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Mecklenburg-Vorpommern"Extreme Unruhe": Grüne wollen neue Liste für Landtagswahl

22.01.2026, 15:47 Uhr
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Nach Vorwürfen und internen Kämpfen wollen sich die Grünen in MV für die Landtagswahl personell neu aufstellen. Es gibt ein neues Spitzenduo – oder eigentlich ein Trio.

Schwerin (dpa/mv) - Die zerstrittenen Grünen in Mecklenburg-Vorpommern wollen am Samstag eine neue Kandidatenliste für die Landtagswahl am 20. September aufstellen. Die erste bereits im September gewählte Liste soll bei dem Parteitag in Schwerin für ungültig erklärt werden. Grund dafür seien die jüngsten Verwerfungen in der Partei, wie die Bündnis 90/Grüne-Landesvorsitzende Katharina Horn sagte. "Die letzten Monate waren für uns alle nicht leicht, persönlich und politisch."

Für den Listenplatz eins will die Bundestagsabgeordnete Claudia Müller kandidieren. Sie sprach von "extremer Unruhe" in der Partei. Der Landesvorstand habe sie gebeten, anzutreten. Ziel sei, bei der Wahl mindestens fünf Prozent der Stimmen zu erhalten und erneut in den Landtag einzuziehen. Sie werde für ein Angebot für stabile, breite und demokratische Mehrheiten im Landtag mit in die Verantwortung gehen.

Um den zweiten Platz gibt es voraussichtlich eine Kampfkandidatur. Sowohl der Landesvorsitzende Ole Krüger als auch Jana Klinkenberg aus Teterow (Landkreis Rostock) wollen antreten.

Oehlrich und Damm kandidieren bisher nicht

Erst im vergangenen September hatten die MV-Grünen eine Liste aufgestellt. Auf den Spitzenplatz wurde die Fraktionsvorsitzende Constanze Oehlrich gewählt. Doch unter anderem Vorwürfe gegen sie wegen Machtmissbrauch innerhalb der Fraktion hatten die Parteiführung in MV in eine Krise gestürzt. Durch ein Rechtsgutachten hatte sich Oehlrich damals entlastet gesehen.

Im November hatte der Landesvorstand daher eine Neuwahl der Liste angekündigt und Müller und Krüger als Spitzenduo präsentiert. Ende des Jahres knallte es dann erneut, als die Abgeordneten den ehemaligen stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Hannes Damm aus der Fraktion ausschlossen. Ihm waren schwere Vertrauensbrüche vorgeworfen worden. Sowohl Damm als auch Oehlrich hätten bisher keine Kandidatur eingereicht, sagte Horn.

Die Grünen wollen die vergangenen Monate aufarbeiten. "Als Landesvorstand haben wir beschlossen, eine Aufarbeitungskommission einzusetzen", sagte Horn.

Grüne müssen laut Umfragen bangen

Bei der Landtagswahl 2021 hatten die Grünen 6,3 Prozent der Stimmen erreicht und waren mit fünf Abgeordneten in den Schweriner Landtag eingezogen. Nach dem Ausschluss von Damm aus der Fraktion sind es noch vier Abgeordnete. Den jüngsten Umfrage-Ergebnissen von September 2025 zufolge könnte es für die Grünen bei der bevorstehenden Landtagswahl eng werden. Sie kamen dabei auf fünf Prozent. Das wäre genau die Schwelle, die überschritten werden muss.

FDP will ebenfalls Liste aufstellen

Auch die FDP will am Samstag bei einer Landesdelegiertenversammlung in Binz auf Rügen ihre Landesliste aufstellen. Nach Worten des Landesvorsitzenden René Domke kandidiert für den Spitzenplatz der Vize-Landesvorsitzende Kay Alexander Wenzel aus Nordvorpommern als bisher einziger Bewerber. Für Platz zwei trete Jakob Schirmer, ein Hochschullehrer aus Ostvorpommern, an. Für Listenplatz drei gebe es mehrere Bewerber.

Die FDP konnte nach der letzten Landtagswahl mit 5,8 Prozent der Stimmen ebenfalls eine fünfköpfige Fraktion in den Schweriner Landtag entsenden. Nach Austritten sind es jetzt noch drei Abgeordnete. Der Fraktionsstatus ging verloren und die FDP agiert als Gruppe mit weniger Rechten. Nach der Wahlumfrage von September 2025 müssen die Liberalen um den Wiedereinzug ins Landesparlament bangen. Sie blieben in der Umfrage unter der Fünf-Prozent-Hürde, ein genaues Ergebnis wurde nicht ausgewiesen.

Quelle: dpa

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