Mecklenburg-VorpommernTafeln im Nordosten haben Mehrkosten von 40 Prozent

Tafeln versorgen bedürftige Menschen mit Lebensmitteln. Dazu müssen sie die Ware mit ihren Transportern abholen. Die gestiegenen Kraftstoffpreise machen ihnen zu schaffen.
Rostock (dpa/mv) - Die Tafeln in Mecklenburg-Vorpommern leiden unter den stark gestiegenen Kraftstoffpreisen. "Für uns wird es immer schwieriger, denn wir müssen fahren, sonst können wir Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind, nicht mehr versorgen", sagt Alexandra Bauer, die stellvertretende Vorsitzende des Landesverbandes Tafel Mecklenburg-Vorpommern.
"Wir haben aktuell Mehrkosten von etwa 40 Prozent", sagt Bauer. Der Grund: Im Flächenland Mecklenburg-Vorpommern müssen die Transporter der einzelnen Tafeln oft sehr weite Strecken zurücklegen, um die gespendete Ware einzusammeln. Die Tafel in Demmin, deren Vorsitzende Alexandra Bauer ist, müsse zum Teil bis kurz vor Hamburg fahren. "Hier in Demmin gibt es Discounter, die uns toll unterstützen", sagt sie. Aber für bestimmte Waren wie Fleisch und Fisch müsse man oft längere Wege zurücklegen.
Es gehe allen Kolleginnen und Kollegen von Tafeln im Land ähnlich, viele müssten oft und weit fahren. Dennoch könne man die Mehrbelastung auffangen. "Wir sind alle sehr rührig und aktiv. Wir unterstützen uns auch gegenseitig", sagt Bauer. In Neubrandenburg stehe ein Zentrallager für alle Tafeln im Land. Seit dem 1. Mai kostet es für die Tafeln nichts mehr, dort Ware zu lagern, vorher waren es 10 Euro pro Palette. Die Kosten übernehme nun der Landesverband.
28 Tafeln in Mecklenburg-Vorpommern
Im gesamten Land Mecklenburg-Vorpommern bieten insgesamt 28 Tafeln Lebensmittel für bedürftige Menschen an, fast jede Tafel habe mehrere Ausgabestellen, in der größten Stadt Rostock seien es allein 16. "Natürlich belasten die Kraftstoffpreise unsere Tafel", sagt Rolf Gauck, Sprecher der Stadtmission Rostock, die die Tafel betreibt. "Deshalb prüfen wir, wie wir Touren optimieren können."
Außerdem betreibe man mehr Akquise und habe damit Erfolg, vor allem über Social Media. "Viele Menschen, die etwas abgeben können, sehen die Not", sagt Gauck. Auch Kleinspenden von fünf oder zehn Euro seien willkommen.
Die gestiegenen Lebenshaltungskosten sorgten auch für mehr Zulauf bei den Tafeln, erklärt Alexandra Bauer. Allein in Demmin seien in dieser Woche an einem Tag fünf Menschen neu aufgenommen worden. Man versorge Familien mit vielen Kindern und vor allem immer mehr alte Menschen, deren Rente nicht mehr reiche. Gerade zum Ende eines Monats merke man das extrem stark. "Wir als Tafeln können aber keine Grundversorgung leisten, sondern nur unterstützen. Unsere Hauptaufgabe ist es, Lebensmittel zu retten", sagt sie.