Mecklenburg-VorpommernNeuer Gedenkort erinnert an KZ-Häftlinge

Zwangsarbeiter mussten sich im Zweiten Weltkrieg in Peenemünde am Bau von Raketen für die Nationalsozialisten beteiligen. Viele von ihnen starben. Ein neuer Gedenkort erinnert jetzt an ihr Leid.
Peenemünde (dpa/mv) - Am Jahrestag des Kriegsendes 1945 wird in Peenemünde (Landkreis Vorpommern-Greifswald) am Freitag eine neue Stätte zur Erinnerung an die Häftlinge des ehemaligen KZ-Arbeitslagers "Karlshagen I" eröffnet. Das teilt das Historisch-Technische Museum Peenemünde (HTM) mit. Die Eröffnungs- und Gedenkveranstaltung findet am historischen Ort am Flugplatzring Peenemünde statt.
Die Versuchsanstalten Peenemünde waren nach Angaben des Museums von 1936 bis 1945 das größte militärische Forschungszentrum Europas. Auf einer Fläche von 25 Quadratkilometern arbeiteten nach Angaben des HTM bis zu 12.000 Menschen gleichzeitig an neuartigen Waffensystemen wie dem weltweit ersten Marschflugkörper und der ersten funktionierenden Großrakete. Beide seien als Terrorwaffen gegen die Zivilbevölkerung konzipiert und größtenteils von Zwangsarbeitern gefertigt worden.
Museum erforscht die Geschichte der Versuchsanstalt
Das Historisch-Technische Museum Peenemünde sammelt, bewahrt, erforscht und vermittelt die Geschichte der Versuchsanstalten Peenemünde und des NS-Rüstungsprogramms. Zu den Peenemünder Versuchsstellen gehörten zwei KZ-Außenlager, in denen Häftlinge Zwangsarbeit für die Wehrmacht leisten mussten.
Das ehemalige Lager "Karlshagen I" liegt heute am Rande einer Straße und ist im Rahmen des historischen Rundweges "Denkmal-Landschaft Peenemünde" öffentlich zugänglich. Um für das Gedenken einen würdigen Rahmen zu schaffen, habe das HTM die Beschilderung ausgebaut und die historische Darstellung des Lagers verbessert. Auf fünf Bild-Text-Tafeln werden neue Forschungserkenntnisse zum Lager, die Namen der dort Inhaftierten und eine exemplarische Häftlingsbiographie präsentiert. Die Inhalte sind das Ergebnis jahrelanger wissenschaftlicher Arbeit des HTM.
Mindestens 253 Häftlinge getötet
Von Mai 1943 an wurden etwa 2.000 Häftlinge in das KZ "Karlshagen I" deportiert. Die überwiegende Mehrheit seien junge Ausländer gewesen. Knapp ein Viertel sei nicht älter als 21 Jahre gewesen und damit nach damaligem Recht minderjährig. Im Lager litten die Häftlinge unter mangelnder Ernährung und Hygiene, Krankheiten, harten und gefährlichen Arbeiten und der Gewalt von Wachpersonal und Mithäftlingen. Bis Kriegsende wurden nach Angaben des HTM mindestens 253 Häftlinge getötet. Weitere starben in anderen Lagern oder auf sogenannten Todesmärschen.
Die Neugestaltung der Erinnerungsstätte sei Teil einer breiteren Anstrengung des HTM, die Vermittlung der KZ-Haft und Zwangsarbeit am authentischen Ort zu verbessern und das Museum als Akteur der Erinnerungskultur noch weiter zu profilieren. Bereits 2024 hatte das HTM eine Erinnerungsstätte für das ehemalige Lager "Karlshagen II" eingeweiht.