Niedersachsen & BremenDeutlich mehr Rechtsextremisten in Niedersachsen

Mehr Rechtsextremisten, neue Jugendgruppen und Kampfsport als Rekrutierungsinstrument: Der Verfassungsschutz sieht die rechte Szene in Niedersachsen im Wandel. Eine zentrale Rolle spielt die AfD.
Hannover (dpa/lni) - Die Zahl der Rechtsextremisten in Niedersachsen ist binnen eines Jahres deutlich gestiegen. Das rechtsextremistische Personenpotenzial wuchs im vergangenen Jahr von knapp 2.000 auf mehr als 2.700 Menschen, wie aus dem Verfassungsschutzbericht 2025 hervorgeht. Verantwortlich dafür sei vor allem das rechtsextremistische Personenpotenzial innerhalb der AfD, einschließlich ihrer neuen Jugendorganisation "Generation Deutschland".
Die AfD Niedersachsen wird vom Verfassungsschutz als rechtsextremistische Bestrebung eingestuft. In einem Eilrechtsschutzverfahren bestätigte das Verwaltungsgericht Hannover am 1. Juni diese Einschätzung vorläufig. Die Partei bleibt damit zunächst ein "Beobachtungsobjekt von erheblicher Bedeutung". Eine Entscheidung im Hauptsacheverfahren steht noch aus.
Sorge bereitet dem Verfassungsschutz zudem eine neue Entwicklung innerhalb der rechtsextremistischen Szene. Demnach vernetzen sich seit 2024 zum Teil sehr junge, aktions- und mitunter gewaltorientierte Menschen zunächst im Internet, bevor sie anschließend auch auf der Straße aktiv werden.
Kampfsport als Türöffner
Nach Einschätzung des Verfassungsschutzes gewinnt zudem Kampfsport in der Szene an Bedeutung. Über niedrigschwellige Angebote würden gezielt neue Mitglieder angeworben. Kampfsport und der dazugehörige Lebensstil hätten sich zu einem verbindenden Element entwickelt, das Anhänger unterschiedlicher rechtsextremistischer Strömungen anziehe.
Verfassungsschutzpräsident Dirk Pejril sieht darin ein erhöhtes Eskalationspotenzial. Solche Angebote spielten nicht nur im Rechtsextremismus eine wichtige Rolle bei der Anwerbung von Nachwuchs. Auch in der linksextremistischen Szene habe Kampfsport eine "aufrüstende" Funktion im Kampf gegen Rechtsextremisten. Das berge ein erhebliches Gewalt- und Eskalationspotenzial in beiden Bereichen.
Szene organisiert sich neu
Im traditionellen Rechtsextremismus setzte sich den Angaben zufolge der Bedeutungsverlust der neonazistisch geprägten Parteien "Die Heimat" und "Die Rechte" fort. Letztere löste sich im März vergangenen Jahres auf. Zugleich werde die Szene vielfältiger und organisiere sich zunehmend in unterschiedlichen Gruppen und Netzwerken.
Innenministerin Daniela Behrens (SPD) bezeichnete den Rechtsextremismus als größte Gefahr für Demokratie und Gesellschaft. Diese Ideologie ziele darauf ab, demokratische Grundwerte und Institutionen zu unterwandern. "Es geht um nichts weniger als die Destabilisierung unseres politischen Systems und des gesellschaftlichen Miteinanders", sagte die Ministerin.