HessenWarnstreik legt Nahverkehr in Kassel bis in die Nacht lahm

Wegen eines Warnstreiks fahren in Kassel weder Busse noch Straßenbahnen. Auch die RegioTram ist betroffen. Was das für Pendler bedeutet und welche Ausweichmöglichkeiten es gibt.
Kassel (dpa/lhe) - In Kassel steht der Nahverkehr still. Seit Beginn der Frühschicht um 3.30 Uhr haben in der nordhessischen Stadt die Beschäftigten der Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG) die Arbeit niedergelegt. Zu dem Warnstreik aufgerufen hatte die Gewerkschaft Verdi. Rund 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nahmen nach Angaben des zuständigen Gewerkschaftssekretärs Olaf Schüssler am Vormittag an einer Kundgebung teil. "Wir sind sehr zufrieden", erklärte er. "Das ist ein gutes und starkes Signal der Kolleginnen und Kollegen."
Der Ausstand ist für noch bis zum Ende der Spätschicht in der Nacht auf Samstag geplant. Pendler in und um Kassel müssen starke Nerven haben: Neben dem kompletten Ausfall aller Bus- und Straßenbahnlinien in Kassel sind auch die Bahnen der RegioTram Gesellschaft (RTG) betroffen. Denn die Arbeitsniederlegung umfasst auch die KVG-Abteilungen Leitstelle und Werkstatt. Wenn diese sicherheitsrelevanten Bereiche nicht arbeiten, dürften auch keine RegioTrams fahren, teilte die RTG mit.
Im Stadtgebiet Kassel stehen laut der KVG als Ausweichmöglichkeiten verschiedene regionale Bus- und Zugverbindungen zur Verfügung, die unabhängig vom Warnstreik verkehren. Die Verkehrsgesellschaft empfiehlt allen Fahrgästen, sich frühzeitig über die Medien und die Informationskanäle des Nordhessischen Verkehrsverbunds (NVV) über den aktuellen Stand zu informieren.
Verdi beklagt "Angriff" auf Tarifwerk
Grund für den Warnstreik bei der KVG ist laut Verdi der "Eklat" am Ende der dritten Runde der Tarifverhandlungen. "Buchstäblich in letzter Minute der Verhandlungen haben die Arbeitgeber aus heiterem Himmel einen regelrechten Angriff auf unser Tarifwerk gestartet", erklärte der zuständige Gewerkschaftssekretär Olaf Schüssler.
So solle die Aufstockung des Krankengelds gestrichen werden. "Sie wollen denen, die wegen Krankheit ohnehin schon stark belastet sind, auch noch ihre Zuschüsse streitig machen." Zudem solle die tarifliche Zulage zur Mitarbeitergewinnung künftig mit Tariferhöhungen verrechnet werden. "Das heißt, die Kolleginnen und Kollegen sollen sich deutlich verschlechtern. Darauf kann es nur eine Antwort geben: Streik."
Die ÖPNV-Verhandlungen werden von Verdi parallel in allen Bundesländern geführt. Es geht in Hessen nicht um die Gehälter der Beschäftigten, sondern um die Arbeitsbedingungen nach dem Manteltarifvertrag.