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HessenWie die Retter der DLRG am Fluss Leben retten

24.06.2026, 05:02 Uhr
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(Foto: Helmut Fricke/dpa)

Mit viel Teamgeist retten die DLRG-Wasserretter am Main jedes Wochenende Leben. Wie läuft so ein Einsatz ab – und was belastet die Helfer besonders?

Frankfurt (dpa/lhe) - Die fünf sind ein eingespieltes Team: Der Bootsführer fährt das Boot der DLRG ganz nah an den Körper im Wasser ran, Aaron Haag und seine Kollegen bereiten alles vor. Dann geht es schnell - der Körper wird auf eine Art Brett gelegt, über die Bordkante gehebelt und schon ist er aus dem Wasser und auf dem Boot.

Bei der Übung auf dem Main in Frankfurt war der Körper nur eine Puppe. Doch gerade bei dem aktuell warmen und sonnigen Wetter holen die Wasserretter der DLRG jedes Wochenende mehrere Menschen mit dieser Methode aus dem Wasser. Erst am vergangenen Wochenende waren sie mehrfach im Einsatz. Und auch an anderen Flüssen in Hessen gab es Notfälle. Im Rhein bei Biblis starben drei Schwimmer.

Nicht nur Einsätze auf dem Wasser

Die Truppe am Mainufer ist zuständig für den Frankfurter Flussabschnitt. Das Baden sei hier generell verboten, erklärt Philipp Hericks, der auch für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Jeder, der im Wasser sei, werde als potenziell rettungspflichtig angesehen.

Bei einem normalen Dienst seien sie vor Ort zu fünft, drei auf dem Rettungsboot und zwei auf dem Gerätewagen. Zusätzlich gebe es noch einen Führungsdienst, erklärt er.

"Die DLRG ist natürlich für die Wasserrettung bekannt, das sind auch unsere klassischen Einsätze: Menschen, die ins Wasser springen, Wassersportler, aber auch sanitätsdienstliche Einsätze", sagt Hericks. Manchmal kann es auch dazu kommen, dass sie gar nicht im Wasser im Einsatz sind, sondern an Land. "Grundsätzlich sind wir automatisch bei der Leitstelle hinterlegt, wenn es ein Einsatz hier unten im Mainuferpark ist."

Von April bis Ende September gebe es den saisonalen Stationsdienst, im Winter werde die Zeit genutzt, Material instand zu bringen, sich vorzubereiten und auszubilden. "Man merkt das immer, sobald die Temperaturen ein bisschen steigen, steigen auch die Einsatzzahlen", berichtet er. Besonders wenn die Einsätze nachts seien, sei es im Sommer eine Belastung - "weil wir alle ja auch einem Job nachgehen." Denn: Alle im Team arbeiten ehrenamtlich bei der DLRG - sie bekommen für die Dienste kein Gehalt.

Wie läuft eine Rettung aus dem Fluss ab?

Wird ein Mensch im Fluss entdeckt, muss es schnell gehen. "Wir machen eine bootsgestützte Wasserrettung", erklärt Hericks. "Wir fahren also die Person steuerbord- oder backbordseitig an und hebeln die Person dann mit dem Combicarrier – also einem Rettungsgerät – beispielsweise aus dem Wasser raus."

Bei bewusstlosen Menschen sei es deutlich schwerer, sie zu retten, sagt er. "Die sind super schwierig zu greifen, weil natürlich die Haut nass ist. Sie sind glitschig und teilweise auch unbekleidet, was es noch schwieriger macht."

Neue Drohne soll Retter unterstützen

Seit einigen Wochen werden die Wasserretter bei ihrer Arbeit von einer Drohne unterstützt. "Die Drohne ist ein Teil von unserer Unterwasserortungseinheit", erklärt Wachführer Aaron Haag. Diese Einheit bestehe primär aus einem Sonargerät und der Drohne.

"Wenn wir an den Einsatzort kommen, wo wir eine Person unter Wasser suchen, dann können wir mit dem Sonar quasi eine große Fläche unter Wasser absuchen", sagt der 21-Jährige. Mit dem Sonar könnten Objekte identifiziert, mit der Drohne könnte das dann verifiziert werden. "Unsere Idee dahinter war von Anfang an, eine Brücke zu bilden zwischen dem Moment, in dem wir eine Person suchen, und bis die Taucher kommen", sagt er.

Menschen zusammen das Leben retten, schweißt zusammen

Als Wachführer ist er für die Planung der Wochenenden zuständig. Die alltäglichen Sachen zu planen, sei eine Aufgabe, sagt er. "Es muss immer Essen da sein, es muss jemanden geben, der kocht und dann wieder aufräumt. Und es muss dafür gesorgt sein, dass man auch mal außerhalb des Einsatzgeschehens was macht, was einen als Team zusammenschweißt."

Denn gerade der Team-Zusammenhalt ist bei den Wasserrettern besonders wichtig. "Das Schönste ist die Gemeinschaft", findet Hericks. "Wir sind hier wirklich eine kleine Familie. Wir erleben zusammen Einsätze, die man in einem normalen Freundeskreis einfach nicht kennt. Wenn man einem Menschen zusammen das Leben gerettet hat, schweißt das zusammen, gar keine Frage."

Auch für Haag ist die DLRG ein "bisschen auch Familie". "DLRG ist auch immer, dass man die Leute viel näher kennenlernt, als man das typischerweise in einer Gruppe tun würde, einfach weil man mit denen auch Situationen erlebt, die total unalltäglich sind und einen persönlich auch belasten können. Am Ende hängen auch das eigene Leben und das Leben anderer Personen daran."

Reanimationen und Wasserleichen sind belastend

Denn Haag und Hericks sind ständig mit dem Tod konfrontiert. "Anstrengend sind für mich vor allem extremere Einsätze. Reanimationen, Wasserleichen, das ist schon etwas, was einen belastet", erzählt Hericks. Es gebe aber ein ganz gutes Konzept, damit umzugehen. "Wir machen nach dem Einsatz eine Nachbesprechung und wir haben eine psychosoziale Nachbetreuung für Einsatzkräfte."

Auch, dass sie vor Ort viel Zeit verbringen, kann schon mal anstrengend sein, sagt Hericks. Am Mainufer gibt es ein kleines Haus, in dem gekocht, zusammengesessen und auch geschlafen wird - in einem kleinen Raum in Stockbetten. Das alles machen die Wasserretter aus Leidenschaft und für die Gesellschaft. Viel Freizeit bleibt ihnen dadurch meist nicht. "Wenn andere vielleicht auf der Couch zu Hause den Sonntag verbringen, machen wir halt Dienst."

Quelle: dpa

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