Niedersachsen & BremenMehr Tote auf Niedersachsens Straßen

Zu schnell, betrunken oder berauscht am Steuer: Alle 13 Minuten verunglückt ein Mensch auf niedersächsischen Straßen, jeden Tag stirbt dabei mindestens einer. Innenministerin Behrens macht eines klar.
Hannover (dpa/lni) - Auf niedersächsischen Straßen sind im vergangenen Jahr 372 Menschen ums Leben gekommen - und damit spürbar mehr als im Vorjahr. Als eine der Hauptursachen von Verkehrsunfällen mit Todesfolge gilt zu schnelles Fahren: "Ähnlich gefährlich, wie sich mit Alkohol, Cannabis oder sonstigen Drogen oder Medikamenten ans Steuer zu setzen, ist zu hohes Tempo", mahnte Innenministerin Daniela Behrens (SPD). "Nichts kann das rechtfertigen. Wer zu schnell fährt, gefährdet sich und andere."
Behrens kündigt verstärkte Kontrollen an
Wie aus der vom Innenministerium vorgelegten Verkehrsunfallstatistik hervorgeht, gab es 7 Prozent oder 25 Tote mehr als im Vorjahr. Damals lag die Zahl der Verkehrstoten auf dem niedrigsten Stand seit Beginn der statistischen Erhebungen vor mehr als 70 Jahren.
Behrens betonte: "Wir können mit den Entwicklungen im Straßenverkehr im vergangenen Jahr nicht zufrieden sein. Jeder Mensch, der bei einem Verkehrsunfall stirbt, ist einer zu viel." Die Statistik zeige, dass "viele Menschen viel zu schnell unterwegs" seien oder sich betrunken oder berauscht ans Steuer setzten. "Dabei bestätigt sich meine Befürchtung, dass sich die Teil-Legalisierung von Cannabis negativ auf die Verkehrssicherheit auswirken wird", sagte sie. Die Ministerin kündigte verstärkte Kontrollen an.
Mehr Leichtverletzte, weniger Schwerverletzte
Die Gesamtzahl der registrierten Unfälle sank 2025 im Vergleich zum Vorjahr mit rund 209.000 Unfällen leicht - um 0,1 Prozent. Dagegen ist die Zahl der Leichtverletzten wie die der Verkehrstoten leicht gestiegen - auf rund 36.000. Die Zahl der Schwerverletzten allerdings gab leicht auf immer noch fast 5.000 nach.
Auf den Autobahnen im Land starben 37 Menschen: Das waren 17 mehr als im Jahr zuvor. Als gefährlich stellten sich den Angaben zufolge neben den Autobahnen vor allem die Innenstädte heraus.
Die Risikogruppen
Vor allem die Zahl der getöteten Radfahrerinnen und Radfahrer stieg laut Statistik: 63 Tote wurden gezählt - das war gut ein Viertel mehr als ein Jahr zuvor. Von ihnen waren 33 mit einem Pedelec unterwegs, 41 waren im Seniorenalter. Und etwa zwei Drittel der getöteten Radfahrer trugen keinen Fahrradhelm. Auch unter Motorradfahrern gab es mehr Verkehrstote: Ihre Zahl stieg von 59 auf 67.
Die Innenministerin kündigte mehr Kontrollen und mehr Präventionsarbeit angesichts des Zweirad-Anteils bei den Todesopfern an. Die Fahrradsaison stehe unmittelbar bevor, müsse "frühzeitig und intensiv" über Gefahren aufgeklärt und um Rücksichtnahme geworben werden. Sie wünsche allen eine schöne Saison mit "wunderbaren Ausfahrten", sagte Behrens. "Vor allem wünsche ich Ihnen, dass Sie unbeschadet an Ihr Ziel und nach Hause kommen."
Mehr Seniorinnen und Senioren wurden Opfer
In der Altersgruppe der Seniorinnen und Senioren im Alter ab 65 wies die Statistik 144 Todesopfer aus - 18 mehr als im Vorjahr. Der Anteil dieser Gruppe an den Verkehrstoten lag damit bei rund 39 Prozent, ihr Bevölkerungsanteil dagegen nur bei 23 Prozent. Fast die Hälfte der Verkehrstoten der Altersgruppe war zu Fuß oder mit dem Fahrrad oder Pedelec unterwegs.
2025 verloren auch 9 Kinder im Alter bis zu 14 Jahren bei Verkehrsunfällen ihr Leben, 3 mehr als im Jahr zuvor. In der Altersgruppe der jungen Erwachsenen im Alter zwischen 18 und 24 Jahren dagegen starben 22 Menschen weniger als 2024 – die Zahl der Todesopfer sank auf 36.
Alkohol und Drogen
Wirkt sich die Legalisierung von Cannabis im April 2024 auf den Verkehr aus? Erstmals lägen valide Zahlen vor, teilte das Ministerium mit. Demnach gab es im zweiten Halbjahr 231 Verkehrsunfälle unter Beeinflussung von Cannabis, bei Kontrollen wurden zudem fast 2.000 Verkehrsdelikte festgestellt. Für den berauschenden Cannabis-Wirkstoff THC gilt ein Grenzwert von 3,5 Nanogramm pro Milliliter Blut.
Insgesamt sank die Zahl der wegen Alkohol oder anderer berauschender Mittel im Verkehr gestorbenen Menschen im vergangenen Jahr von 23 auf 8. Die Zahl der Unfälle, bei denen Alkohol oder Drogen eine Rolle spielten, gab ebenfalls leicht nach - nämlich um etwa drei Prozent auf rund 4.200 Unfälle.
Behrens sagte: "Die Zahl der Toten bei Verkehrsunfällen im Zusammenhang mit Alkohol, Drogen oder Medikamenten ist weiterhin zu hoch." Mit Blick auf den Cannabiskonsum mahnte sie, viele vor allem jüngere Menschen "scheinen sich immer noch nicht bewusst zu sein, welche Regeln hierzu im Straßenverkehr gelten und welche Risiken in Bezug auf die Teilnahme im Straßenverkehr damit einhergehen".
Etwa zwei Drittel der tödlichen Verkehrsunfälle ereigneten sich im vergangenen Jahr auf Landstraßen. Immerhin: Die Zahl der sogenannten Baumunfälle im Land sank leicht, ebenso die Zahl der bei Baumunfällen tödlich verunglückten Menschen: von 117 auf 92.
Grüne fordern Geschwindigkeitsbeschränkungen
Stephan Christ, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen im niedersächsischen Landtag, mahnte angesichts der Zahlen Geschwindigkeitsbeschränkungen an. Dies gelte vor allem, wenn zu hohes Tempo ein wesentlicher Grund der steigenden Zahl der Verkehrstoten sei. "Die meisten dieser tödlichen Unfälle sind auf menschliches Fehlverhalten zurückzuführen", sagte er. Christ betonte auch, aus der Legalisierung von Cannabis lasse sich nicht ohne weiteres ein gestiegenes Risiko ableiten.
Der polizeipolitische Sprecher der SPD-Fraktion im niedersächsischen Landtag, Alexander Saade, sagte: "Wir müssen unsere Straßen so gestalten, dass alle sicher unterwegs sind - Kinder, ältere Menschen und alle, die zu Fuß, mit dem Rad oder dem Pedelec unterwegs sind." Verkehrssicherheit sei eine Frage der Gerechtigkeit.