Mecklenburg-VorpommernMenschen in MV sollen besser vor Hitze geschützt werden

Besonders im Sommer können Hitze und UV-Strahlung für einige riskant werden. In Mecklenburg-Vorpommern plant das Gesundheitsministerium jetzt neue Schritte, um gefährdeten Menschen zu helfen.
Schwerin (dpa/mv) - Der Klimawandel und dessen Folgen können die Gesundheit der Menschen zunehmend beeinflussen. Besonders anhaltende Hitzeperioden und Tage mit erhöhter UV-Strahlung werden im Sommer für manche gefährlich. Um die Bevölkerung zu schützen, sollen in Mecklenburg-Vorpommern daher jetzt ein Netzwerk aufgebaut und konkrete Handlungsansätze für Kommunen und Land weiterentwickelt werden, wie ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in Schwerin mitteilte.
Erstes Hitzeschutzsymposium in MV
Vor diesem Hintergrund kamen in Schwerin laut Ministerium etwa 120 Teilnehmerinnen und Teilnehmern vom Land, Kommunen, Gesundheitsämtern, Verbänden sowie aus den Bereichen Gesundheit, Pflege und Wissenschaft zum ersten landesweiten Hitzeschutzsymposium zusammen.
Ziel ist es laut Sprecher, das Thema Hitze in das Bewusstsein zu holen und die Gesellschaft dafür verstärkt zu sensibilisieren. Schon mit einfachen Maßnahmen könnte beispielsweise alleinstehenden Seniorinnen und Senioren geholfen werden, etwa wenn Nachbarn an heißen Tagen vorbeischauen und sie mit Wasser versorgen. Aber auch Hitzeschutzprogramme in Pflegeheimen und Begrünung von öffentlichen Plätzen sollten demnach Thema sein.
Ministerin: Tropische Nächte sind Realität
"Temperaturen von über 30 Grad in Gebäuden und in der Arbeitswelt sowie tropische Nächte sind keine Zukunftsvisionen mehr; sie sind Realität", sagte Gesundheitsministerin Stefanie Drese (SPD) vor der Veranstaltung. Besonders gefährdet seien demnach vulnerable Bevölkerungsgruppen wie ältere Menschen, chronisch Kranke, Kinder, Schwangere, Menschen mit Behinderungen sowie Obdachlose, Geflüchtete und sozial isolierte Personen.
"Besonders ältere Menschen, Kinder, chronisch Erkrankte oder Menschen, die im Freien arbeiten, sind durch die sich verändernden klimatischen Bedingungen belastet", erklärte Drese. Aber auch Kommunen, Pflegeeinrichtungen, Kitas, Schulen, Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber müssen sich der Ministerin zufolge auf diese Herausforderungen künftig einstellen.
Das Ministerium sieht den Hitzeschutz nach eigenen Angaben als gemeinsame Verantwortung von Land und Kommunen. Prävention, Risiko- und Krisenmanagement und langfristige Anpassungsstrategien erfordern demnach eine "enge Abstimmung aller gesellschaftlichen Ebenen".
Hitzeschutzplan in Mecklenburg-Vorpommern
Der 2025 veröffentlichte "Gesundheitsbezogene Hitzeschutzplan M-V" stehe dabei initial für diesen Prozess und führe neben den Risiken erste Lösungsansätze auf. Mit dem Symposium soll dieser Plan laut Ministerium ergänzend mit Leben gefüllt werden - indem auch erfolgreiche Praxisbeispiele sichtbar gemacht werden.
Denn die Risiken im Zusammenhang mit Hitzeperioden und neuen Infektionskrankheiten werden den Angaben zufolge bisher oftmals noch unterschätzt.
Temperaturanstieg in Deutschland und MV
"Die Geschwindigkeit des Temperaturanstiegs in Deutschland (wie auch weltweit) hat in den vergangenen 50 Jahren deutlich zugenommen", heißt es im Hitzeschutzplan. Die fünf wärmsten Jahre seit 1881 in Deutschland seien nach dem Jahr 2000 aufgetreten (2018, 2020, 2022, 2023 und 2024).
Die Situation in MV werde zwar durch die Lage am Meer beeinflusst. Aber auch im Nordosten ließe sich ein Temperaturanstieg erkennen. So sei es in Mecklenburg-Vorpommern seit 1881 etwa 1,8 Grad wärmer geworden. Die Anzahl der heißen Tage (Tagesmaximum der Lufttemperatur mindestens 30 Grad) sei in den Jahren von 1951 bis 2023 um 5,9 angestiegen.
Auch indirekte Hitze-Folgen
Drese machte auch auf indirekte Folgen von Hitze aufmerksam. So nähmen Infektionskrankheiten wie das West-Nil-Virus oder die durch Zecken übertragene FSME zu. Auch Allergien durch verlängerte Pollenflugsaisons sowie höhere UV-Belastungen für Haut und Augen stellten zusätzliche Herausforderungen dar. Darüber hinaus könnten hohe Temperaturen die Wirkweise bestimmter Medikamente beeinträchtigen.
"Wir brauchen hitzeresiliente Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen, mehr schattenspendende Grünflächen in unseren Städten sowie eine stärkere Verankerung von Klimawissen in der medizinischen Ausbildung."
"Cool bleiben" in Nordwestmecklenburg
Per Mitteilung warb der Landkreis Nordwestmecklenburg kurz vor dem Symposium für ein eigenes Projekt für den Schutz vor Hitze-Folgen. Unter dem Motto "Cool bleiben!" sollen Orte eingerichtet und gelistet werden, an denen sich Menschen abkühlen und kostenlos Wasser trinken können.
Teilnehmen können demnach alle Einrichtungen von Cafés über Bibliotheken, Kirchen, Geschäfte, Museen, Einkaufszentren bis zu Gemeindeverwaltungen, Apotheken, Arztpraxen oder aber regionale Trinkwasserversorger mit festen Öffnungszeiten. Auf einer Karte im Internet sollen Menschen dann erkennen können, wo sie im Landkreis klimatisierte, schattige oder gut durchlüftete Orte und Orte mit kostenlosem Trinkwasser befinden.