HessenZwei Jahre Schweinepest: Wie sieht es derzeit aus?

Der Schock saß tief, als vor zwei Jahren ein Test positiv ausfiel. Behörden, Verbände und die Politik gingen sofort in den Krisenmodus.
Friedrichsdorf/Wiesbaden (dpa/lhe) - Tausende Tiere werden gekeult, von Jägern erschossen oder verenden elendig. Am 15. Juni vor zwei Jahren wurde in Hessen im Kreis Groß-Gerau das erste Wildschwein positiv auf die Afrikanische Schweinepest (ASP) getestet, mit massiven Folgen. Bauern bangen um ihre Existenz, Maßnahmen zur Eindämmung oder zur Verhinderung einer Ausbreitung verschlingen große Geldsummen.
Ein Ende ist dem hessischen Bauernverband zufolge nicht absehbar. Auch beim Umweltministerium heißt es: "Die Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest ist ein Marathon und kein Sprint. Mit einem schnellen Ende der Seuche ist daher nicht zu rechnen."
Was war passiert?
Nach dem ersten Fund wurde das Ausmaß schnell deutlich. Es wurden Sperrzonen mit Einschränkungen errichtet. Die Seuche breitete sich über weite Teile Südhessens aus. Zur Verhinderung einer Ausbreitung wurden erste Zäune gebaut. Nach Angaben des hessischen Umweltministeriums stehen allein in Südhessen mehr als 400 Kilometer Festzaun. Hinzu kämen flexible Elektrozäune.
Im Kampf gegen eine Ausbreitung schossen Jäger gezielt Wildschweine ab. Zur Suche nach toten Wildschweinen wurden Kadaverspürhunde eingesetzt, um das aggressive Virus nicht weiterzuverbreiten.
Nach einer ständig aktualisierten Auflistung des hessischen Umweltministeriums wurden seit dem Ausbruch der Seuche fast 7.000 Funde von Kadavern oder Kadaverteilen registriert, von denen mehr als 2.300 positiv getestet wurden. Für Schweine endet eine Infektion fast immer tödlich, für Menschen ist das Virus ungefährlich.
Wie sind die wirtschaftlichen Folgen der Schweinepest?
Zahlreiche Betriebe in der inneren Sperrzone in Südhessen haben dem Bauernverband zufolge ihre Schweinehaltung aufgegeben oder stark reduziert. "Dabei spielen neben den direkten Auswirkungen der Seuche auch strukturelle Herausforderungen, gestiegene Anforderungen sowie wirtschaftlicher und mentaler Druck eine Rolle", sagt Sprecherin Marie-Claire von Spee.
Größtes Problem sei die mittlerweile aufgehobene Sperrzone um Betriebe mit infizierten Hausschweinbeständen gewesen. Dort habe es noch strengere Auflagen gegeben, selbst wenn Tiere gesund getestet worden seien. In den besonders betroffenen Landkreisen sei die Zahl der Mastschweine seit 2024 stark zurückgegangen, im Kreis Bergstraße um 47 Prozent, im Kreis Groß-Gerau um 67 Prozent innerhalb eines Jahres.
"Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Afrikanischen Schweinepest lassen sich nicht pauschal beziffern, da sie stark von der jeweiligen betrieblichen Situation und den individuellen Belastungen abhängen", teilte das Ministerium auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Betroffen seien aber nicht nur Landwirte, sondern zum Beispiel auch die Jägerschaft.
Auch für sie würden sich durch den Ausbruch der Tierseuche wirtschaftliche Einbußen ergeben, insbesondere durch die eingeschränkten Vermarktungsmöglichkeiten für Schwarzwild. In der inneren Sperrzone sei trotz negativer Beprobung lediglich die Nutzung zum Eigenverbrauch zulässig. In der nicht so strengen Sperrzone kann Schwarzwild nach Angaben des Ministeriums zwar im regionalen Umfeld an Endverbraucher abgegeben werden. "Ein Verkauf an den Großhandel oder zur Weiterverarbeitung ist jedoch weiterhin untersagt."
Welche Unterstützung gibt es?
"Das Land Hessen hat deshalb frühzeitig aktiv umfangreiche Unterstützungsmaßnahmen auf den Weg gebracht und maßgeblich dazu beigetragen, wirtschaftliche Schäden für die Betriebe möglichst gering zu halten", heißt es beim Ministerium.
Grundsätzlich gelte zudem: "Landwirte haben bei behördlich angeordneten Ernteverboten einen Schadensersatzanspruch gegen den jeweils zuständigen Landkreis." Das Land habe speziell für schweinehaltende Betriebe verschiedene Unterstützungsinstrumente eingerichtet. Bis Ende vergangenen Jahres wurden im Rahmen der Transportkostenbeihilfe für Fahrten zu Schlachthöfen in den betroffenen Sperrzonen rund 157.000 Euro ausgezahlt.
Zusätzlich verzichte das Land auf die Erhebung von Kosten für Untersuchungen durch das Hessische Landeslabor, wodurch die Betriebe unmittelbar finanziell entlastet würden. Über die hessische Tierseuchenkasse seien außerdem Soforthilfen für besonders betroffene Betriebe gewährt worden.
Wie ist die aktuelle Situation?
"Es gibt erste positive Signale, etwa durch die Rückstufung erster Bereiche, die für ASP-frei erklärt werden konnten. Für Schweinehalter in diesen Gebieten führt das natürlich zu einer deutlichen Entspannung", sagt von Spee. Allerdings bestehe weiter die Gefahr einer erneuten Ausbreitung. So bestehe derzeit an der Grenze zu Nordrhein-Westfalen die Gefahr einer Ausbreitung auch nach Nordhessen. Auch dort werden Zäune gebaut.
Erste Erfolge seien vor allem dem außerordentlichen Engagement der Landkreis, kreisfreien Städte, der Veterinäre, der Jägerschaft sowie der Landwirte zu verdanken, die mit großen und vielfachen ehrenamtlichen Einsatz zur Eindämmung der Seuche beigetragen hätten, teilte das Ministerium mit.
Bereits jetzt würden Vorbereitung für einen weiteren Rückstufungsantrag laufen, der im Winter über den Bund bei der Europäischen Kommission eingereicht werden solle. Finanzielle Unterstützung des Bundes gebe es nicht, auch wenn diese schon gefordert worden sei. "Das Land Hessen erhält vom Bund keine Gelder für die Bekämpfung der ASP."