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Niedersachsen & Bremen Ministerin will Aufmerksamkeit für straffällige Jugendliche

Ein Junge sitzt mit seinem Schulranzen auf einer Tischtennisplatte auf einem Spielplatz. Foto: Jens Kalaene/Archiv

(Foto: Jens Kalaene/zb/dpa)

Wenn Jugendliche Probleme mit der Justiz bekommen, sind die Gründe vielfältig. Im Umgang mit straffälligen jungen Menschen sind Polizei, Justiz, Jugendhilfe und Schulen gefragt. Vor allem ein Problem bereitet in Niedersachsen nach wie vor Sorge.

Braunschweig (dpa/lni) - Mit mehr Aufmerksamkeit und Hilfe will Niedersachsens Sozialministerin Carola Reimann straffällige Jugendliche besser unterstützen. "Jugendkriminalität ist in den meisten Fällen eher eine spontane und unprofessionelle Straftat", sagte die SPD-Politikerin am Freitag. Ziel müsse es sein, drohende Kriminalität oder gar Radikalisierung frühzeitig zu erkennen, sagte Reimann aus Anlass des Niedersächsischen Jugendgerichtstages am Freitag in Braunschweig.

Junge Straftäter befänden sich oft in Lebenslagen, die von Gewalt, Diskriminierung und Frustration gekennzeichnet seien. Vergehen dürften nicht verharmlost werden, mit mehr Bewusstsein bei den Tätern ließen sich aber weitere vermeiden, erklärte Reimann, die ihre Teilnahme am Gerichtstag krankheitsbedingt absagte. Rund 200 Fachleute aus der Kinder- und Jugendhilfe sowie Vertreter von Polizei und Justiz diskutierten am Freitag in Braunschweig über Lösungsansätze.

Nach einer Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, das rund 9000 Jugendliche befragte, ist besonders auffällig, dass Jugendliche immer häufiger Messer bei sich hätten, sowohl in der Freizeit als auch in der Schule, berichtete die "Nordwest-Zeitung". Auch Mobbing nehme zu. Gleichzeitig werde öfter als früher die Schule geschwänzt.

Schulschwänzen sei ein Dauerthema, sagte Regine Drewniak von der Vereinigung für Jugendgerichte und Jugendgerichtshilfen. "Es gibt in der Zusammenarbeit zwischen Schule und Jugendhilfe noch großen Nachholbedarf", sagte sie der Nachrichtenagentur dpa. Auf das Fernbleiben vom Unterricht werde oft zu spät reagiert.

Über Ursachen für das dauerhafte Schwänzen und die richtige Reaktion darauf ging es ebenfalls beim Jugendgerichtstag in Braunschweig. Dabei ist das Verfahren eigentlich klar geregelt: Laut Schulgesetz sind Schulen gehalten, auf Verweigerung mit pädagogischen und erzieherischen Mitteln zu reagieren. Für die Ahndung des Schulschwänzens sind die Kommunen zuständig, die Bußgelder verhängen können und dies auch immer wieder tun.

Nach Auffassung des Städte- und Gemeindebundes sollten die Schulen das Schwänzen offensiv aufgreifen und im Gespräch mit Schülern und deren Eltern klären. Die Lehrer würden dabei schon eine Menge tun, sagte der Sprecher des Städte- und Gemeindebundes, Thorsten Bullerdiek. "Wenn dann gar nichts hilft, können die Kommunen Bußgelder bis zu 1000 Euro verhängen", erklärte er.

Auch über den Umgang mit radikalisierten Jugendlichen wurde beraten. Wissenschaftler Thomas Meysen verwies darauf, dass noch zentrale Aspekte offen seien, etwa wie Hilfseinrichtungen mit betroffenen Jugendlichen in Kontakt kommen könnten. Das Sozialministerium betonte, es unterstützte Präventionsmaßnahmen und fördere konkrete Projekte in Schulen.

Als ein Zeichen dafür, dass Maßnahmen funktionieren, gelten auch die sinkenden Zahlen bei Jugendkriminalität in Niedersachsen. Nach Angaben des Landeskriminalamtes war die Straffälligkeit in fast allen jugendtypischen Bereichen im Jahr 2018 rückläufig. Aus dem im Mai vorgestellten Jahresbericht geht hervor, dass es lediglich beim Ladendiebstahl einen Anstieg von fast 3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gab.

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