Mecklenburg-VorpommernHerbstbelebung schwächer - Arbeitslosenzahl weniger gesunken

Der Arbeitsmarkt in MV ist trotzdem robust, sagt der Chef der Nord-Arbeitsagentur, Biercher. Positive Zukunftssignale sieht er in der Freigabe von Flächen in Rostock für die zivile Nutzung durch den Bund.
Kiel/Schwerin (dpa/mv) - Nach dem Sommer holt die Wirtschaft üblicherweise wieder Schwung, und in der Folge sinkt die Zahl der Erwerbslosen - in diesem Jahr allerdings fällt der Schwung schwächer aus. Die Personalnachfrage liege unter dem Niveau des Vorjahres, teilte die Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit in Kiel am Freitag mit. Vor einem Jahr seien im September 1500 Menschen weniger ohne Job gewesen als aktuell.
Im Vergleich zum August ging die Arbeitslosenzahl um 2000 auf 60.500 zurück. Die Arbeitslosenquote sank von 7,6 auf 7,4 Prozent. Damit teilt sich MV den vierten Platz mit Sachsen-Anhalt im Ranking der Bundesländer mit den höchsten Erwerbslosenquoten. Die bundesweit höchste verzeichnete Bremen mit 10,7 Prozent, die geringste Bayern mit 3,4.
Der Chef der Regionaldirektion, Markus Biercher, gibt sich optimistisch. Der Arbeitsmarkt in MV sei insgesamt robust, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Auch im kommenden Monat werde die Erwerbslosenzahl fallen. Dass die Zahl der Erwerbstätigen mit 578.100 (Stand Juli) unter dem Vorjahresniveau von 581.800 liegt, führt er auch auf die Arbeitsplatzverluste durch die Pleite der MV Werften Anfang 2022 zurück. Weitere Gründe seien der Energiepreisschock, eine schwächelnde Auslandsnachfrage und eine Kaufzurückhaltung in Deutschland infolge der Inflation.
Biercher erwartet das Entstehen neuer Jobs an der Küste infolge der Freigabe ehemaliger Werftflächen in Rostock durch Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) für private Investitionen. "Ich glaube schon, dass das Effekte haben wird", sagte Biercher. "Vielleicht nicht sofort, aber nächstes Jahr." Der Bund hatte den Rostocker Standort der MV Werften für den Marineschiffbau übernommen.
Die in MV an der Regierung beteiligte Linke forderte vom Bund, die geplanten Kürzungen für die Jobcenter im nächsten Jahr zurückzunehmen. "Statt weniger brauchen die Jobcenter mehr Geld, um die Menschen aktiv und wirksam auf dem Weg aus der Arbeitslosigkeit zu begleiten", sagte die Fraktionsvorsitzende der Linken im Landtag, Jeannine Rösler. Die oppositionelle AfD-Fraktion sprach sich für eine nachhaltige Familienförderung aus, "um langfristig den Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften sicherzustellen". Zuwanderung sollte aus Sicht des arbeitsmarktpolitischen Sprechers Michael Meister ausschließlich durch qualifiziertes Personal erfolgen.