Mecklenburg-VorpommernPolizistin kommen im Fabian-Prozess die Tränen

Die Polizistin kämpft mit der Fassung, als sie über den Fund des getöteten achtjährigen Fabian spricht. Vergleichbare Probleme hatte die Angeklagte laut der Beamtin nach dem Fund des Jungen nicht.
Rostock (dpa/mv) - Eine der ersten Polizistinnen am Fundort der Leiche des achtjährigen Fabian aus Güstrow ist bei ihrer Aussage vor Gericht teils sehr emotional geworden. Als es um den Fund des Jungen ging, kamen der Beamtin zeitweise die Tränen. Sie stockte und musste ihre Aussage unterbrechen. Kurz zuvor hatte sie am 18. Verhandlungstag geschildert, wie die inzwischen wegen Mordverdachts Angeklagte sie und einen Kollegen zum Fundort dirigierte.
Die Angeklagte hatte den Fund am 14. Oktober der Polizei gemeldet. Vor Ort habe sie nicht tief emotional erschüttert gewirkt, sagte die Polizistin. Sie sei sehr kooperativ und auch "redselig" gewesen. Ohne große Nachfragen habe sie von sich aus geschildert, dass sie die Leiche gefunden habe, als sie mit einer Freundin einen Spaziergang gemacht habe und ihrem Hund nachgegangen sei. Demnach erklärte sie auch frühzeitig, dass deshalb Spuren von ihr am Fundort seien.
Polizistin: Angaben wirkten wie zurechtgelegt
Was die Angeklagte sagte, war laut der Polizistin "sehr klar und deutlich formuliert". Auf sie habe es zurechtgelegt gewirkt. Auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters, ob Momente tiefer emotionaler Erschütterung der Angeklagten erkennbar waren, sagte die Polizistin: "Nein." Das habe sie nicht wahrgenommen. Die Angeklagte habe von sich aus nach einem Seelsorger gefragt. Auf die Polizistin habe es gewirkt, als habe die Angeklagte damit ihre fehlende Emotionalität kompensieren wollen.
Die Polizistin holte sich nach eigener Aussage im Anschluss selbst Hilfe. Der Fund der Leiche mit deutlichen schwersten Verletzungen sei sehr belastend gewesen. Sie sprach von einer Schocksituation. "Er wurde entsorgt wie Müll", das sei ihr Eindruck gewesen. "Es tut mir leid, wenn ich das so sagen muss."
Der inzwischen 30 Jahre alten Angeklagten wirft die Staatsanwaltschaft vor, den Jungen am 10. Oktober mit sechs Messerstichen getötet und den Leichnam später in Brand gesetzt zu haben. Sie schweigt vor Gericht bislang zu den Vorwürfen, will sich aber nach Angaben ihrer Verteidiger im August äußern. Zeugen haben ausgesagt, dass sie zusammen mit ihr bereits am Fundort waren - einen Tag, bevor sie die Leiche der Polizei meldete. Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt die Unschuldsvermutung.