betroffenen Männer "hochpeinlich".
Nach der bisherigen Planung könnte noch diesen Monat ein Urteil verkündet werden.