Niedersachsen & BremenMinisterin: Kita-Pflicht vor der Schule kann sinnvoll sein

Schulvorbereitung einerseits, Personalmangel andererseits: Was Niedersachsens Kultusministerin Hamburg über ein Kindergarten-Pflichtjahr vor der Grundschule denkt.
Hannover (dpa/lni) - Niedersachsens Kultusministerin Julia Willie Hamburg kann sich die Einführung eines Kita-Pflichtjahrs vor der Einschulung grundsätzlich vorstellen – allerdings noch nicht in nächster Zeit. "Ich bin offen für die Debatte, wie wir alle Kinder in eine sinnvolle Schulvorbereitung und dafür in die Kitas kriegen können", sagte die Grünen-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur.
"Wir haben aber auch einen Fachkräftemangel im Bereich der Erzieherinnen und Erzieher. Ich bin immer eine Freundin davon, Dinge dann zu versprechen und anzukündigen, wenn man sie auch umsetzen kann."
Solange es wie jetzt zu wenig Erzieherinnen und Erzieher für das "Kerngeschäft" gebe, brauche sie nicht über zusätzliche Ideen nachzudenken. "Dass ein Vorziehen der Schulpflicht sinnvoll sein kann, um in der ersten Klasse gut gemeinsam durchzustarten, ist aber relativ naheliegend", sagte die Ministerin.
Lies will Kinder "auch gesellschaftlich mitnehmen"
Anfang des Jahres zeigte sich bereits Ministerpräsident Olaf Lies offen für eine Diskussion darüber, den Kitabesuch im letzten Jahr vor der Grundschule verpflichtend zu machen. Er sei "zutiefst überzeugt, wenn die Kinder in die Kita gehen, ist es ein Mehrwert für die Kinder", sagte der SPD-Politiker. "Und ich möchte eben nicht, dass wir Kinder, die zum Beispiel Sprachdefizite haben, sozusagen außerhalb von Kita qualifizieren, sondern ich möchte sie auch gesellschaftlich mitnehmen, also in der Kita."
Lies' Stellvertreterin Hamburg sagte nun, jetzt werde erst einmal die dritte Betreuungskraft für Kita-Gruppen umgesetzt. "Damit steigern wir die Möglichkeiten für die Sprachförderung", sagte sie.
Auch verpflichtende Sprachstandtests und eine verpflichtende Sprachförderung ein Jahr vor dem Schulbesuch gebe es bereits. "Wenn Bund und Land dann mit den Kommunen zu dem Schluss kommen sollten, dass der nächste Schritt ein verpflichtendes Kitajahr ist, gerne bundesweit, dann ist es sinnvoll, das zusammen anzugehen. Ich will keine länderweite Kakophonie haben", sagte Hamburg.