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Mecklenburg-VorpommernAnstieg gemeldeter queerfeindlicher Straftaten in MV

15.05.2026, 05:31 Uhr
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Anfeindungen, Gewalt, Angst: Das gesellschaftliche Klima für queere Menschen in MV wird laut einem Verband teils rauer. Dafür sprechen auch Zahlen des LKA. Taten kommen vor allem aus einer Richtung.

Schwerin (dpa/mv) - Die Anzahl registrierter Straftaten gegen Menschen wegen ihrer sexuellen Orientierung, etwa gegen Homo- oder Transsexuelle, in Mecklenburg-Vorpommern ist deutlich gewachsen. 56 entsprechende Straftaten im Bereich "Geschlechtsbezogene Diversität" und/oder "Sexuelle Orientierung" wurden nach Angaben des Landeskriminalamtes 2025 gezählt. Im Jahr 2024 waren es demnach 41 und im Jahr davor 14. "Damit ist ein deutlicher Anstieg festzustellen", so die Behörde auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Eine eindeutige Ursache für den Anstieg ließe sich nicht abschließend feststellen. Als mögliche Gründe nennt das LKA gesellschaftliche Spannungen infolge von Migration, die politische Polarisierung, den zunehmenden Einfluss sozialer Medien, eine gestiegene Sensibilisierung der Opfer und der Gesellschaft sowie eine intensivere Anzeigepraxis. Es sei vor allem von einer erhöhten Anzeigenbereitschaft und somit einer Erhöhung des sogenannten Hellfeldes auszugehen.

Zur statistischen Erfassung erklärte das LKA, mitgezählt seien Straftaten, "wenn sich die Tatmotivation gegen Personen richtet, deren geschlechtliche Identität oder sexuelle Orientierung von heteronormativen bzw. binären Vorstellungen abweicht". Hierzu zählten insbesondere transgeschlechtliche, nichtbinäre sowie homosexuelle Menschen. Dabei sei unerheblich, ob die Betroffenen tatsächlich entsprechenden Gruppen angehörten. Vielmehr gehe es um die Motivation beziehungsweise Zuschreibung seitens der Täter.

Täter vor allem aus dem rechten Spektrum

Die meisten der registrierten Straftaten kämen politisch aus dem rechten Spektrum. Laut LKA sind auch Taten im Internet, etwa Beleidigungen, eingerechnet. Andere Delikte seien Bedrohungen, Volksverhetzungen, Sachbeschädigungen sowie Körperverletzungsdelikte.

Nach Aussage von Sebastian Witt vom Landesverband LSVD Queer Mecklenburg-Vorpommern ist die Dunkelziffer deutlich höher. "Man geht davon aus, dass 70 bis 80 Prozent gar nicht angezeigt werden. Weil die Leute aus Scham, aus Angst gar nicht erst zur Polizei rennen."

Witt sieht hinter dem Anstieg eine Mischung aus einer Zunahme der tatsächlichen Übergriffe - gerade aus dem rechten Lager - und eine erhöhte Anzeigebereitschaft. Auch Social Media und die Anonymität im Internet spielen eine Rolle. Betroffene ließen sich Beleidigungen im Internet aber auch weniger gefallen und zeigten diese verstärkt an.

Zwischen Sichtbarkeit und Sicherheit

Die gesellschaftliche Stimmung trage dazu bei, dass offen gehetzt werde. Etwa im Zusammenhang mit Christopher-Street-Days (CSD) riefen Rechte dazu auf, queeren Menschen aufzulauern, sie zu jagen und zusammenzuschlagen. "Das hat zugenommen. Das hat richtig zugenommen." Dabei spiele auch eine Rolle, dass Queerfeindlichkeit teils von Politikern stärker salonfähig gemacht werde.

Sein Verband gebe etwa mit Blick auf die CSDs Sicherheitstipps. "Vermeidet kleine Nebenstraßen. Wenn ihr irgendwelche Regenbogen-Symboliken oder Flaggen oder Make-up nutzt, tragt es erst vor Ort auf, wo ihr euch sicher fühlt." Die Leute sollten gegebenenfalls nicht schon bunt geschminkt mit der Bahn anreisen. "Das ist leider für uns echt auch schwierig." Eigentlich habe man jahrelang für Sichtbarkeit gekämpft.

Was kann die Gesellschaft tun? "Wichtig wäre, nicht wegschauen, wenn man irgendwas beobachtet. Gerade wenn es um Übergriffe, Beleidigungen geht", sagt Witt. Auch in der Kneipe und an Stammtischen solle man bei queerfeindlichen Aussagen dagegenhalten. "Da muss man auch Zivilcourage zeigen", fordert Witt vor dem internationalen Aktionstag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie an diesem Sonntag.

Kritik auf Bundesebene

An Opfer gerichtet sagt Witt: "Zeigt es weiterhin an, auch wenn die Erfolgschancen geringer sind. Aber anzeigen, anzeigen, anzeigen, Statistik führen!" Außerdem sei der Selbstschutz wichtig. Wenn man etwa nachts von einer offenkundig queeren Veranstaltung komme, solle man gegebenenfalls lieber in Gruppen unterwegs sein, nicht unbedingt die kleinsten Seitengassen nehmen. "Und einfach bewusst auch auf alles achten. Und natürlich auch Freunde vorwarnen."

Auch auf Bundesebene gab es in den vergangenen Jahren einen Anstieg queerfeindlicher Straftaten. Im Mai 2025 hatte das BKA mitgeteilt, dass sich die Zahl der Straftaten im Bereich "Sexuelle Orientierung" und "Geschlechtsbezogene Diversität" seit 2010 nahezu verzehnfacht hat – darunter oft Beleidigungen, Gewalttaten, Volksverhetzungen sowie Nötigungen und Bedrohungen.

Der Verband Queere Vielfalt (LSVD+) beklagt ein Versagen staatlicher Behörden. "Jeder einzelne Fall ist für eine freiheitliche Gesellschaft beschämend", sagte Bundesvorstand Andre Lehmann der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Die Bundesrepublik schaffe es nicht, für die Sicherheit queerer Menschen zu sorgen. "Das kritisieren wir als sicherheitspolitisches Staatsversagen."

Quelle: dpa

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