HessenRisiken bei Niedrigwasser halten Wasserschutzpolizei in Atem

Hessens Innenminister Poseck erklärt, zu welchen Gefahren sinkende Pegelstände am Rhein führen können. Nicht selten muss die Wasserschutzpolizei ausrücken.
Wiesbaden (dpa/lhe) - Das gegenwärtige Niedrigwasser des Rhein stellt auch Hessens Wasserschutzpolizei vor besondere Herausforderungen. Ihr oberster Dienstherr, Innenminister Roman Poseck, teilte der Deutschen Presse-Agentur in Wiesbaden mit: "Gerade jetzt wird deutlich, wie eng Sicherheit, Umweltschutz und Wirtschaft an unseren Flüssen zusammenhängen."
Der CDU-Politiker betonte: "Sinkende Pegelstände bergen reale Gefahren, von veränderten Strömungen über freigelegte Munition aus dem Zweiten Weltkrieg bis hin zu Schiffen, die auf Untiefen geraten."
Badegefahren, Kriegsüberreste und Untiefen
All dies kann auch die hessische Wasserschutzpolizei beschäftigen. Sie hat 2025 ihr 75-jähriges Bestehen gefeiert und zählt laut Innenministerium rund 130 Beamtinnen und Beamte für gut 525 Kilometer schiffbare Flüsse und Seen. Für den Rhein in Hessen sagen "wahrscheinlichkeitsbasierte" Prognosen der zuständigen Bundesbehörde zwar in den kommenden Tagen leicht ansteigende Wasserstände voraus, die aber anschließend wohl wieder etwas sinken.
19 Badetote hat es 2025 im Bundesland gegeben - und auch schon mehrere in diesem Jahr. Die Wasserschutzpolizei ruft dazu auf, Badeverbote, Schiffs- und Bootsverkehr zu beachten, vor dem Schwimmen auf Alkohol und andere Drogen zu verzichten, Kinder nie unbeaufsichtigt zu lassen und nicht von Brücken oder Stegen ins Wasser zu springen. Bei Rhein-Niedrigwasser könnten sich Strömungen verlagern, und die Fahrrinne der Schiffe könne gefährlich näher ans zurückweichende Ufer rücken.
Sinkende Wasserstände lassen immer wieder Munition und Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg auftauchen - auch weil seinerzeit viele Gewässer zu ihrer Entsorgung genutzt worden sind. Hessens Kampfmittelräumdienst warnt vor Berührungen: Kampfmittel können wegen jahrzehntelanger Witterungseinflüsse unberechenbar geworden sein. Bei Funden kann auch der Notruf 110 gewählt worden. Gegebenenfalls rücken Kampfmittelräumer aus - und ebenso die Wasserschutzpolizei.
Anders als im staugeregelten Main mit Schleusen stranden im frei fließenden hessischen Rheinabschnitt bei Niedrigwasser immer wieder Schiffe. Auch das ist ein Fall für die Wasserschutzpolizei. Etwa am 8. Juli, als sich laut Innenministerium ein 105 Meter langes Gütermotorschiff bei Assmannshausen auf einer Untiefe vorübergehend festgefahren hat. Oder am 11. Juli, als einem 85 Meter langen Frachtschiff bei Lorch außerhalb der Fahrrinne das Gleiche passierte. Ein anderes Schiff schleppte es frei.