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Niedersachsen & BremenFahrt mit Kindern gegen Baum - "So vieles schiefgelaufen"

30.06.2026, 18:28 Uhr
Eine-Mutter-soll-versucht-haben-sich-und-ihre-beiden-Kinder-zu-toeten

Morgens kuschelt sie mit ihren Kindern, Stunden später soll sie mit ihnen gegen einen Baum gefahren sein: War es Absicht? Die Vorwürfe wiegen schwer - und die Mutter bricht vor Gericht in Tränen aus.

Oldenburg/Lohne (dpa/lni) - Eine Mutter kann sich nicht erklären, warum sie mit ihren beiden Kindern im Auto gegen einen Baum gefahren ist. "Ich versteh' nicht, was in meinem Kopf los war", sagt die Angeklagte zu Prozessbeginn am Landgericht Oldenburg. "Ich war nicht ich selbst."

Die Staatsanwaltschaft wirft der 39-Jährigen unter anderem versuchten heimtückischen Mord vor. Ihre achtjährige Tochter musste notoperiert werden, ihr zehnjähriger Sohn und sie selbst erlitten Knochenbrüche.

Tränenreiches Geständnis

Vor Gericht bricht die Angeklagte immer wieder in Tränen aus, zeitweise bekommt sie kaum Luft. "Es ist so vieles schiefgelaufen in meinem Leben", sagt die Frau. Sie erzählt, wie belastend der Alltag mit ihren beiden Kindern gewesen sei. Ihr Sohn sei seit einer lebensgefährlichen Krankheit im Kleinkindalter entwicklungsverzögert. Als es ihm erneut schlechter ging, habe sie ihre Sorgen und ihren Stress mit Alkohol betäubt.

"Ich hab’ dann wirklich einfach immer Bier getrunken, um das besser auszuhalten", sagt die 39-Jährige. Anstatt sich Hilfe zu suchen, habe sie die Menschen in ihrem Umfeld von sich weggestoßen und Ärger gesucht. Das habe auch die Beziehung zu ihrem Partner belastet, mit dem sie zusammen mit ihren Kindern lebte.

Zwei Bierflaschen nach der Arbeit: "Das ist mir so unangenehm"

Am 17. Februar soll die Lage in Lohne (Landkreis Vechta) eskaliert sein. Am Morgen habe sie noch mit ihrem Sohn gekuschelt und für ihre Kinder Obstsalat geschnippelt, erinnert sich die Angeklagte. Mit den Worten "Ich liebe dich, mein Engel. Du bist mein Herz", habe sie ihre Tochter vor der Schule verabschiedet.

Doch gleich nach Arbeitsschluss - mittags gegen 12 Uhr - sei sie nach Hause gegangen und habe zwei Flaschen Bier getrunken. "Das ist mir so unangenehm", sagt die Mutter. Angetrunken habe sie ihre Tochter von der Schule geholt. Während das Mädchen Hausaufgaben machte, habe sie weitergetrunken.

Mit hoher Geschwindigkeit gegen Baum gesteuert

Ihre Erinnerungen seien dann verschwommen, sagt die Angeklagte. Sie wisse nicht mehr, dass sie mit ihrem Partner Nachrichten hin- und hergeschrieben haben soll. Aus dem Chat geht hervor, dass er sich von ihr trennte - und sie das nicht hinnehmen wollte.

Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass das auch der Grund für ihr Handeln war. Sie habe ihren Partner mit der Fahrt gegen den Baum bestrafen wollen. Laut Anklage setzte sie die "arg- und wehrlosen Kinder" ins Auto und steuerte mit hoher Geschwindigkeit gegen einen Baum.

"Das werde ich mir in meinem Leben nicht mehr verzeihen"

Vor Gericht berichtet die Angeklagte nur, dass sie ihren Partner zur Rede stellen wollte. Er sei an dem Abend bei seinen Eltern gewesen. Doch als sie dort ankam, habe sie sein Auto nirgends gesehen und sei weitergefahren.

Dann passierte der Vorfall. Sie erinnere sich nur noch, "dass es qualmt und ich Nasenbluten hab'". Ihr Sohn auf dem Beifahrersitz habe sich bewegt, doch ihre Tochter auf dem Rücksitz habe nicht auf ihre verzweifelten Rufe reagiert. Laut Anklage erlitt das Mädchen schwere Kopfverletzungen, zeitweise schwebte sie in Lebensgefahr. Ärzte mussten sie notoperieren und ihr eine Niere entfernen.

Die Angeklagte schluchzt heftig - und räumt ihre Schuld ein. Wenn sie sich früher Hilfe geholt hätte, wäre es nie so weit gekommen. Davon sei sie überzeugt. "Das werde ich mir in meinem Leben nicht mehr verzeihen", sagt die 39-Jährige, die in Untersuchungshaft sitzt. Ein Urteil könnte Ende Juli verkündet werden.

Quelle: dpa

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