Mecklenburg-VorpommernKonferenz gegen Antisemitismus: Mehr Aufklärung gefordert

In Deutschland ist die Zahl antisemitischer Vorfälle zuletzt deutlich gestiegen. In Schwerin widmete sich am Mittwoch eine Konferenz der Vorbeugung und Bekämpfung von Judenfeindlichkeit in MV.
Schwerin (dpa/mv) - Mehr Begegnungen zwischen jüdischen und nichtjüdischen Menschen, mehr Bildung, mehr Aufklärung, mehr Medienkompetenz - das sind zentrale Anliegen der jüdischen Community in Mecklenburg-Vorpommern für einen Landesaktionsplan gegen Antisemitismus. Bei einer ersten Beteiligungskonferenz am Mittwoch in Schwerin beklagten Vertreter jüdischen Lebens eine große Unwissenheit in der Bevölkerung über das Judentum.
Der Autor Uwe von Seltmann sagte, daran habe auch das Festjahr "1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland", das 2021 begangen worden war, nichts geändert. Teilnehmer einer Podiumsdiskussion sprachen sich für mehr Begegnungen von Nichtjuden und Juden sowie für mehr Aufklärung über das Judentum vor allem auch in den Schulen aus. Er habe früher viele Einladungen an Schulen erhalten, das sei über die Jahre immer weniger geworden, berichtete Seltmann. Elena Rimalis-Vogt vom Vorstand der Jüdischen Gemeinde Rostock sagte, sie habe den Eindruck, dass der Durchschnittsbürger in Mecklenburg-Vorpommern nur wenige Berührungspunkte mit Juden habe.
Landtagspräsidentin Birgit Hesse und Kulturministerin Bettina Martin (SPD) versicherten den Jüdinnen und Juden, dass der Schutz jüdischen Lebens oberste Priorität habe. Antisemitismus dürfe keinen Platz in der Gesellschaft haben. Es dürfe nicht sein, dass Jüdinnen und Juden in Deutschland wieder Angst haben müssten und ihr Jüdischsein versteckten. Damit spielten sie auf die Zunahme antisemitischer Vorfälle nach dem Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober an. Die Konferenz in Schwerin begann mit einer Schweigeminute für die Opfer dieses Angriffs. Martin verwies auf die Förderung des jüdischen Kulturlebens durch das Land, womit man jüdisches Leben in MV auch sichtbar mache. Aktuell laufen in Rostock die 8. Tage Jüdischer Kultur mit zahlreichen Veranstaltungen.
An der Konferenz nahmen rund 70 Vertreter der jüdischen Gemeinden, der politischen Bildung, von Gedenkstätten, der Justiz sowie Historiker und Politiker im Neustädtischen Palais in Schwerin teil. Auch das Migrantennetzwerk Migranet MV war dabei, an dem auch islamische Vereinigungen beteiligt sind. Zuvor hatte ein Sprecher des Kulturministeriums für Irritationen gesorgt, der gesagt hatte, dass Islamverbände nicht zu der Konferenz eingeladen worden seien.
Terroristen hatten am 7. Oktober im Auftrag der im Gazastreifen herrschenden Hamas die Grenze zu Israel überquert und Massaker angerichtet. In dem Konflikt starben auf beiden Seiten bereits tausende Menschen. In Deutschland ist es seither zu einer Zunahme antisemitischer Vorfälle gekommen.
Die Beteiligungskonferenz soll ein Auftakt sein. Eine weitere Konferenz soll im Juni 2024 stattfinden. Ausgangspunkt ist ein Landtagsbeschluss vom November vergangenen Jahres, in dem das Parlament die Landesregierung aufforderte, Maßnahmen zur Antisemitismusprävention und -bekämpfung weiter zu entwickeln und in einem Aktionsplan zu bündeln.
In Mecklenburg-Vorpommern gibt es zwei jüdische Gemeinden in Schwerin und Rostock. Zusammen haben sie laut einer Statistik des Zentralrats der Juden rund 1100 Mitglieder. Die Zahl antisemitischer Straftaten in Mecklenburg-Vorpommern stieg im vergangenen Jahr im Vergleich zu 2021 um sieben Fälle auf 79.