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Mecklenburg-VorpommernSelfies und Bismarck-Brötchen – Steinmeier in Stralsund

14.04.2026, 17:15 Uhr
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(Foto: Jens Büttner/dpa)

Krimi-Einkauf im Buchladen, Bismarck-Brötchen mit Geschichte und spontane Selfies: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist für drei Tage in Stralsund. Er will zuhören, hat aber auch Botschaften.

Stralsund (dpa/mv) - Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist zu einem dreitägigen Aufenthalt in Stralsund angekommen. Pünktlich 11.37 Uhr fuhr das Staatsoberhaupt mit dem ICE namens Fulda aus Berlin kommend in den Stralsunder Bahnhof ein. Dort nahm ihn der Stralsunder Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU) in Empfang und begleitete Steinmeier anschließend bei einem Spaziergang durch die Stralsunder Innenstadt.

Bis einschließlich Donnerstag will Steinmeier seine Amtsgeschäfte von Stralsund aus ausüben. Der Besuch ist laut Bundespräsidialamt die achtzehnte Station der Reihe Ortszeit Deutschland, mit der das deutsche Staatsoberhaupt auch Regionen jenseits Berlins oder der Metropolen besser kennenlernen will.

Plädoyer zur respektvollen Streitkultur

Während seines Besuchs betonte Steinmeier die gesellschaftliche Bedeutung kontroverser, aber respektvoller Debatten. Es gehe um die Frage: "Sind wir noch in der Lage, mit Respekt vor dem anderen, auf Augenhöhe miteinander mit Vernunft zu streiten?" Trotz alledem, was einem "in den sozialen Medien an Unversöhnlichkeit in der Sprache entgegenschlägt", sagte Steinmeier: "Wir alle sollten und müssen wieder ein bisschen lernen, mit Vernunft miteinander zu streiten."

Es sei eine Illusion, zu glauben, dass man den Punkt erreiche, an dem in der Demokratie alle einer Meinung seien. Vielmehr brauche die Demokratie die Fähigkeit, mit Vernunft miteinander zu streiten und Kompromisse zu schließen. Für Mittwoch ist eine Kaffeerunde mit Bürgerinnen und Bürgern geplant, bei der auch kontrovers diskutiert werden soll, etwa über Krieg und Frieden, Zuwanderung und wirtschaftliche Fragen.

Gespräche auf dem Wochenmarkt

Am Dienstag suchte der Bundespräsident auf dem Wochenmarkt das Gespräch mit Verkäufern und Verkäuferinnen. Ein Obst- und Gemüsehändler beklagte die hohen Spritpreise.

Das erste Selfie mit dem Bundespräsidenten in Stralsund ergatterte Nico Gertler. Er sei mit Steinmeier sehr zufrieden, sagte der ebenfalls aus Berlin angereiste 28-Jährige. Er würde auch ein Foto bekommen, wenn er unzufrieden wäre, scherzte der Bundespräsident. Gertler engagiere sich selbst ehrenamtlich für die CDU. Aus solchen Begegnungen schöpfe er Kraft für die teils mühsame politische Arbeit. "Das ist halt meine Motivation."

Brötchen mit Bismarckhering auf die Hand

Bei Katrin und Peter Hoffmann, in der Buchhandlung Strandläufer, kaufte sich Steinmeier einen Krimi mit Stralsund-Bezug und ein Buch über Verdrängung ostdeutscher Literatur nach der Wende. Außerdem machten Steinmeier und Badrow Stopp für ein Brötchen mit Bismarckhering beim Fischhandel H. Rasmus, der als Bewahrer des ursprünglichen Rezeptes für Bismarckhering aus dem 19. Jahrhundert gilt.

Den sauer eingelegten Hering aus Stralsund durften sich in der Vergangenheit unter anderem bereits die ehemaligen Präsidenten George W. Bush und François Hollande schmecken lassen. Ex-Kanzlerin Angela Merkel hatte hier ihren Wahlkreis.

Humor bewies ein Passant, der Steinmeier ebenfalls erfolgreich um ein Selfie bat, aber mahnte: "Aber bitte schnell. Wir müssen noch weiter." Während des Spaziergangs sagte Steinmeier: "Das, was die Menschen hier umtreibt, das interessiert mich, und das werde ich mit nach Berlin nehmen."

Gespräch mit Kommunalpolitikern

Im Rathaus angekommen trug sich Steinmeier ins Goldene Buch der Stadt ein und traf sich anschließend zu einem Gespräch mit den Vorsitzenden der Fraktionen der Stralsunder Bürgerschaft. Der Vertreter der Fraktion Bürger für Stralsund konnte laut Stadt wegen Krankheit nicht teilnehmen. Auch die Vorsitzende der AfD-Fraktion nahm demnach aus unbekannten Gründen nicht teil.

In einem Stralsunder Hotel nahm Steinmeier am Nachmittag seine Amtsgeschäfte auf. "Ein Büro mit Seeblick haben wir auch noch nicht gehabt", kommentierte er den Blick auf den Strelasund.

Vor dem Hotel hing die Standarte, die normalerweise über dem Schloss Bellevue in Berlin weht. Auf offiziellen Dokumenten, die Steinmeier während seines Aufenthalts in Stralsund fertigt, steht im Briefkopf Stralsund statt Berlin.

Auf dem Programm in Stralsund stehen bis einschließlich Donnerstag ein Besuch der Stralsunder Volkswerft oder auch der Marinetechnikschule in Parow. Als Abschluss soll Steinmeier am Donnerstag nach einem Rundgang durch das Ozeaneum dort engagierten Bürgerinnen und Bürgern aus Vorpommern den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland verleihen.

Quelle: dpa

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