Nordrhein-Westfalen20. Todestag von NSU-Opfer Kubaşık - "Einer von uns"

2006 wurde Mehmet Kubaşık vom NSU ermordet. Ministerpräsident Wüst bittet die Familie am Jahrestag um Entschuldigung für falsche Verdächtigungen – und will ein Zeichen für Zusammenhalt setzen.
Dortmund (dpa/lnw) - Zum 20. Todestag des Dortmunder NSU-Opfers Mehmet Kubaşık hat NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst dazu aufgerufen, gegen Hass einzustehen. "Die Erinnerung an Mehmet Kubaşık mahnt uns alle zu entschlossenem Handeln: Nordrhein-Westfalen bleibt weltoffen und solidarisch. Hass und Hetze haben in unserem Land keinen Platz", sagte der CDU-Politiker bei einer Gedenkveranstaltung in der Ruhrgebietsstadt. Auch Kubaşıks Angehörige und Dortmunds Oberbürgermeister Alexander Kalouti (CDU) nahmen teil.
Der türkischstämmige Kioskbetreiber und dreifache Vater war am 4. April 2006 von der rechtsextremen Terrorzelle NSU in seinem Laden in Dortmund erschossen worden. "Mehmet Kubaşık hatte sich mit seiner Frau und seiner Familie ein neues Leben aufgebaut und Dortmund zu seiner Heimat gemacht. Für mich ist klar: Mehmet Kubaşık war einer von uns", sagte Wüst.
Falsche Verdächtigungen
Die Familie habe durch den Mord nicht nur großes Leid, sondern auch Verdächtigungen und Diffamierungen ertragen müssen. "Dafür bitte ich Familie Kubaşık im Namen des Landes Nordrhein-Westfalen um Entschuldigung."
Der damals 39-Jährige war das achte von zehn NSU-Todesopfern. Bei den Ermittlungen gab es Fehler - so stand Kubaşık fälschlicherweise im Verdacht, in Drogengeschäfte verstrickt zu sein, auch seine Familie war Verdächtigungen ausgesetzt.
Anlässlich des Jahrestags fordern Kubaşıks Angehörige und das Bündnis "Tag der Solidarität - Kein Schlussstrich" auch eine Veröffentlichung aller Akten. Es sei 20 Jahre nach dem Mord weiter unklar, welche Unterstützer der NSU in Dortmund hatte. Ein Schweigemarsch zog am Nachmittag vom damaligen Tatort in der Nordstadt zum NSU-Mahnmal am Hauptbahnhof. Mehrere Hundert Menschen liefen mit, wie ein dpa-Reporter berichtete.
Als NSU hatten sich die Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt bezeichnet, die zwischen 2000 und 2007 zehn Menschen ermordeten und sich 2011 in Eisenach töteten, um einer Festnahme zu entgehen. Die Mittäterin Beate Zschäpe wurde 2018 zu lebenslanger Haft verurteilt.