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Niedersachsen & Bremen Corona- und Kälteschutz: Obdachlose in Hotel untergebracht

Obdachlose liegen unter einer Eisenbahnunterführung. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa/Archivbild

(Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa/Archivbild)

Während des ersten Lockdowns im Frühjahr zogen rund 100 Wohnungslose in die Jugendherberge von Hannover. Doch dieses Corona-Notprogramm endete Mitte Oktober. Mit Hilfe von Stiftungen konnten jetzt 34 Menschen wieder von der Straße geholt werden.

Hannover (dpa/lni) - Die Corona-Pandemie verschärft die Notlage von Menschen auf der Straße, viele meiden städtische Unterkünfte wegen fehlender Privatsphäre und Gewalt. Mit Hilfe privater Spenden konnten jetzt 34 Obdachlose in zwei Hotels in Hannover untergebracht werden. Für die Zimmermiete kommt die Niedergerke Stiftung auf. Betreut werden die 28 Männer und 6 Frauen von Diakonie, Arbeiterwohlfahrt (AWO) und Caritas. "Die Menschen können zur Ruhe kommen und Perspektiven entwickeln, was im schieren Kampf ums Überleben auf der Straße nicht möglich ist", sagte Axel Fleischhauer von der Selbsthilfe für Wohnungslose. Es handele sich überwiegend um Einzelzimmer, vier Paare hätten ein Doppelzimmer. Es gebe eine lange Warteliste für das Projekt. Dem Sozialarbeiter zufolge leben rund 500 Menschen in Hannover auf der Straße.

Im Frühjahr waren wegen der Corona-Pandemie rund 100 Obdachlose von der niedersächsischen Landeshauptstadt in einer Jugendherberge untergebracht worden. Nach einem Vierteljahr habe die Hälfte von ihnen Wohnraum gefunden, berichtete Udo Niedergerke. Er hoffe, dass diese Erfolgsgeschichte mit dem Hotel-Projekt weitergehe. Auch die MUT-Stiftung unterstützt das Projekt. Es wurde auch ins Leben gerufen, weil die Stadt Mitte Oktober das Notprogramm nicht verlängerte und ein Haus räumte, wo zuletzt 17 Obdachlose wohnten. Dies löste Kritik aus. Inzwischen kündigte die Verwaltung neue, ähnliche Projekte für Wohnungslose an.

In Bremen sind derzeit nach Angaben des Sozialressorts knapp 500 Wohnungslose untergebracht, in den größeren Einrichtungen schlafen laut Sprecher Bernd Schneider pandemiebedingt nirgendwo mehr als zwei Personen in einem Raum. Schon seit Jahren werden dem Sprecher zufolge auch Verträge mit Hotels und Pensionen abgeschlossen, mehr als 100 Menschen seien derzeit dort untergebracht.

In Hamburg bringt ähnlich wie in Hannover ein Bündnis gemeinnütziger Organisationen obdachlose Menschen bis März in einem Hotel unter, um sie vor dem Coronavirus und der Winterkälte zu schützen. In Braunschweig, Oldenburg, Göttingen und Wolfsburg gibt es nach Auskunft der Verwaltungen bisher keine derartigen Hotel-Projekte.

Etwa zehn der Obdachlosen in den Hotels in Hannover stammen aus Osteuropa. Einer habe Schwierigkeiten mit seinem Bein und keine Krankenversicherung, sagte Gabriele Schuppe von der AWO: "Wir sind ganz glücklich, dass die Menschen hier versorgt werden." Schon während der ersten Phase in der Jugendherberge hätten zwei dort untergebrachte Männer Arbeit gefunden, diese aber verloren, als sie wieder auf die Straße mussten.

Schon vor Corona haben viele Wohnungslose die Sammelunterkünfte gemieden. Sie sind vielerorts selbst in strengen Wintern nicht ausgelastet. In der Notschlafstelle Alter Flughafen in Hannover stehe Bett an Bett, dazwischen Trennwände, sagte Udo Niedergerke. "Das ist nicht menschenwürdig." Die Unterbringung der 34 Frauen und Männer in den Hotels kostet laut Ricarda Niedergerke etwa 25 000 Euro im Monat. Die Stiftung will für dieses und ein Anschlussprojekt gemeinsam mit der Stadt Hannover 150 000 Euro geben.

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